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Audi TT: Gönn dir was!

Stilikone, Rennmaschine und rollende Begehrlichkeit. Der neue TT Roadster gehört zu den Hinguckern der nächsten Saison. Wenn sein Motor blubbert und das Verdeck sich öffnet, kann der Sommer kommen.

Von Gernot Kramper/Nizza

Der TT Nummer eins galt als preisgekrönte Ikone der Ästhetik, entsprach aber beileibe nicht jedermanns Geschmack. Das Design des Nachfolgers mag weniger exzeptionell sein, aber weniger schön ist es nicht. In die fließenden Formen ragen die Reminiszenzen an den Vorgänger hinein, die kantigen Radkästen, der leise Schwung mit dem die Haube ihnen Platz einräumt. Der neue TT vereinigt kraftvolle Sportlichkeit mit der richtigen Beimischung von Sinnlichkeit. Eine Form, die auch nach Jahren noch bestehen wird.

Für einen Roadster wuchs der TT beträchtlich, nämlich um fast 14 Zentimeter in der Länge und acht in der Breite. Im Vergleich zum BMW Z4 oder dem MX-5 von Mazda macht sich das einerseits behaglich bemerkbar, andererseits leidet die "gefühlte" Sportlichkeit. Zumindest im Coupé. Ein offenes Dach bringt sie wieder zurück. Konsequent positioniert sich der TT als klassischer Stoffdach-Roadster und verweigert sich dem allgegenwärtigen Klappdach-Diktat. Merkbare Nachteile bringt so ein Klappdings nicht, dafür bleibt beim Stoff die klare Linienführung im Heck erhalten und der reizvolle Materialkontrast bei geschlossenem Dach.

Nicht nur für Bonsai-Fahrer

Das Dach öffnet sich automatisch (teils nur gegen Aufpreis) innerhalb von zwölf Sekunden auch während der Fahrt. Ein Ampelstopp reicht also immer für einen Kappenwechsel aus, niemand muss fürchten, zum halb geöffneten Verkehrshindernis zu werden. Unter dem geschlossenen Dach sitzt es sich sehr auskömmlich, keineswegs drückt einen die Dachhaube in den Sitz. Der Fahrer eines TT kann immer normal sitzen und muss sich nicht winden, um die Augenhöhe noch auf Scheibenniveau zu halten. Für Fahrer oberhalb einer Größe von 185 cm ein wichtiger Aspekt, können sie etwa im MX-5 nur wie ein gewundener Wurm den Fahrspaß konsumieren.Unwürdige Haltung ist im Audi also nicht vonnöten, die gut dimensionierte Frontscheibe macht es leicht, auf schwächlichen Unfug wie ein Windschott zu verzichten. Wer den Windstopper haben möchte, bekommt von Audi allerdings ein ganz gemütliches automatisch aus- und einfahrendes Modell geliefert.

Allrad nur für sechs Töpfe

Das unten abgeflachte Lenkrad ist ein Traum, mit ihm lässt sich der Audi messerscharf in die Kurven treiben. Auch bei brutaler Gangart bleibt der Audi wohltuend souverän. Wer Freude am Fahren mit "Rütteln und Schütteln" übersetzt, wird ihn eher als zu domestiziert empfinden. Die Testwagen waren allesamt mit "Magnetic Ride" ausgerüstet. Hier werden die Dämpfungseigenschaften blitzschnell durch ein Magnetfeld beeinflusst. Eine tolle Sache, die mehr Komfort bei straffster Straßenlage garantiert. Wichtiger ist allerdings der Allradantrieb, der bedauerlicherweise für den Vierzylinder noch nicht zur Verfügung steht. Auf schlechten Strecken bekommt der "Einstiegs TT" daher durchaus Traktionsprobleme.

Fieser Crash beim Driften

Mehr als genug Leistung

Dabei ist 2,0-Liter-TFSI-Reihenvierzylinder mit seinen 200 PS, dem V6 3.2 quattro mit 250 Pferdestärken durchaus gewachsen. Natürlich fehlt ihm etwas an Drehmoment und Sprintvermögen, dafür spricht er - obwohl Turbo - sehr direkt auf das Gas an und produziert eindeutig den besseren Sound. Obendrein hat man ihm ein hübsches Nachblubbern mitgegeben. Mit dem DSG-Getriebe sollte man glücklich sein. In 6,5 Sekunden beschleunigt er dann auf 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 237 Km/h erreicht. Für einen Roadster, dem man bei jeder Gelegenheit offen bewegen sollte, reicht das Dicke. Auf kurvigen Pisten wie der D23 und D22 bei Nizza haben auch Hartgesottene nur sekundenlang die Gelegenheit das Gas durchzutreten. Im reinen Leistungswettbewerb werden Z4 M und Porsche Boxster allerdings ihre Nase vor den TT mit V6 3.2 schieben können.

Perfekte Mischung

34.000 Euro Grundpreis sind kein Schnäppchen, zumal man mindestens 5000 Euro für weitere Ausstattung einkalkulieren muß. Aber dafür ist der kleine Vierzylinder eine echte Sportskanone, die Mischung eines edlen Fahrzeugs mit der Adrenalinmaschine unter der Haube überzeugt. Günstiger wird es erst im Laufe des nächsten Jahres, wenn kleinere Motoren nachgeschoben werden. Selbst ein Diesel ist im Audi-Roadster nicht mehr tabu.

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