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Fahrbericht: Citroën C3 Picasso VTi 120: Familien-Aquarium

Kia Soul, Opel Meriva oder Nissan Cube bieten viel Platz auf wenig Raum. Citroën kontert mit dem knubbeligen C3 Picasso. Er zeichnet sich aus durch einen variablen Innenraum, sparsame Motoren und gewaltige Fensterflächen.

Wer einen Citroën fährt, muss sich von manchen Dingen verabschieden. Von klassischen Armaturen zum Beispiel – der C3 Picasso zelebriert wie auch der C4 das digitale Mäusekino, das weit vom Fahrer entfernt mittig auf dem Armaturenbrett seine Vorstellung abliefert. Manche Anzeigen sind so winzig, das man sie mit einem raschen Blick kaum entziffern kann, und das ständige Tennis-Spiel zwischen Straße und Tachoanzeige ist man schnell leid.

Eine andere Sache, der man Lebewohl sagen muss, ist die Privatsphäre. Hinter der gigantischen Windschutzscheibe mit den spindeldürren A-Säulen fühlt man sich wie in einem Aquarium. Dabei bringt einem der Scheiben-Overkill beim Rangieren nicht einmal was: Die knubbelige Nase des C3 ist vom Pilotensitz nicht einzusehen. Die andere Seite der Medaille ist die grandiose Aussicht auf die Landschaft, vor allem wenn das gewaltige Panorama-Glasdach (600 Euro Aufpreis) an Bord ist. Auch die Sicht zur Seite, etwa auf Fahrradfahrer an einer Kreuzung, ist gut.

Viel Platz und Variabilität

Das Passagierabteil gehört überhaupt zu den größten Stärken des Franzosen. Die Raumausnutzung des kaum mehr als 4 Meter langen Picasso ist beeindruckend, das Platzangebot vorn ist ausgezeichnet und hinten für ein Auto dieser Größe sehr gut. Die im Verhältnis 60/40 geteilte Rücksitzbank lässt sich in der Länge verschieben, um je nach Bedarf mehr Kniefreiheit oder mehr Gepäckraum zu schaffen. Ablagen und Staufächer gibt es reichlich, manche davon leider nur gegen Aufpreis – zum Beispiel Schubladen hinter den Sitzen oder Ablagefächer im Fußraum. Immerhin sind sie im Paket mit Gepäcknetz, Skiklappe, Sonnenrollo und anderen praktischen Dingen für 350 Euro zu haben.

Über die eigenartige, an Holz erinnernde Maserung des Armaturenbretts kann man hinwegsehen und abgesehen von den Mäusekino-Armaturen ist die Bedienung leicht und durchdacht. Etwas fummelig ist allerdings die Bedienung des Tempomaten mit integriertem Geschwindigkeitsbegrenzer geraten – das geht beim Konkurrenten Renault einfacher.

Die Sitze sind weich, aber bequem. Der Kofferraum hat einen verstellbaren Boden, und je nach Position der Rücksitze finden 385 bis 500 Liter Platz. Klappt man die Sitze um, stehen bis unters Dach 1506 Liter zur Verfügung.

Der C3 Picasso fährt sich angenehm leicht, wobei die schwammige Lenkung und die manchmal hakelige Fünfgangschaltung den Eindruck etwas trüben. Die Kurvenlage ist nicht gerade straff, aber der C3 wabbelt nicht so durch die Kurven wie die Hochdach-Kombis Citroën Berlingo oder Peugeot Partner. Der Federungskomfort ist gut.

Kein sechster Gang

Unter der Haube stehen drei verschiedene Motoren zur Verfügung. Die laufruhigen Benziner stammen aus einer Kooperation des PSA-Konzerns mit BMW. Der 1,4 Liter große Basismotor VTi 95 mit 70 kW/95 PS bringt den 1,3 Tonnen schweren Citroën schon recht ansehnlich in Schwung. Bei drei bis vier Personen plus Gepäck an Bord dürfte man freilich mit dem 1,6-Liter Aggregat VTi 120 und seinen 88 kW/120 PS besser bedient sein. Es beschleunigt das Franzosen-Aquarium in 11,7 Sekunden auf 100 km/h, hängt gut am Gas und macht erst bergauf auf der Autobahn schlapp. Den Durchschnittsverbrauch gibt Citroën mit 6,9 Litern Super auf 100 Kilometern an.

Für Vielfahrer ist der 1,5-Liter Dieselmotor mit 80 kW/109 PS interessant. Die 245 Newtonmeter Drehmoment zerren manchmal etwas ungestüm an den Vorderrädern und sorgen für Antriebseinflüsse in der Lenkung, doch dafür entschädigen der ordentliche Vortrieb und der Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern (Werksangabe). Leider ist auch für den Dieselmotor kein Sechsganggetriebe lieferbar, alle Picassos müssen mit fünf Gängen auskommen.

Die Preise für die französische Kleinfamilienkutsche starten bei 14.900 Euro (95 PS, Basisausstattung Advance). Zum Vergleich: Der Opel Meriva 1.4 (66 kW/90 PS) ist als Sondermodell ab 14.990 Euro zu haben, der Kia Soul 1.6 (93 kW/126 PS) ab 14.980 Euro und der Daihatsu Materia 1.3 (67 kW/91 PS) ab 14.990 Euro. Mit dem empfehlenswerten 120 PS-Benziner an Bord (ab Tendance-Ausstattung) kostet der C3 Picasso mindestens 18.000 Euro, Dieselmodelle sind erst ab 20.000 Euro (Tendance, Exclusive 21.700) zu haben. Das Tendance-Paket umfasst unter anderem Nebelscheinwerfer, Kopfairbags, Klimaanlage, CD-Radio, USB-Anschluss sowie Tempomat mit Geschwindigkeitsgrenzer. ESP ist bei allen Modellen serienmäßig an Bord.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.