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Focus S-Max: Lieb mich! Begehr mich! Jetzt!

Er fasst sich lecker an, sieht verschärft aus und preiswert ist er auch noch. S-Max heißt der Maßanzug für die flottesten Hirsche unter den Familienvätern. Mit diesem Glanzstück ist Ford viel schneller als die Konkurrenz, die mit ihren betagten Schnarch-Modellen jetzt ganz alt aussieht.

Von Gernot Kramper/Sevilla, Spanien

Immer noch würgt man in Köln an den Hinterlassenschaften der Vergangenheit. Doch Schritt um Schritt geht es voran. Zuerst fuhren sich die Wagen prima, dann mochte sie man innen auch anfassen und jetzt sehen sie noch unverschämt gut aus.

Der S-Max wurde eindeutig für die flotten Hirschen gebaut - zumindest wenn sie Väter sind. Ranker, schlanker und einfach heiß startet der Familien-Torpedo in die lichte Ford-Zukunft. Der S-Max ist die verschärfte Version einer Doppelstrategie. Auf der gleichen Plattform rollt auch der neue Galaxy auf die Kundschaft zu. Während der Galaxy (größer, teuerer, behäbiger) eher der konventionellen MPV-Form zuneigt, wirkt der Crossover S-Max wie die Sportcoupé-Version eines Familiendampfers. Er zielt auf Käufer, für die der Focus C-Max zu klein, der Galaxy aber eine Nummer zu mächtig ist.

Eine Anmutung von Lifestyle, Dynamik und Sportlichkeit versprechen heute alle neueren Pampersbomber. Nur Touran und Sharan verschmähen den schnöden Glanz emotionaler Wonnebäder und gehen noch als rollende Brot- und Brutkästen auf Kundenfang. Alle anderen scheuen die nahe Assoziationen von Windelgeruch und Babykarre wie der Teufel das Weihwasser. Aber keiner macht es so geschickt wie der S-Max. Das geschwungene Dach, dynamische Scheinwerfer und die wie eine Sehne gespannte, hauchschmale A-Säule tragen den Wagen nach vorn. Typische Ford-Zutaten wie die stark ausgestellten Radkästen tun das ihrige für den satten Stand auf dem Asphalt. Der Lohn der scharfen Form: Wer mit dem S-Max unterwegs ist, wird nicht sofort mit der gefürchteten Gedankenkombination: "Papa kommt aus seiner Reihenhaussiedlung in die große Stadt" belästigt. Der einzige Patzer findet sich an den imitierten Luftauslässen der vorderen Radkästen. Natürlich benötigt der S-Max keine zusätzlichen Lamellen, um die Hitze der Bremsanlage abzuleiten. Aber wenn man schon Rennsport-Nippes einbaut, dann sollte das Blech wirklich durchbrochen werden. Kein Hersteller sollte ab Werk schwarzes Gummi aufkleben, um die Tiefe dunkler Öffnungen vorzutäuschen. Dafür gibt es den Tuning-Shop. Aber dennoch gegen den S-Max Beau wird es der Galaxy schwer haben.

Die neuen Väter

Die Attraktivität wundert, ließ Ford die Wagen doch ausdrücklich für eine extreme Minderheit entwickeln. Männern mit drei Kindern. Die ganze rentenzahlersüchtige Republik sucht sie und dabei sind diese Überzeugungsväter so selten, dass man Autos für sie auch in Handarbeit aus dem Metall treiben könnten. Der der S-Max bietet immerhin sehr viel Überzeugungspotential. Vermutlich aber reicht selbst seine Finesse nicht aus, als dass Junggesellen jetzt scharenweise drei Kinder zeugen werden, aber es genügt, dass der eine oder andere den Wagen auch ohne den vorgesehenen Tripel-Nachwuchs ordern wird.

Könner am Fahrwerk

Trotz des kolossalen Innenraums fährt der Super-Max nicht so Walfisch gleich wie die Mini-Vans der Vorgänger-Generation. Mit dem optionalen Sportfahrwerk wird aus dem Crossover ein Sportwagen mit sieben Sitzen. Dass man den Jungs in Köln in Sachen Fahrwerksabstimmung kaum etwas vormachen kann, demonstrierten sie unlängst mit dem Focus St. Länge, Größe und Gewicht - das ist alles vergessen, wenn der Riese S-Max in die Kurve geht. Mehr Dynamik kann man sich in dieser Klasse kaum vorstellen. Die Bremsanlage hält auch mit.

