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Diese CO2-Strafzahlungen drohen den Autobauern Das kostet die Autoherseller Milliarden

Große SUVs sind per se keine Spritspar-Meister
Große SUVs sind per se keine Spritspar-Meister
© press-inform - das Pressebuero
Der Elfenbeinturm, in dem sich die Automobilindustrie jahrzehntelang wohlfühlte, ist passé. Ab diesem Jahr greift die CO2-Verordnung der EU. Für die Emissionssünder drohen Zahlungen in Milliardenhöhe, denn es gibt nur wenige Schlupflöcher.

Der Milliarden-Hammer hängt drohend über Mercedes, BMW, VW & Co. Ab diesem Jahr gelten die CO2-Grenzen der EU: Demnach darf jedes neuzugelassene Auto im Flottendurchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstoßen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel oder 4,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer. In diesem Jahr haben die Autobauer noch eine Schonfrist und müssen nur 95 Prozent der neuzugelassenen Autos auf die CO2-Bilanz anrechnen. Dass da die größten Spritfresser außen vor bleiben, liegt auf der Hand.

Ab 2021 gibt es dann kein Zurück mehr. Jedes Auto zählt. Die Analysten von Jato Dynamics haben festgestellt, dass die Hersteller dieses Ziel um 20 bis 25 Gramm pro Auto verfehlen würden, wenn man das aktuelle Modellportfolio zugrunde legt. Das würde Strafzahlungen in Milliardenhöhe bedeuten - am 16. Juni 2019 ging Jato Dynamics von fast 34 Milliarden Euro aus, die die OEMs ab 2021 an die EU überweisen müssten. Unterm Strich würde das fast die Hälfte des gesamten Nettogewinns der wichtigsten Automobilhersteller ausmachen.

Für manchen Hersteller wäre dann die finanzielle Schieflage beträchtlich. Zumal die SUV, die per se aufgrund ihrer Bauweise nicht zwingend zu den Spritspar-Meistern gehören, nach wie vor in Europa den Absatz befeuern. Eine Zwickmühle, die die ohnehin angeschlagene Branche noch weiter aus den Fugen geraten lassen würde. Die Arithmetik ist einfach: Je mehr Autos verkauft werden, die das Ziel verfehlen, umso höher fällt die Strafzahlung aus. Allein dei VW wären das mehrere Milliarden Euro. Allerdings gibt es einige Schlupflöcher in der EU-Verordnung, die den Autobauern die Möglichkeit geben, die hohen Summen beträchtlich zu reduzieren. Dieses Jahr werden Elektroautos und Plug-in-Hybride doppelt auf die CO2-Bilanz angerechnet, im nächsten Jahr beträgt der Faktor dann 1.67 und 2022 ist er immer noch 1,33. Außerdem werden verbrauchsreduzierende Maßnahmen in die CO2-Bilanz miteinbezogen. Deswegen findet man zunehmend eine Mildhybridisierung in den Fahrzeugen, aber auch konventionellere Maßnahmen, wie LED-Licht haben das Placet der EU.

Inhaltlich hat die EU-Verordnung weitere Erleichterungen für die Autobauer in petto. Die 95 Gramm CO2 pro Kilometer sind nicht in Stein gemeißelt. Der Grenzwert wird gemäß dem Durchschnittsgewicht der Fahrzeugflotte des jeweiligen Herstellers angepasst und dieser in Relation zum durchschnittlichen Gewicht der gesamteuropäischen Fahrzeugflotte gesetzt. Damit haben es die Premiumhersteller, wie BMW oder Mercedes, die viele SUVs und größere Autos verkaufen, leichter, den für sie speziell festgelegten, etwas höheren Wert zu erreichen. Auch Kooperationen von OEMs wirken sich auf die CO2-Bilanz aus. Außerdem ist es denkbar, dass Automobilhersteller, die weniger als 300.000 Autos pro Jahr verkaufen und eine Sonderbehandlung bekommen, aus einem Konzern ausgegliedert werden - Ferrari und Lamborghini kommen da einem sofort in den Sinn. Vor diesem Hintergrund dieser Faktoren ist eventuell erklärbar, dass noch kein Autobauer lauthals die Alarmstufe rot ausgerufen hat. Doch so langsam hat auch der letzte verstanden, dass mächtige Strafzahlungen drohen.

Fakt ist daher, dass die Hersteller zum Handeln gezwungen werden. Deswegen drückt VW mit aller Macht auf die Elektro Tube und seine Elektroflotte in den Markt - sei es den ID.3 oder die hybridisierten Modelle. Auch bei den anderen Autobauern wird die Fahrzeugpalette zunehmend unter Strom gesetzt. Allerdings werden auch bei den zunehmend unbeliebteren Verbrennern weiterhin verbrauchsreduzierende Nachbesserungen nötig sein, die über die Elektrifizierung hinausgehen - zum Beispiel innermotorische Maßnahmen.

Damit die EU-Vorgabe erreicht wird, gibt es auch einen gnadenlosen Kahlschlag im Portfolio: Modellvarianten, die nicht genug Gewinn abwerfen oder zu viel verbrauchen stehen auf dem Prüfstand. Vor allem dem Kleinwagen geht es dabei vehement an den Kragen. Zu klein die Margen, die keinen Raum für die Elektrifizierung lassen. Fiat denkt darüber nach, sich aus dem Segment zu verabschieden, und hat mit dem Punto schon das erste Opfer zur Schrottpresse gefahren. Allerdings hält der neugewonnene Kooperationspartner PSA genau für diese Art von Autos Plattformen parat, die eine Elektrifizierung ermöglichen. VW lässt den Beetle das Zeitliche segnen und zeigt mit dem Up, wohin die Reise geht: Den gibt es zukünftig nur noch vollelektrisch. Gut für die CO2-Bilanz und den Geldbeutel.

pressinform

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