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Ford Galaxy: Free your mind

Erst zur Gehirnwäsche und dann einsteigen. Wer einen neuen Ford besteigt, muss alles vergessen, was ihm zum Thema Ford einfällt. Der neue Galaxy besitzt genug Qualität und Substanz, damit das Image wieder glänzt.

Von Gernot Kramper

Komm her, du Großer, und lass dich streicheln. Leder glänzt, Chrom blinkt und selbst der Kunststoff ruht satt in sich. Noch nie fühlte sich ein Ford so gut an wie heute. Im neuen Focus nahm man endlich einmal Rücksicht darauf, dass auch Fordfahrer fühlende Wesen sind. Das Ergebnis der Kölner Bemühungen überzeugt im neuen Galaxy. Die weichen, dicken Kunststoffe unterscheiden sich merklich von den hartleibigen Materialen anderer Hersteller. Das Leder mag nicht den Premium-Ansprüchen der Edelsportwagenhersteller genügen, aber zwischen dem "Echtleder in Kunststoffoptik" mancher Koreaner und den Kölner Häuten liegen Welten. Kurzum: Es macht Spaß in einem Ford zu sitzen. Gemessen am gebotenen Standard wird die Marke mächtig unterschätzt.

Locker Reisen

Wenig verwunderlich, dass der große Ford große Touren sehr entspannt hinter sich bringt. Als Extra gibt es einen mehrfach verstellbaren Fahrersitz, er ermöglicht ermüdungsfreies Reisen. Im Mini-Van herrschen meist üppige Raumverhältnisse, auch im Galaxy wird man vorne und in der zweiten Reihe sehr großzügig untergebracht. Die zusätzlichen Dachfenster sorgen für mehr Licht, der Klappentunnel dazwischen für weiteren Stauraum. Ein Gefühl, dem Himmel ganz nah zu sein, wie bei den großen Panoramadächern stellt sich allerdings nicht ein. Die Plätze in der zweiten Reihe lassen sich längs verstellen, um so entweder mehr Fuß- oder mehr Laderraum zu gewinnen. Das Umklappen und Verstellen geht kinderleicht von der Hand. Anders als der Bruder S-Max gibt es im Galaxy serienmäßig eine dritte Reihe. Hier können Kinder und wendige Erwachsene untergebracht werden. Wie bei jedem Mini-Van dieser Größe verwandelt sich der S-Max natürlich nicht einen Transit. Für große Erwachsene sind die Plätze ungeeignet und bei voller Belegung aller Sitzplätze bleibt kein Gepäckraum für einen Campingurlaub. Greift man zum Anhänger oder zur Dachbox, wird der Galaxy aber auch eine große Kinderschar gen Süden transportieren.

Vernunftsdiesel

Mit den schweren Maschinen geht auch richtig etwas. Sicher ein Mini-Van ist ein Mini-Van und mutiert nicht so leicht zur Testesteron-Maschine. Man muss nicht gleich an den klammen Dunst feuchter Windeln denken, aber der Zusammenhang von (Gähn!) Reihenhaus und (Ächz!) Familienleben ist der Fahrzeuggattung nicht auszutreiben. Rational muss ja nicht langweilig heißen. Ausgerüstet war der Testwagen mit einem 2-Liter-Diesel und 130 PS. Der Fünfzylinder-Benziner und der 140 PS-Diesel bringen mit dem interaktiven Fahrwerk mehr Fahrspaß auf die Fahrbahn, aber auch der "kleine" Motor kann durchaus befriedigen. In Stadt und Landstraße ist der Wagen ausreichend spurtstark, auf der Autobahn lässt er sich - solange es der Verkehr zulässt - gut zwischen 190 und 200 km/h bewegen. Ab 180 km/h hält man natürlich nur noch begrenzte Mittel in der Hand, aber wer nur einmal im Jahr auf "große Fahrt" geht, sollte mit der Leistung leben können. Der gefahrene Verbrauch liegt unter acht Litern und wenn auf der Autobahn, alles gefahren wird, was möglich ist, liegt man bei zehn Litern. Die Sechsganghandschaltung arbeitet schnell, knackig und präzise. Lediglich die Sperre des Rückwärtsgangs könnte ein wenig mehr Gegendruck aufbauen, damit man nicht unversehens in die falsche Richtung rollt. Unverständlicherweise kann Ford für diesen Reisewagen übrigens keine Automatik anbieten.

Welcher Zwilling passt?

Der S-Max ist flacher, kürzer und kann mit einer sportlichen Optik beeindrucken. Mit einem der stärkeren Motoren und dem Sportfahrwerk bietet er merklich mehr Fahrspaß. Der Galaxy bietet dagegen mehr Raum. Die Maße variieren zwar nur um wenige Zentimeter, doch die machen sich im Innenraum sehr wohl bemerkbar. Entscheidet man sich im billigeren S-Max für die dritte Sitzreihe, schrumpft der Preisunterschied auf 950 Euro.

Gutes bezahlbar machen

Angesichts des Normal-Verdiener-Motors wurde das Testfahrzeug opulent ausgestattet. Navigation, Bixenon und Vollleder machen den Wagen sehr bequem, müssten im Ernstfall jedoch bezahlt werden. In Vollausstattung parkt der Galaxy an der 40.000 Euro Marke ein. Natürlich geht es auch günstiger, aber unter 30.000 Euro wird kaum ein Galaxy vom Hof rollen. Aber selbst vollausgestattet bleibt er ein sehr attraktives Angebot, denn er schafft den Spagat, die Annehmlichkeiten der Premiumklasse bezahlbar anzubieten.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.