Top-Motor

Das Fünf-Zylinder Triebwerk mit 225 PS und 320 Newtonmetern Drehmoment ist fraglos ein gelungener Wurf und zählt zu den besten Benzinern, die auf dem Markt sind. Trotz extremer Fahrweise blieb der Verbrauch bei 12,5 Litern - im Alltag sollte man dann auch bei flotter Gangart im Schnitt mit etwa 10 Litern auskommen. Deutlich günstiger und absolut ausreichend wäre der Diesel mit 140 PS - den noch größeren Galaxy bewegte er mit unter sieben Litern.

Anfassen erlaubt

Im Inneren macht der S-Max Freude, Griffe liegen sympathisch in der zupackenden Hand, Oberflächen wollen zart gestreichelt werden. Edle Metallapplikation liegen satt und fest gebürstet im Glanz der Sonne. Was einst nur wenige Premium-Anbieter hinbekamen, Ford kann es jetzt auch. Welcher Sprung. Bei der Präsentation des aktuellen Ford Focus wurde noch verschämt eingeräumt, handwerkliche Qualität hätten leider keine Tradition im eigenen Haus. Die Qualitätswüste ist jedenfalls vorbei.

Grandezza aus Köln

Wenn der Anmutung im Innenraum schon das "Feels-like-Premium" Prädikat verliehen wurde, gilt das für Raumverhältnisse und Flexibilität erst recht. In der ersten und der zweiten Reihe sitzt es sich königlich, eine dritte Reihe ist optional. Obgleich für Kinder gedacht, kommen auf kürzeren Touren auch Erwachsene patent unter. Der größere Galaxy bietet hier noch mehr. Wer regelmäßig Passagiere für die dritte Reihe mitnimmt, sollte sich für ihn interessieren.

Die zweite Sitzreihe besteht aus einzeln verstellbaren und umlegbaren Elementen. Der Ladeboden lässt sich in wenigen Sekunden in eine vollkommen ebene Ladefläche verwandeln. Hier verdient der Ford klare Bestnoten. Bei drei Sitzreihen bleiben noch 285 Liter Stauraum, wird alles umgeklappt wächst der Inhalt auf 2000 Liter. Als Alternative zur dritten Reihe bietet Ford eine herausfahrbare Ladeplattform an. Sie trägt bis zu 150 Kilogramm und ermöglicht das Be- und Entlade, ohne dass man tief in den Laderaum hinein kriechen müsste. Wirklich Sinn macht die Plattform bei kranken und schwächlichen Personen. Oder aber, wenn der S-Max als Liefer- oder Technikerfahrzeug eingesetzt wird. Dann sind entsprechende Aufbauten denkbar, die schnelles und müheloses Ein- und Auspacken erlauben.

Subjektiv betrachtet

Noch leidet man öffentlich bei Ford. Die Wagen werden respektiert, aber nicht geliebt, nicht begehrt. Gestaltet nach den Maßgaben der neuen Formsprache "Kinetic Design" betritt nur der S-Max als großer Verführer den Markt. Motoren, Fahrverhalten und Qualitätsanmutung sind in seiner Klasse Top. Als einziger aus dem Van-Segment schafft er echte Begehrlichkeiten. Zu ganz anderen Preisen bedient er Vorstellungen wie der Audi Q7 oder die R-Klasse von Mercedes. Die Preisskala startet knapp unter 25.000 Euro, im wirklichen Leben sollte man von Kosten um 30.000 Euro ausgehen. Damit ist der Ford nicht so exklusiv, aber viel vernünftiger als die R-Klasse. Für eine Familiengröße bis zu vier Personen plus einem weiteren kleinen Kind reichen die Innenmaße vollkommen aus. Einziger Manko: Singles müssen sich ärgern. Auch wenn man den S-Max gern fahren würde, für eine Person ist er eigentlich zu groß. Oder? Mit Mountainbike und Surfbrett kriegt man ihn auch allein irgendwie voll.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.