BMW 330 cd Vom Brockhaus auf die Straße


Pünktlich zum Frühjahr, traditionell die Jahreszeit des Autokaufs, hat BMW der kompakten 3er-Baureihe ein Lifting verordnet. Dynamischer wollten die kompakten Münchner werden - auch unter der Haube. So darf sich nun erstmals auch ein Diesel-Triebwerk von seiner sportlichsten Seite Zeigen.

Pünktlich zum Frühjahr, traditionell die Jahreszeit des Autokaufs, hat BMW der kompakten 3er-Baureihe ein Lifting verordnet. Dynamischer wollten die kompakten Münchner werden - auch unter der Haube. So darf sich nun erstmals auch ein Diesel-Triebwerk von seiner sportlichsten Seite Zeigen. Wir waren mit dem 204 PS starken 3er-Diesel-Coupe rund um Malaga unterwegs.

Veraltete Diesel-Ansichten

"Coupé [kuuhpee]: zweitüriger Kraftwagen in sportlicher Form", definiert der große Brockhaus. Von einem Diesel-Motor findet man im allwissenden Nachschlagewerk an dieser Stelle allerdings kein Wort. Kein Wunder, stammt die Eintragung doch aller Wahrscheinlichkeit noch aus einer Zeit, in der Selbstzünder lediglich als träge und stinkende Arbeitstiere herhalten durften.

Salonfähiger Selbstzünder

Mit derartigen Vorurteilen müssen sich die Diesel-Triebwerke inzwischen nicht mehr herumschlagen. Direkt-Einspritzung, Turbolader und Geräuschdämmung haben den Diesel salonfähig gemacht. Lediglich die Tür zur Boxengasse wollte man den drehmomentstarken Triebwerken bisher nicht öffnen. Auch nicht beim BMW. Sportliches Fahren, das stand in München bisher für tanzende Drehzahlmesser-Nadeln und fauchenden Motorsound - viel Kraft aus hohen Drehzahlen eben. Eine konservative Linie - zugegeben. Aber nicht stur! Denn pünktlich zum 3er-Facelift wurde der aus der7er-Reihe bekannte Sechzylinder-Diesel zum adäquaten Treibsatz für das kompakte BMW-Coupé befördert.

Mehr Aggressivität

Optisch war das Münchner Coupé ja noch nie ein Leisetreter. Große Lufteinlässe, die aggressiv wirkende Motorhaube, dynamische Linienführung - da griffen nicht nur ambitionierte Landstraßen-Sprinter gerne zu. So soll es auch weitergehen. Deshalb haben sich die BMW-Designer vor allem die Front des kompakten Sportlers zur Brust genommen. Ziel: Die optische Eigenständigkeit gegenüber Limousine und Kombi.

Operation gelungen, Patient topfit! Selten wirkte ein "3er" bereits ab Werk so dynamisch. Eine dicke Chromleiste rund um die große BMW-Niere im Kühlergrill betont das neue Selbstbewusstsein des Coupés. Die ausgeprägt Frontschürze wirkt größer und verschafft dem Triebwerk nicht nur subjektiv mehr Atemluft. Neu ist auch die breitere Form der Pfeilung, die die Motorhaube durchpflügt. "Powerdome" nennt BMW diesen Buckel neuerdings. Wem´s gefällt...

Leuchtdioden am Heck

Die Modifikationen am Coupé-Heck sind nicht ganz so offensichtlich. Neben einer breiten Griffleiste an der Heckklappe signalisieren vor allem die Heckleuchten mit Leuchtdioden-Technologie den Premium-Anspruch der Münchner.

BMW 330cd

Motor

Sechzylinder Common-Rail-Turbodiesel

Hubraum

2.993 cm³

Leistung

204 PS / 150 kW

Bremsen

Innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, ABS und DSC serienm.

Länge/Breite/Höhe

4.488/1.757/1.369 Millimeter

Leergewicht

1.615 Kilogramm

0-100 km/h

7,2 Sekunden

Höchstgeschw.

242 km/h

Durchschnittsverb.

6,6 Liter (Werksangabe)

Grundpreis

35.750 Euro

Kuschelweicher Softlack

Dem wird das geliftete Coupé auch im Innenraum gerecht. Edelste Materialen, minimale Spaltmaße, hochwertiger Gesamteindruck - so kennt man das aus München. Allerdings wirkt das Armaturenbrett nicht mehr ganz taufrisch. Vor allem im konservativen Edelholz-Dekor macht der zerklüftete Armaturenträger wenig her. Das kann die Konkurrenz inzwischen besser. Dafür haben die BMW-Ingenieure unter dem kuschelweichen Softlack mächtig aufgerüstet. Alleine die Handykonsole mit Bluetooth-Schnittstelle weckt das Kind im Manne. Selten war es so schön, mit einem Handy im Auto zu telefonieren. Kein Kabel-Gestöpsel, keine schwergängigen Handy-Halterungen. Dank der neuen Technik bleibt das Handy in der Tasche und kommuniziert mit der Freisprecheinrichtung per Funk, inklusive Telefonbucheinträgen und Kurzmitteilungen. Aufpreis fürs schnurlose Quasseln: 1.200 Euro. Die Anpassung von Handy und Bordsystem erfordert allerdings einen technischen Hochschulabschluss - oder einen Blick ins Handbuch. Aber wer schaut da schon rein...

