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Citroën C6: Französische Evolution

Mit dem neuen Luxusliner C6 will Citroën an glorreiche Zeiten anknüpfen.

Es war das große Leiden von Citroën: Immer wenn die Franzosen in der Vergangenheit einen neuen Wagen vorstellten, wiegten die Kritiker bedächtig die Köpfe, um dann den Daumen zu senken: Na ja, ein DS ist es nicht.

Citroën DS, die alles überstrahlende Göttin - als der Wagen 1955 vorgestellt wurde, war das die Französische Revolution auf Rädern. Science-Fiction-Design, Hydropneumatik, mitlenkende Scheinwerfer, große Glasflächen - so viel Zukunft auf einmal hatte es im Autobau nie gegeben. Die deutschen Goggo-, Lloyd- und VW-Fahrer guckten ungläubig aus ihren Seifenkistenfenstern, wenn so ein Raumschiff vorbeischwebte. Als die Baureihe nach 1,3 Millionen Exemplaren eingestellt wurde, hatte Citroën eine große Zukunft hinter sich. Die Nachfolgemodelle CX und XM galten in der Oberklasse eher als schlampig gemachte Außenseiter denn als Konkurrenten.

Nun stellt Citroën den Luxusliner C6 auf die Straße. Seine Front ist so lang wie die Nase von Ex-Präsident Charles de Gaulle, der kraftvolle Hintern wird von zwei Art-deco-Rücklichtern betont. Fast wie ein Coupé kauert er auf der Straße, sein Design erinnert an den Vorvorgänger CX. Der Wagen lässt niemanden vorbei, ohne dass man sich eine Meinung bildet: Ungewöhnlich, rasant, hässlich, unproportioniert, modern, dynamisch kann man ihn finden - aber geklont oder langweilig ganz sicher nicht.

Der lange Radstand von 2,90 Metern verspricht einen üppigen Innenraum. Staatschef Jacques Chirac, dem mit 1,87 Meter Körpergröße wohl besonders die Kniefreiheit am Herzen liegt, hat schon seinen zweiten C6 geordert. Ach ja, Monsieur Président wird in einem Diesel chauffiert. Der 2,7-Liter-Motor (204 PS) ist ein Flüsterkraftwerk, das auch bei Staatsgeschäften auf der Rückbank nicht stört. Den Partikelfilter gibt's serienmäßig, der Normverbrauch soll bei 8,7 Litern liegen. 80 Prozent der Käufer, so glaubt man bei Citroën, werden sich für den Diesel entscheiden.

Einzige Alternative: ein 3,0-Liter-V6-Benziner, der zwar 3000 Euro billiger, dafür aber im Vergleich erschütternd kraftlos ist. Beide Triebwerke beschleunigen den C6 auf 230 km/h, jeweils unterstützt von einer butterweich schaltenden Sechsgangautomatik. Bei solch hohem Tempo fährt ein Stummel-Spoiler aus dem Kofferraumdeckel.

Citroëns Grosser

ist ein Reise-, kein Rasemobil, seine Spitzenwerte liegen nicht in der Leistung, sondern im Komfort. Mit fast perfekter Geräuschdämmung und computerüberwachter hydropneumatischer Federung knüpft er an die Tugenden des DS an. Der Innenraum wirkt solide und funktional, auf Gimmicks wie Parfümspender im Kompaktmodell C4 haben die Créateure verzichtet. Im Januar kommt der Franzose bei uns auf den Markt, Einstiegspreis 42 500 Euro. 5000 Stück, so der Plan, sollen 2006 in Deutschland verkauft werden. Der C6 wird die Autogeschichte nicht umschreiben. Und niemand bei Daimler, BMW oder Audi wird zittern. Aber die Botschaft ist klar: Citroën ist in der Oberklasse wieder im Rennen, die schlampigen Zeiten sind vorbei.

Peter Pursche / print
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