Ferrari-Selbstversuch Vorsicht, wenn er Feuer spuckt


Legenden-Ritt mit Adrenalin-Garantie: stern.de fuhr den Ferrari 430 Scuderia auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano und gab dem roten Pferd die Sporen. Eine Fahrt, die süchtig macht - voll Emotion, Power und immer nah am Limit. Fahren Sie mit.
Von Jens Fischer

Privat fahre ich einen alten BMW 520. Eine alte Kiste, auf die ich nicht verzichten möchte. Oder ich nehme die Familienkutsche – einen Citroen Berlingo mit viel Platz für Kinderwagen und sonstigem Gepäck. Und jetzt das: Unter meinem Hintern einen Ferrari 430 Scuderia, in der Spitze 320 km/h schnell, von null auf Hundert in 3,6 Sekunden, 510 PS und mit einem Hubraum von 4,3 Litern. Im Verkauf kostet dieser Traum in Rot weit mehr als 200.000 Euro.

Ich sitze am Steuer dieses fantastischen Renners, dem jüngsten Pferdchen aus der Ferrari-Familie. Und ich fahre nicht auf irgendeinem Kurs, sondern auf der Ferrari-Hausstrecke in Fiorano nahe Maranello, dort wo ein Michael Schumacher seine Boliden für zahlreiche Titel und Erfolge akribisch vorbereitete. Dort wo heute noch tagtäglich die Motoren brüllen, wo die Ferrari-Testpiloten an der Abstimmung ihrer Autos feilen, direkt an der Wiege aller italienischen Auto-Träume.

Als wär`ich Schumi

Los geht’s: Ein sanfter Tritt aufs Gaspedal und schon röhren die Zylinder. Im Heck ist Party angesagt und ich bin heute Ehrengast. Mehrere hundert PS gilt es zu zügeln, ich spüre eine Kraft, bei der ich mir nicht sicher bin, was sie mit mir vorhat. Meine Hände umklammern fest das Lenkrad, natürlich profimäßig in der 9-15-Position. Damit auch wirklich nichts passieren kann.

Erste Kurve: Schumi-like rase ich mit mindestens 180 km/h in die Haarnadel, das automatische Race-System und die Vierpunkt-Fixpunkte helfen mir, die Kontrolle zu bewahren. Jetzt das gelb-schwarze Hütchen anvisieren, Kurve flach nehmen und wieder voll aufs Gas. So weit die Theorie, die Praxis sah ein wenig anders aus. Aber immerhin: Kein Crash, rasantes Tempo, und mein Kreislauf bleibt stabil. Für den Anfang gar nicht schlecht.

Pure Emotion

Ich muss das Auto fühlen, der rote Renner merkt sofort, wenn was nicht stimmt. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Aber nur für kurze Zeit. Denn es warten schon die nächsten Herausforderungen: lange Gerade, enges Schlangen-S, dann Vollgas, abbremsen, wieder totale Power. Nach der ersten Runde bin ich fix und fertig. Und das obwohl ich nur den Straßen-Modus wähle, mit Rettungsleine ESP, mit eingeschalteter und Formel-1-geprüfter Traktionskontrolle.

Runde für Runde fühle ich mich wohler, mein Rennfahrer-Gen meldet sich zu Wort. Ich genieße die nicht enden wollende Beschleunigung, die bissigen Bremsen, die präzise Lenkung und die satte Bodenhaftung. Jeder Schaltvorgang hat seine eigene Sound-Kulisse, im Leerlauf röhrt der 430er wie ein Elch, beim Beschleunigen singt er Arien. Fantastico.

Wie im Traum

So viel Power, so viel Performance, so viel Gefühl – nach dem Ferrari 430 Scuderia muss man einfach süchtig werden. Gerade einmal 6.580 dieser traumhaften Fahrzeuge haben 2007 die Ferrari-Fabrik in Maranello verlassen, keiner von der Stange, alle individuell gefertigt, mit viel Liebe zum Detail. Jeder Wagen ein Unikat und nur auf Bestellung.

Als ich am Ende des Tages aussteige, muss man mich fast zwingen. Diesen Wagen will ich haben. Ein Traum, der bitte niemals enden soll.


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