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Grandeur 2.2 CRDi: Kaisers Karre

Es soll noch Menschen, die eine riesige Limousine für den Höhepunkt der Autobaukunst halten. Wenn das Geld nicht zum A8 oder zur S-Klasse reicht, drängt sich Hyundais Edelmodell auf. Im letzten Jahr durften schließlich verwöhnte Fußball-Funktionäre schon Probe sitzen.

Von Gernot Kramper

"Mann, ist der groß Mann!" In den Dimensionen macht der Grandeur seinem Namen Ehre. Riesiger Kofferraum, enorme Kniefreiheit auf den Rücksitzen und eine Breite, dass man niemals die Schultern seines Nachbarn berührt. Hier endet aber auch die Ähnlichkeit mit der europäischen Oberklasse. Beim Start im Stadtgewühl löst der Hyundai zunächst einen Schock aus. Lenkung und Fahrwerk fühlen sich schwammig an und vermitteln wenig Kontakt zur Fahrbahn. Es ist, als würde man dies Dickschiff über ein Meer von Mashmellows pflügen und wartet sehnsüchtig darauf wider aussteigen zu dürfen. Dem Kaiser Beckenbauer konnte es egal sein, saß er doch im Fond. Doch von Tag zu Tag steigert der Grandeur sein Ansehen, man gewöhnt sich an den Cruiser, der Eindruck wird wesentlich positiver.

Die Anfänge sind gemacht

Optisch verwirrt der Grandeur den Betrachter nicht mit dem Blechbarock der Vergangenheit, kann aber auch kein wirkliches Gesicht setzten. Er bietet eine unambitionierte Synthese gängiger Stilmittel. So bleibt er ohne Fehler, aber auch ohne Charakter. Innen kann die Verarbeitung überzeugen, insgesamt wirken die Materialien außer dem opulent verteilten Leder eher unansehnlich. Beim Radio handelt es sich um eine Nachrüstlösung. Sie wirkt lieblos reingepropft, der Klang der Boxen reicht für den Verkehrsfunk. Sicher kann man den Grandeur mit Tasten und Hebeln bedienen, dem Standard der Premiumhersteller hinkt man hier aber noch mehr als zehn Jahr hinterher.

Gut Motorisiert

Die Fünf-Bereichsautomatik zählt ebenfalls nicht zur technischen Speespitze, harmoniert aber gut mit dem genügsamen Vierzylinder-Common-Rail-Diesel. Mit 2,2 Liter Hubraum und 150 PS bewegt er die Limousine zwar nicht gerade unmerklich souverän, ist für den Alltag aber leistungsstark genug. Sehr erfreulich zeigt sich das Triebwerk an der Zapfsäule. Mehr als zehn Liter lassen sich auch mit Gewalt nicht verbrauchen. Im Testzeitraum mit Gebirgsfahrten und viel Autobahn zu 180 km/h kamen etwa acht Liter zusammen. Den besten Eindruck hinterlässt der Grandeur auf Langstrecke und Autobahn. Den oberen Geschwindigkeitsbereich absolviert der Koreaner unangestrengt und leistet sich keine Schnitzer. Ein Kurvenfresser auf Landstraßen kann und will er nicht sein, da lädt er zum cruisen ein.

Für wen gemacht?

Nach vielen, vielen Kilometern steigt man zufriedener aus dem Grandeur, als man eingestiegen ist. Dennoch fällt es schwer sich einen Käufer vorzustellen. Der Grandeur hat anderen Fahrzeugen - darunter dem kleineren Bruder Sonata - vor allem die schiere Größe voraus. Als Limousine kann er kein Transportwunder sein, der Nimbus des alten Geldes fehlt der Marke, das Endfinish der Premiumhersteller auch, wer braucht also so viel Platz für Fondpassagiere? Geschenkt gibt es den Grandeur nämlich nicht. Gewiss kann man sich kein vergleichbares ausgestattetes Edelfahrzeug leisten, aber für 41.640 Euro lässt sich ein Passat schon sehr, sehr wohnlich einrichten.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.