Komfortabler Sportler

Betrachtet man die sportliche Ausrichtung des er Coupés, geht es hinterm Lenkrad erstaunlich komfortabel zu. Das in Entfernung und Neigung verstellbare Multifunktions-Lenkrad (Aufpreis 390 Euro), die elektrisch befeuerte Sitzverstellung und eine Armlehne werden sicherlich nicht nur von Weicheiern gerne gesehen. Besonders die Sportsitze hinterließen bei unserer Probefahrt einen exzellenten Eindruck. Trotz wuchtiger Seitenflanken und straffer Polsterung fühlt sich selbst ein geschundenes Redakteurs-Rückrad bestens aufgehoben. Vor allem dann, wenn die Physik in engen Kurven ihr Recht auf die Trägheit der Masse einfordert.

Sanfter Büffel

So schön es auch ist, mit den Knöpfen der Telefonanlage zu spielen und die Elektromotoren der Sitzverstellung an ihre Grenzen zu bringen, der natürliche Lebensraum eines Coupés ist die Straße. Dorthin gelangt man bei BMW erstmals mit Dieselunterstützung. Der Common-Rail-Selbstzünder der zweiten Generation schöpft seine Kraft aus sechs Zylindern und drei Litern Hubraum. Die Arbeitsweise des Sextetts bleibt dabei zunächst jedoch im Dunkeln. Beim Start und im gemäßigten Zuckel-Tempo ist der Reihen-Sechszylinder unfassbar still - kein Nageln, kein Schütteln, keine Vibrationen. Erst bei forscherem Gasfuß-Einsatz meldet sich der Turbolader mit einem vielsagenden Pfeifen.

Dass sich hinter der Geräuschdisziplin die Leistungsausbeute einer kleinen Büffelherde versteckt, ist faszinierend. Bereits ab 1.500 Umdrehungen kommen die teuren 18-Zöller an der Hinterachse in die Verlegenheit, 400 Newtonmeter Kraft auf die Straße bringen zu müssen. Das geht ganz gut, solange die Fahrbahn trocken ist. Feuchtigkeit oder gar winterliche Straßenverhältnisse treiben den 330cd jedoch schnell in die Arme des Schleuderverhinderers DSC - erkennbar am hysterischen Blinken der passenden Warnleuchte. Der Kompromiss zwischen brachialem Bremseingriff und hilflos durchdrehenden Rädern verbirgt sich praktischerweise unter dem DSC-Knopf. Kurz gedrückt beschränkt die Taste den Einfluss der Elektronik auf extremere Fahrsituationen und macht den Weg für dezente Driftwinkel frei. Erleichternd kommt hinzu, dass sich die Zahnstangen-Servolenkung selbst in Extremsituationen kaum eine Blöße gibt.

Berechenbares Fahrwerk

Die möchte man nach den ersten Ecken auch schnell nicht mehr missen. Trotz des offensichtlichen Kampfes um Traktion bleibt das Coupé sehr berechenbar. Aus anfänglichem Untersteuern wird in schnellen Kurven ein leicht zu beherrschendes Übersteuern. Fuß vom Gas und kurz Gegenlenken - schon zieht das 3er Coupé leichtfüßig um die Ecke. Dabei lässt sich das erstaunlich komfortable Sportfahrwerk auch kaum von widrigen Straßenverhältnissen aus der Ruhe bringen. Selbst übelste Landstraßen ohne erkennbar geschlossene Asphaltdecke steckt das Coupé weg - ohne dabei einen Großteil der Arbeit auf die Wirbelsäulen der Passagiere abzuladen.

Im Cockpit ist Ruh'

Dementsprechend zivilisiert verläuft der Abstecher auf die Autobahn. Außer einem kaum hörbaren Brummeln dringt selbst bei hohen Geschwindigkeiten kaum ein Motorgeräusch in den Innenraum. Besonders beeindruckte uns der sechste Gang des knackig abgestimmten Getriebes. Entspanntes Cruisen oder kurze Sprints auf der linken Spur - der "Sechste" passt immer!

Clevere Lampen

Nachtaktive Coupé-Fahrer sollten unbedingt 400 Euro für das adaptive Kurvenlicht einplanen. Gerade auf abgelegenen Holper-Pisten ohne Fahrbahnmarkierungen sind die mitlenkenden Bi-Xenon-Scheinwerfer eine echte Hilfe. "Um die Ecke", wie die Pressemitteilung verspricht, kann man damit zwar nicht leuchten - engen Kurven ihren Schrecken nehmen, aber schon. Bis zu einem bestimmten Grad folgt der Scheinwerferstrahl dem Lenkeinschlag, und erlaubt so einen Blick in Kurvenbereiche, die bisher im Dunkeln blieben.

Fazit

Das 3er Diesel-Coupé setzt Maßstäbe in Sachen Fahrdynamik und Diesel-Komfort. Dass die 35.750 Euro kein Sonderangebot sind, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht berücksichtigt ja auch die Brockhaus-Redaktion die veränderte Coupé-Situation bei der nächsten Überarbeitung des allwissenden Buches. "Coupé [kuuhpee]: zweitüriger Kraftwagen in sportlicher Form - gerne auch mit Diesel-Motor" - klänge doch gut, oder?

Jochen Knecht

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