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Fahrbericht: Audi S6: Konzert für zehn Zylinder

Nicht jeder, der schnell, sportlich und souverän voran kommen will, möchte dafür auf die Eigenschaften einer bequemen Reiselimousine verzichten. Genau das ist die Klientel, die Audi mit dem neuen S6 im Auge hat.

Man muss schon genau hinsehen, um den Audi S6 auf Anhieb von einem "normalen" A6 unterscheiden zu können. Wie gewohnt üben sich die Ingolstädter bei ihrer sportlichen Limousine mit Produktionsort Neckarsulm in gewohntem Understatement.

Das S6-Emblem im markigen Singleframe-Grill muss man schon suchen. Dass die vertikalen Streben dort im Grill selbst doppelt ausgelegt sind - na ja. Am Lufteinlass eine Etage tiefer erkennt man ihn vielleicht. Oder an der Spoilerlippe. Und an die um jeweils 14 mm verbreiterten Kotflügel muss man schon mit dem Zollstock, damit es auffällt. Obwohl - wenn man den Dreh raus hat, gelingt der die Wiedererkennung auf den allerersten Blick: Da kommt ein S6 gefahren. Denn im vorderen Stoßfänger finden sich links und rechts jeweils fünf weiße Leuchtdioden, die als sparsames aber helles Tagfahrlicht dienen. Unauffällig auffällig - die Punktstahlerchen fallen sofort auf. Und 2 x 5 sind es nicht ohne Grund: Das soll die zehn Zylinder des Powermotors unter der Fronthaube symbolisieren.

Zehn Zylinder - das neu entwickelte FSI-Kraftpaket, fast identisch mit dem, das auch im S8 grummelt, ist das sportliche Herz des S6. "S" steht bei Audi nicht umsonst für "sportlich". Die S haben besonders leistungsstarke Motoren, Allradantrieb und ein eigenes dezent-sportliches Design. Mit ihnen soll der Chef auf der Baustelle auftauchen können, ohne gleich automobile Sozialneid-Reflexe auszulösen. Das geht beim S6 zumindest so lange gut, solange man mit ihm nicht unter Vollast anschließend davon braust - der Sound des V10 ist einfach sinfonisch.

Zumindest von außen. Innen herrscht selbst beim Beschleunigen eine eher dezente Lautstärke - obwohl die Audi-Ingenieure schon daran gearbeitet haben, auch den Fahrer am Hörgenuss zu beteiligen: Ähnlich wie beim Ford Focus ST (!) wird der Motorsound über einen Schlauch akustisch zum Fahrerplatz geleitet. Doch so konkurrenzfähig sich der Audi S6 außen nach Porsche & Co. anhört - innen klingt das alles doch immer noch sehr verhalten.

Dabei kann sich der Motor auch von den Leistungsdaten her mit jedem hochklassigen Sportwagen messen. Aus den 5,2 Litern Hubraum schöpft der 220 Kilogramm schwere Benzin-Direkteinspritzer satte 320 kW/435 PS - in etwa so viel wie ein Porsche 911 Turbo. Das maximale Drehmoment von 540 Nm liegt ab 3000 U/min. an, bis 7000 Umdrehungen lässt er sich hochjubeln. Für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h braucht die immerhin auch leer schon fast zwei Tonnen schwere Limousine gerade einmal 5,2 sec. Bei 250 km/h ist - abgeregelt - Schluss. Wenn er dürfte, wie er könnte, erzählen seine Ingenieure hinter vorgehaltener Hand, sollten knapp 300 km/h drin sein.

Aber wer will schon. Denn der S6 ist eben kein Supersportler sondern eine sportliche Superlimousine. Und die hat andere Werte. Ihr Lebenssinn liegt nicht darin, sich driftend und mit qualmenden Reifen über die Nordschleife foltern zu lassen. Sondern darin, ihre Insassen schnell, bequem, entspannt, sicher und absolut souverän ans Ziel zu bringen. Und das kann der S6 in Perfektion. Die Kraft ist jederzeit abrufbar - kein Überholvorgang, der auch nur einen Hauch von Angstschweiß auf die Stirn treibt. Kick - und weg. Baustelle passiert? Und ab dafür. LKW voraus auf der Landstraße? Wenn andere noch überlegen, ob sie nun nur bis Ulm oder doch bis München Dieselabgase einatmen müssen, sind Sie mit dem S6 längst vorbei.

Für dieses souveräne Fahrgefühl arbeitet beim S6 alles wohltemperiert zusammen. Die sechsstufig schaltende tiptronic (mit zusätzlicher Sport-Stufe) ist kürzer übersetzt und auf schnellere Gangwechsel ausgelegt als im zahmen Bruder A6 - ein gelegentliches Ruckeln merkt man trotzdem hin und wieder. Wer will, kann mit den Paddeln am Lenkrad schalten - kommt allerdings bei zu viel Temperament schnell den eng angeordneten anderen Schalthebeln ins Gehege. Die Servotronic-Lenkung ist ebenfalls direkter ausgelegt als im A6, aber für richtig sportliche Kurvenfahrt immer noch zu weich. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt und dennoch komfortabel genug für entspannte lange Strecken: Selbst rauhe Straßen werden problemlos glattgebügelt. Elektronische Fahrhilfen sorgen auch bei flotter Fahrt für stete Sicherheit.

Und natürlich innen: Die neu entwickelten straffen Sportsitze mit integrierter Kopfstütze bieten perfekten Seitenhalt und lassen sich vielfältig individuell anpassen. Ansonsten: Alles in etwa so wie in der gehobenen A6-Ausstattungswelt - mit Carbon-Applikationen statt Holz und - damit man nicht vergisst, worin man sitzt - reichlich S6-Logos überall. Und nicht zu vergessen: Das sattsam bekannte Bedienkonzept MMI, damit man auch noch was für die Weiterbildung hat.

Ab Ende Mai ist der Sport-Audi mit Platz für die ganze Familie zu haben. Wahlweise auch als Kombi. Der Preis: ab 79.800 Euro für die Limousine, ab 82.000 Euro für den Avant. Wetten, dass sie ihn dann immer wieder mal sehen werden? Achten Sie auf die zehn Leuchtdioden. Solange Sie ihn noch im Rückspiegel haben.

Pressinform / PRESSINFORM
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