BMW Z4 Coupé 3.0 Quäl mich!


Man sitzt wie in einer Sardinenbüchse und will doch nicht wieder hinaus. Der Z4 verwöhnt seinen Fahrer nicht, er fordert ihn. Nach kurzer Zeit begreift man: Unbequem ist einfach besser.
Von Gernot Kramper

Golfgepäck, Wohlstandsbauch und Rückenprobleme sind die Leitsterne, nach denen heutzutage Coupés und Roadster gebaut werden. Schuld sind die Preise, denn der Kunde sagt: "Ich bin alt, ich hab das Geld." Frei von Rücksichten auf jung gebliebene Best-Ager mit Bandscheibenvorfall ist das Z4 Coupé allemal. Wenn allerdings die Jeans zuerst an der Innenseite der Oberschenkel aufscheuert, kann man sich die Probefahrt sparen. Die Dicky-Society passt nicht an Bord. Das Betreten des Arbeitsplatzes erfordert Geschick, Koordination und Selbstbeherrschung. Wenn das Lenkrad tiefgelegt und ausgefahren ist, hilft nur ein leicht schraubende Hüftbewegung auf den Fahrersitz. Kamasutra für Adrenalin-Piloten. Hinaus geht es genauso schwer, aber wer will schon wieder raus, solange noch Benzin im Tank ist?

Sparsamer Rabauke

Mit dem Drei-Liter-Sechszylinder hat BMW eine Maschine im Programm, die ihresgleichen sucht. Der Z4 weckt dazu noch die sportlichsten Seiten in ihr. Schon im Normalbetrieb bietet der Motor die Kraft, die die Optik des rasanten Coupés verlangt. Richtig Spaß macht der Z4 allerdings im Sportmodus. Wie ein Rudel wilder Wölfe hängt der Motor am Gas, Lenkung Fahrwerk reagieren noch schärfer als sonst. In Kurven schlägt das Heck wüst aus. So macht BMW Spaß. Im Z4 verkörpert sich der Markengeist in kompromissloser Sportlichkeit.

Besonders erfreulich, der Motor begnügt sich auch bei sportlicher Fahrweise mit weniger als zehn Liter Superbenzin, solange nicht allzu lange Autobahnanteile mit Top-Speed dabei sind.

Gemütlich geht nicht

Fairerweise sollte man dazu sagen, das man mit dem Z4 alles mögliche anstellen kann, aber gemütlich dahin zu cruisen ist nicht vorgesehen. In Stadt und auf der Autobahn genügt eiserne Selbstbeherrschung, um die Maschine gedämpft zu bewegen. Auf kurvenreichen und ausgefahrenen Landstraßen ist dies gar nicht möglich. Das Fahrwerk gibt eine extrem direkte Rückmeldung über den Untergrund. Bei sportlicher Fahrweise ein Genuss. Wenn man aber müde auf schlechter Straße einfach nur nach Hause will, gibt es leider keine Auszeit vom Rennerfeeling. Dem Z4 muss man sich mit Leidenschaft widmen, einfach nur dahinwalzen, dafür ist sich der Roadster zu schade.

Enger Maßanzug

Abgesehen vom beschwerlichen Ein- und Ausstieg und den spärlichen Ablagen, kann man es im Coupé sehr gut aushalten. Die Sportsitze machen lange Strecken erträglich, die Verarbeitung ist okay und die klassische, zurückhaltende Optik des Innenraums gefällt, wenn sie auch ein wenig spartanisch wirkt. Aber natürlich sitzt der Fahrer im Rennstuhl fixiert vor dem Lenkrad. Herumlümmeln oder verschiedene Sitzhaltungen einnehmen, geht mangels Raum leider nicht. Dafür sind 285 Liter Kofferraum auch für den Trip zu zweit sehr annehmbar. Die Kofferraumabdeckung ist nicht starr, dadurch lässt sich immer noch etwas mehr "hineinquetschen." In der Kabine ist der Z4 ein reiner Zweisitzer, der "Stauraum" hinter den Sitzen reicht höchstens für eine Zeitschrift.

Eigentlich genug

Der Z4 muss sich in Sachen Sportlichkeit nur einem Porsche geschlagen geben. In Sachen Bequemlichkeit gibt es keine Kompromisse. Die Wahl fällt insofern leicht, allein der neue Audi TT bietet ebenfalls viel Sportlichkeit mit sehr viel mehr Komfort. Wem die puristische Art des Z4 zusagt, hat allen Grund süchtig zu werden. Wer noch mehr will, kann zur M-Variante greifen. Aber mal ehrlich, wer kann von sich schon sagen, dass ihn der "normale" Sechszylinder unterfordert?


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