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Der neue Opel Astra Sports Tourer: Vom Lastesel zum Rassepferd

Der neue Astra Kombi ist schick und clever. Mit dem besseren Design, klugen Flexibilitätslösungen und liebevoller Detailarbeit will Opel dem Golf Variant an den Karren fahren. Aber er trägt eine große Last: das ramponierte Opel-Image.

Von Gernot Kramper

Ausgerechnet Opel baut den schönsten Wagen seiner Klasse. Das hört sich an wie ein "Märchen aus 1001 Nacht", aber es stimmt. In Istanbul stellten die Rüsselsheimer ihren neuen Astra Kombi vor. Seine großen Vorzüge sind Design und Flexibilität. Beim Vorgänger stand noch der reine Nutzen im Vordergrund. stern.de schrieb damals über den gutmütigen Lastesel: "Bist ne ehrliche Haut." Ein praktischer Wagen, bei dem man über die Eigenheiten des Designs souverän hinwegsehen musste. Allein die fette Chrombinde am Heck war ein Graus. Für die neue Generation wurde der Kombi modisch von "Caravan" in "Sports Tourer" umgenannt und hübsch gemacht: Die Dachlinie fällt nun elegant ab, das Heck neigt sich nach vorn. Coupéhafte Anmutung nennt man das, und es macht optisch einen merklichen Unterschied zur raumoptimierten Kastenbrot-Form.

Blechdosen-Tristesse adé

Bis zur B-Säule sind Kombi und Fließheck zwar identisch, dennoch wirkt der Sports Tourer gelungener. Beim Fünftürer schränkt das zusammengezogene Ende Innenraum und Übersicht sehr ein. Die Stilelemente, die Opel aus der Blechdosen-Tristesse herausführen sollen, werden beim Sports Tourer stimmiger eingesetzt. Der Fünftürer arbeitet zu stark mit den Effekten der Schwünge und Sicheln im Blech. Der Kombi ist schlichter und edel, ohne gleich ein "Mr. Unsichtbar" wie der Golf Variant zu werden.

Kunststoffe und Verarbeitung im Innenraum entsprechen dem hohen Niveau der neuen Opel-Modelle. Hier knarzt und quietscht nichts. Der Astra fühlt sich gut und wertig an. Er unterscheidet sich innen deutlich von dem sehr nüchternen Ambiente des Golf. Puristen könnte es ein wenig Zuviel des Aluglanzes sein.

Groß, aber kein Raumwunder

Der Nachteil der schönen Form: Mit 4,70 Metern wurde der Sports Tourer so groß wie noch nie, ohne entsprechend im Inneren mitzuwachsen. Der Stauraum kann sich sehen lassen, setzt aber keine Bestmarken. Wird die Rückbank versenkt, steht eine Ladefläche von über 184 cm Länge zur Verfügung, das Volumen beträgt dann 1550 Liter. 40 Liter weniger als beim Vorgänger. Das ist nicht tragisch, für Sperrgut gibt es schließlich Pampersbomber wie Opel Zafira und VW Touran.

Im Alltag überzeugen dafür Detaillösungen, die nicht sofort auffallen. Dazu zählen integrierte Griffe, mit denen sich die Heckklappe leicht und schmutzfrei öffnen lässt. Wer das Gepäckrollo entfernt, kann es in voller Länge in einem Staufach unterhalb des normalen Kofferraums unterbringen, weil ein Stück des Trägers unter die Rückbank geschoben werden kann. Auch wird ein verbesserter integrierte Fahrradträger als Extra angeboten. Prima, wenn man die Räder nicht mehr auf dem Dach hieven muss. Mit FlexFold verschwinden die Rücksitze per Knopfdruck. Das lästige Herumlaufen um den Wagen oder ein Hineinkriechen in den Kofferraum entfällt. Das ganze Thema "Be- und Entladen" gefällt beim Opel. Es zählen nicht nur die Volumenliter, sondern die Liebe zum Detail. Hier sticht der Sports Tourer die Konkurrenz aus.

Alltagsmotor und Spardiesel

Das optionale Fahrwerksystem FlexRide trimmt den Astra auf dynamische Härte. Das Fahrwerk strafft sich im Sportmodus dann merklich. Die Lenkung kommt leider nicht ganz mit. Hier fehlt es etwas an direkter Rückkopplung. Fahrer ohne ausgeprägten sportlichen Ehrgeiz sollten sich diese Investition sparen, auch ohne FlexRide ist das Fahrwerk sehr harmonisch ausbalanciert - auch eine Bestmarke im Segment.

Der 140-PS-Turbonbenziner harmoniert gut mit dem Sports Tourer. Mit 200 Nm Drehmoment kann er zwar mit den entsprechenden Dieseln nicht mithalten, aber selbst beim Überholen in Bergpassagen muss er nicht kneifen. Der Durchschnittsverbrauch beträgt 6,1 Liter, der Wechsel zum Diesel dürfte daher nur für ausgesprochene Vielfahrern sinnvoll sein. Eine Start-Stopp-Automatik rüstet Opel bei diesem Motor allerdings erst 2011 nach. Anfang nächsten Jahres bietet Opel einen echten Spritsparer an: Der 1,3-Liter-CDTI mit 95 PS weist einen Normverbrauch von 4,1 Litern Diesel auf. Wenn Spritsparen Priorität hat, werden 95 Diesel-PS reichen. Der Normalkunde ist mit dem 140-PS-Benziner sehr gut bedient. Mehr muss nicht sein, weniger Leistung passt aber nicht zur Optik.

Preislich startet der Kombi bei etwa 18.000 Euro - 1100 Euro mehr als ein vergleichbarer Fünftürer. Das spartanische Grundmodell wird allenfalls Firmenkunden für den Handwerkereinsatz überzeugen. Die Basisausstattung ist für Privatkunden uninteressant, weil sich viele Extras nicht dazu bestellen lassen. Für den empfehlenswerten 140 PS-Sports-Tourer werden mindestens 20.500 Euro fällig. In der zweiten Ausstattungslinie (Edition) sind es 22.300 Euro. Das FlexFold-System gibt es erst in der Variante "Sport" - sie kostet mindestens 24.240 Euro. Kommen noch einige Extras hinzu, nähert sich der Preis schnell der 28.000 Euro Marke. In der Krise gibt es bei Opel nichts geschenkt, auch bei den Preisen kann sich der Sports Tourer leider mit dem Golf Variant vergleichen. Dafür gibt es bei Opel die "lebenslange" Garantie. Auch wenn sie auf 160.000 Kilometer Laufleistung begrenzt ist, entspricht sie einem Preisvorteil gegenüber einer normalen Zwei-Jahresgarantie von deutlich über 1000 Euro. Die Versicherungseinstufung wird beim Kauf häufig übersehen. Durch kontinuierliche Pflege punktet der Sports Tourer hier mit geringen Reparaturkosten und sehr niedrigen Kaskoklassen. Das spart etwa 200 bis 300 Euro im Jahr.

Mit dem Sports Tourer will Opel die Marktführerschaft erobern. Mal sehen, ob das klappt. Der Kombi muss zumindest keinen Vergleich mit dem Golf Variant scheuen. In den Punkten Aussehen und Flexibilität liegt der Opel sogar deutlich vorn. Der Golf ist ein perfektes Auto, aber verströmt eine geradezu einschläfernde Solidität. Da gefällt der elegante Sports Tourer sehr viel besser. Der Opel wiederlegt auch das Vorurteil, dass Kombis langweilig sind. Im Gegenteil, der elegante Sports Tourer wird auch dann noch bestehen können, wenn man die modischen Crossovers nicht mehr sehen kann.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.