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Hintergrund: VW Bootsmotoren: Wir dieseln vor Madagaskar

Nicht nur Landratten mit ihren Autos sind von hohen Spritpreisen betroffen. Auch auf dem Wasser ist Sparen angesagt. Moderne Bootsdiesel verbrauchen nur halb so viel wie Benziner - und kommen aus dem Automobilbau.

"Früher war es praktisch egal, wieviel Lärm und Dreck ein Bootsmotor produziert hat", sagt Stephan Platzek von Volkswagen Marine. Aber: "Diese Zeiten sind vorbei." Seit einigen Jahren gelten auch auf dem Wasser strenge Abgas- und Lärmschutzvorschriften. Darum schlägt jetzt die Stunde der Dieselmotoren: Die Aggregate sind leiser und sparsamer, aber nicht schwächer als Benziner.

Der weltweite Marktführer bei Bootsmotoren, Volvo Penta, setzt ebenso auf Selbstzünder wie der VW-Konzern. Das Flaggschiff V6-TDI, das zum Beispiel im Audi A6, VW Touareg und im Phaeton zum Einsatz kommt, leistet in Motorbooten bis zu 265 PS. Und nach oben ist noch Luft: Ein V8-Dieselmotor mit 350 PS und 750 Newtonmetern Drehmoment soll ebenfalls "marinisiert" werden.

Das Einsatzgebiet der maritimen Selbstzünder ist vielfältig – vom schnellen Flitzer für Wasserskiläufer bis zum Hilfsmotor für große Segelyachten. Auch bei den Seenotrettern der DLRG sind einige Aggregate im Einsatz. Dieselmotoren sind in der Anschaffung teurer als Benziner, können aber einen deutlichen Verbrauchsvorteil für sich verbuchen. So genehmigt sich der Motorboot-Klassiker Frauscher St. Tropez bei schneller Gleitfahrt mit 60 km/h und einem V6-TDI als Antrieb etwa 25 Liter Diesel pro Stunde, rechnet Stephan Platzek vor. Ein gleich starker Benzinmotor schluckt das Doppelte.

Angleiten mit Turbo-Schub

Bei Motorbooten unterscheidet man "Gleiter" und "Verdränger". Bei Gleitern muss sich der Rumpf vorn aus dem Wasser heben und sich auf die eigene Bugwelle schieben, damit es flott vorangeht. Bei Verdrängern schiebt der Motor das Boot sozusagen nur durchs Wasser.

Die VW-Diesel kommen bei Gleitern bis zu 5 Tonnen und bei Verdrängern bis etwa 17 Metern Länge zum Einsatz. Für Gleiter eignen sich Turbodieselmotoren besonders gut: "Wenn Sie aus dem Hafen heraus fahren und beschleunigen, ist das Angleiten sehr energieaufwändig – man benötigt viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen", erklärt Platzek.

Genau das ist die Stärke von Dieselmotoren. "Unser 2,5 Liter großer Reihenfünfzylinder bringt ein 1,3 Tonnen schweres Boot aus dem Stillstand in etwa 3,5 Sekunden auf Angleitgeschwindigkeit", sagt Platzek.

Genau wie beim Auto spielt der Turbolader eine wichtige Rolle. Die Lader der VW-Bootsdiesel verfügen über verstellbare Leitschaufeln in der Abgasturbine, mit denen schon bei niedrigen Drehzahlen der volle Ladedruck parat steht.

Wehe, wenn die Bora kommt

Die Motoren werden mehrschichtig in weiß lackiert – sollte einmal irgendwo Öl austreten, sieht man es schneller. Die Fertigungstoleranzen sind extrem gering. "Wir betreiben Qualitätssicherung nach Kleinstserienstandard, den es im VW-Konzern sonst beispielsweise für Bugatti-Motoren gibt", sagt Stephan Platzek.

Vor der Auslieferung durchlaufen sämtliche Boots-Diesel einen "heißen Prüfstandslauf", werden also gestartet und müssen aus eigener Kraft ein Prüfprogramm durchlaufen. Denn wenn ein Motor streikt, wäre das auf der Straße allenfalls ärgerlich, auf dem Meer dagegen im schlimmsten Fall lebensgefährlich: "Stellen Sie sich vor, Sie schippern durch die Adria, und plötzlich setzt die Bora ein, mit Windböen von 30 Knoten und mehr. Entweder können Sie sich dann auf den Motor verlassen, oder Sie sind sehr lange draußen", sagt Platzek.

Es gibt drei Möglichkeiten, die geballte Dieselkraft auf die Schraube zu übertragen. Die erste ist ein hydraulisch geschaltetes Wendegetriebe, die zweite der so genannte Stern Drive, bei dem der Antrieb an den Motor angeflanscht wird und hinter dem Heckspiegel des Bootes ins Wasser taucht.

Die dritte Möglichkeit ist der Jetantrieb: Das Wasser wird von einem im Antrieb montierten Propeller (Impeller) angesogen und wieder ausgestoßen. Dieser "Düsenantrieb unter Wasser" kommt auch bei militärischen Landungsbooten oder Rettungsbooten zum Einsatz, weil der Antrieb in seichtem Wasser nicht so schnell beschädigt werden kann und es keine außen liegende Schiffsschraube gibt, die Schwimmer gefährdet.

50 pro Woche

Trotz des Aufwands, den die "Marinisierer" betreiben, sind Bootsmotoren für den VW-Konzern eine Nischen-Aktivität. Denn fast jeder fährt Auto - aber die Verbreitung von Motorbooten hält sich in Grenzen.

Während im gesamten Werk Salzgitter täglich bis zu 8000 Motoren vom Band laufen, montieren in der kleinen Produktionshalle von Volkswagen Marine eine Handvoll Arbeiter nur etwa 50 Aggregate pro Woche.

Der deutsche Markt ist auch im europäischen Vergleich klein: Während in Deutschland nur rund 420.000 Boote in Gebrauch sind – statistisch gesehen teilen sich 231 Deutsche ein Boot – sind es im dünn besiedelten Schweden fast dreimal so viele. Dort kommt ein Boot auf sieben Einwohner.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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