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Autoklassiker: Youngtimer in Kalifornien: Old Europe im Sonnenstaat

Manche schicken aus dem Urlaub Postkarten, andere bringen sich ein Auto mit. Kalifornien ist ein Paradies für Youngtimer-Fans, und das nicht nur für Ami-Schlitten. Altes Germanen-Blech gedeiht hier bestens.

Schon als Kind hatte Magdi Khalil diesen Traum: Einmal einen Porsche-Schlüssel in der Hand zu halten. Und natürlich das dazugehörige Auto zu fahren, vielleicht gar zu besitzen. Weil solche Träume im Nahen Osten in der Regel nur für Ölscheichs wahr werden, wanderte er in den 60er Jahren von Palästina in die USA aus. Seitdem hat Khalil sie alle gefahren – die kultigen 356er, die frühen 911 Targas und die seltenen Turbos.

Längst hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bei Dodi Auto Sales in Monterey, eine knappe Stunde von San Francisco entfernt, warten Porsche-Youngtimer auf Käufer. Auch Mercedes-Limousinen, BMWs und Triumph-Cabrios sind dabei und behaupten ihre europäische Dominanz zwischen ein paar betagten Mustangs und Camaros.

"California Car" ist quasi ein inoffizielles Gütesiegel für Oldies und Youngtimer. Es heißt: Kaum Regen, wenig Rost. Auch die strengen Verkehrsregeln und harten Tempolimits im Sonnenstaat kommen den Autos entgegen. "Die Motoren werden geschont und halten länger", sagt Autohändler Khalil.

Er hatte schon Youngtimer-Fans aus aller Welt zu Besuch – Schweden, Niederländer, Araber, Österreicher. Viele schauen nur. "Wenn ich für jeden Blick auf meine Autos einen Dollar nehmen würde, wäre ich wahrscheinlich längst Millionär", grinst Khalil.

Pro Monat verkauft der Mann mit dem ständig griffbereiten Handy rund 10 Autos. Ein Mercedes-Liebhaber aus Salzburg packte sich den Einkaufswagen besonders voll: "Der hat 4 Autos in 30 Minuten gekauft", erinnert sich Khalil. Für 60.000 Dollar wechselten ein 230 SL, ein 250 SL, ein 450 SL und als Sahnehäubchen ein 911er den Besitzer.

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Wertstabil in der Krise

Von der Autokrise sei sein Geschäft kaum betroffen: "Gerade deutsche Klassiker sind ziemlich wertstabil", sagt der Händler. 911er zum Beispiel seien immer heiß begehrt - egal aus welchem Baujahr. Sein Schmuckstück im kleinen verglasten Verkaufsraum ist derzeit ein roter Porsche 356, Baujahr 1962, mit Heckgepäckträger und zumindest auf den ersten Blick in exzellentem Zustand. 45.000 Dollar soll der komplett restaurierte Sportwagen kosten.

Besonders stolz ist Magdi Khalil auf einen Mercedes 220 SE von 1964. Der Sternträger war früher eine extravagante Luxus-Alternative zu Cadillac und Co. Marken wie Mercedes oder VW etablierten sich nicht zuletzt durch die Ölkrisen der 70er Jahre als feste Größen in den USA - parallel zum dampfwalzenartigen Siegeszug der japanischen Autobauer. Heute ist mehr als jedes zweite neu zugelassene Auto in Kalifornien ein Japaner. Dagegen sind all die Nippon-Youngtimer, die Nissan Bluebirds, Datsun Cherrys oder Toyota Corollas, fast komplett aus dem Straßenbild verschwunden.

Die besten Autos

Dafür gibt es kaum einen amerikanischen Staat, in dem man so viel europäisches Altmetall erblickt wie in Kalifornien. In den Straßen von San Francisco, vor allem in den alten Stadtvierteln mit ihren steilen Straßen, parken gern alte BMW, Benze, Saabs oder Käfer.

Der Sonnenstaat war und ist ein Hort für Aussteiger, Intellektuelle, Surfer, Künstler und Ökos. Mit einem VW-Bus, Käfer oder Karmann-Ghia konnte man sich nicht nur in den 60er Jahren perfekt vom amerikanischen Mainstream abheben. Und auch PS-Freaks lernten schnell zu schätzen, dass viele amerikanische Hubraummonster im Vergleich zu einem 911er eine Straßenlage wie Fred Feuersteins Fels-Mobil an den Tag legten.

"Es klingt vielleicht ein bisschen abgedroschen", sagt Magdi Khalil, "aber Ihr Deutschen habt einfach schon immer die besten Auto gebaut."

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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