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Fahrbericht: Corvette C06 Coupe: Feurio!

William Nichols ist nicht mehr der jüngste. Privat hat der in Ehren ergraute GM-Entwickler fünf Corvette-Generationen in seiner heimischen Garage stehen. Aber besonders stolz ist er auf seine vette neue C06.

Dabei ist es nicht so, als dass die Corvette C06 des Modelljahres 2008 ein komplett neues Modell wäre. Im Gegenteil: Die Optik hat sich in keiner Weise verändert. Und die Leistungssteigerung von 404 auf nunmehr 437 PS hätte niemand ernsthaft gebraucht.

Und doch bietet die 4,43 Meter lange Corvette das einsdrucksvollste Sportwagenpaket, was es seit der Präsentation der ersten Generation im Jahre 1953 gab. Sicher: Die C06 hat nicht den Charme der C1. Oder das Sexappeal der C3 mit ihrem unverkennbaren Coke-Bottle-Design. Aber wer abseits aller Markenkonventionen heute an einen echten Sportwagen denkt, kommt an dem GM-Renner mit dem ehemals leicht zwielichtigen Image kaum vorbei.

Die deutlichste Verbesserung ist dabei die Lenkung. Sie hat bereits mit der Einführung der aktuellen Generation im Jahre 2005 ihre Schwammigkeit abgelegt und seither weitere Verbesserungen erfahren. "Wir haben die Führung und das Lenkgestänge nochmals überarbeitet", sagt Bill Nichols, die seit 13 Jahre im technischen Entwicklungsteam des amerikanischen Porsche-Jägers arbeitet. "Dadurch arbeitet sie nunmehr präziser und die Rückmeldung ist deutlich besser."

Poser oder Renner?

Wie Recht er hat, das zeigen ein paar schnelle Runden auf der Rennstrecke oder im flotten Galopp auf der kurvigen Landstraße. Die Lenkung ist noch nicht so präzise wie im Porsche, nicht so filigran wie im Maserati oder so stimmig wie im Jaguar - aber in jedem Fall konkurrenzfähiger denn je zuvor.

Hier zeigt sich allerdings auch, dass die überarbeitete Sechsstufenautomatik in der Modellfamilie des C06 nur die zweitbeste Getriebevariante ist. Zwar lassen sich die Gänge im Sportmodus nun über Lenkradpaddel hoch- und herunterschalten. Doch selbst die deutlich verkürzten Schaltzeiten lassen die Automatik nicht zu einer überzeugenden Besetzung werden.

Sie gefällt nur dann, wenn man lässig flaniert - und dass kann man auch mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe, dass einen deutlich überzeugenden Eindruck macht. Nichols: "Bei der Handschaltung haben wir besonders die langen Schaltwege verkürzt. Der Schaltknüppel liegt nun besser in der Hand und die Werge sind kürzer. Man sitzt schließlich in einem Sportwagen."

So ist es - und in einem komfortablen zudem.

Mischung

Die Mischung aus Leistung und Alltagstauglichkeit einer Corvette C06 ist einmal mehr eindrucksvoll. 321 kW/437 PS reichen, um jederzeit bei der Musik der Besten mit zu spielen.

Die Bohrung der acht Zylinder wurde von 101,62 auf 103,25 Millimeter erhöht. So wuchs der Hubraum von knapp sechs auf nunmehr 6,2 Liter. Das Leistungsplus von 33 PS und auf 585 Nm maximales Drehmoment ist die logische Folge.

Anders als viele andere Renntriebwerke hat der Smallblock-V8 seine Stärken im niedrigen Drehzahlbereich. Mit welchem anderen Sportwagen kann man schon so lässig und derart souverän mit 1.600 Touren über die Straße cruisen? Ein Gasstoß - und der alles andere als aufdringliche Achtzylinder ist auf dem Sprung zu Höchstleistungen. Da dürfte der Klang allerdings ruhig noch etwas sonorer grollen.

Von 0 auf 100 km/h in 4,4 Sekunden und 306 km/h Spitze sind dabei weniger eindrucksvoll als die Möglichkeit, den Wagen auf längeren Autobahnpassagen auch mit rund zehn Litern Kraftstoff pro 100 Kilometern bewegen zu können. Durchschnittlich sind es 13 Liter.

Das Fahrwerk ist ausgewogen und alles andere als bockelhart. Aber ausreichend straff, um die üppige Motorleistung auch auf die Straße zu bringen. Die Bremsen arbeiten prächtig, könnten jedoch besser zu dosieren sein. Und die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist über jeden Zweifel erhaben.

Vetter Kofferraum

Allein an der Verwindungssteifigkeit der Karosserie gibt es einiges zu bemängeln. Und am betagten Mechanismus von Targa- oder Cabriodach sowieso. Nicht zu vergessen: Kein anderer Sportwagen bietet ein Gepäckraum von über 600 Litern – wenn auch einen weithin von außen einsehbaren. Die Zuladung ist mit 305 Kilogramm sportwagentypisch dünn.

Das Topmodell Corvette Z06 bleibt - abgesehen von den Detailverbesserungen im Innenraum - unverändert und bekommt im vierten Quartal Feuer aus den eigenen Reihen. Dann kommt auch in Europa die in Detroit vorgestellte Super-Corvette ZR1 mit rund 630 PS und über 330 km/h Spitze auf den Markt. Wenn auch stark gebemst: 2008 kommen nur noch 50 Modelle nach Europa. Von den 2.000 im nächsten Jahr geplanten weltweit 2.000 Modellen sollen es ebenfalls nur 150 werden.

Doch auch mit der knapp 1,5 Tonnen schweren Basis-Corvette C06 kann man seine helle Freude haben - vorausgesetzt, man kann sich mit dem Innenraum anfreunden. Der präsentiert sich durch erweiterte Lederapplikationen und neue Oberflächen zwar schmucker, aber immer noch nicht auf europäischem Premiumniveau. Die Sitzverstellung ist unpräzise und der wenig konturierte Sitz ist gerade für groß gewachsene Personen eines Sportwagens unwürdig.

Das Beste an der Corvette C06 bleibt jedoch ihr Preis. Den offizielle Basispreis von 65.290 Euro kann man mit dem Sondermodell Competition unter die 60.000-Euro-Marke drücken. Noch günstiger geht es in den USA: Dort startet die Corvette bereits bei umgerechnet weniger als 30.000 Euro.

Und der nächste USA-Urlaub kommt bestimmt.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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