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Honda FR-V: Der große Kommunikator

Drei Sitze in der ersten Reihe, diese Idee ist nicht neu. Aber Honda verwirklicht sie besonders gelungen, weil die richtige Idee dahinter steht. Hondas verblüffende Erkenntnis: ein Auto ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, es ist eine Kommunikationsplattform.

Von Gernot Kramper

"Der FR-V belebt die zwischenmenschlichen Beziehungen", verkündet Honda-Sprecher Alexander Heintzel frohgemut. Denn Honda sorgt sich um die Kommunikation und dieser Wagen "fördert das Gesprächsklima unter den Insassen." Das schafft er, weil er die Kleinfamilie in die vordere Reihe rückt. Fahren beide Eltern und ein Kind, oder ein Elternteil mit zwei Kindern muss das Gespräch nicht über die Schulter geführt werden, um den hinteren Fahrgastraum zu erreichen. So wird ein ein Kindertraum wahr, endlich "dürfen" alle vorne sitzen. Außer dem Fr-V ("Flexible Recreational Vehicle") eröffnet nur der Fiat Multipla die Chance auf traute Dreisamkeit in der ersten Reihe.

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Lieber breit statt hoch

Optisch gibt sich der FR-V nicht als behäbige Familienkutsche zu erkennen. Den Designern ist es perfekt gelungen, die größere Breite des Fahrzeuges geschickt zu kaschieren. Flott und schnittig präsentiert sich der Wagen. Aufsteigende Seitenlinien und deutliche Taillierungen im Türraum versprechen Kraft und Sportlichkeit. Außerdem erhebt sich auf der Haube ein gepfeiltes V, sie weist dezent, doch unzutreffend auf bullige Motoren hin. Chromzierrat an Bug, Heck und glänzende Türgriffe setzen deutliche Akzente in den Blechformen und versprechen Wertigkeit und Eleganz. Nur im direkten Vergleich mit einem daneben geparkten Fahrzeug bemerkt man die stärkere Statur des Japaners. Mit dem FR-V kann man sich daher überall sehen lassen, ohne mit dem Stigma des kinderreichen Familienpapas vorzufahren. Anders als der Multipla setzt der FR-V keinerlei Akzente in Sachen "Knuffeligkeit".

Fast zu schön für Kinderhände

Richtig genießen kann man dem FR-V erst von innen. Das Cockpit spricht sofort an, die Instrumente sind leicht ablesbar. Wurzelholz, Lederlenkrad und eine gute Portion Aluminium in der „Executive“-Ausstattung erinnern an alles andere, aber nicht an einen rollenden Kindergarten. Dennoch findet die Philosophie des "Drei in der ersten Reihe" ihre Entsprechung in den Armaturen. Bemerkt man die Breite des Wagens von außen kaum, erstreckt sich die Ablage von innen schier endlos. Natürlich soll auch der mittlere Passagier seine Füße ausstrecken, daher verzichtet der FR-V auf einen Mitteltunnel mit entsprechenden Ablagen. Zusätzlich wurde der Schalthebel wie auch beim Civic in der Armaturentafel untergebracht. Wird der mittlere Sitz nicht benötigt, lässt er sich zu einem bequemen Ablagetisch umklappen. So wie man es von zahlreichen Fahrzeugtypen kennt, dort allerdings nur aus dem Fond. Fahrer- und Beifahrerplatz genießen normale Platzverhältnisse und auch der Mitfahrer auf der Mittel-Position hockt nicht auf einem Sperrsitz. Hüftumfänge wie bei den Wildecker-Herzbuben tolerieren die Maße in der Mitte natürlich nicht. Auf langen Strecken finden dort Kinder, Teens und Twens ihren Platz, solange der Wohlstandspeck bei ihnen nicht zugeschlagen hat. Auf überschaubaren Distanzen kann sich jeder dort eine zeitlang wohlfühlen. Für den Mittelplatz gibt es einen Dreipunktgurt, zusätzlich wurde der Beifahrerairbag für den Schutz beider Plätze ausgelegt. Natürlich besteht die die Möglichkeit, per Isofix einen Kindersitz zu befestigen. Honda-Eigenheiten: Kleinkinder in einem Reboard-Sitz können vorne nicht entgegen der Fahrtrichtung mitreisen. Einen Knopf zum Ausschalten des Beifahrer-Airbags sucht man vergebens. Dem Hersteller ist die Gefahr eines irrtümlich an- oder abgeschalteten Airbags zu groß. Besonders pfiffig: Der zusätzliche Sitz lässt sich längs um 27 Zentimeter verschieben, damit vermeidet man den engen Schulterschluss. Auch im Fond warten drei Einzelsitze. Der mittlere Sitz kann um 17 Zentimeter verschoben werden. Wer den Stauraum vergrößern will, kann alle drei Rücksitze nicht nur umklappen, sie lassen sich sogar versenken, ohne dass die Kopfstützen entfernt werden müssen. Dann entsteht ein Ladeabteil, das bis zu 1.600 Liter Gepäck fasst.

Erweckungserlebnis

Honda-Projektleiter Masaaki Tsunoda hat den FR-V gleich adoptiert: "Dieses Auto ist mein Baby." Zur Ursprungslegende gehört ein persönliches Erweckungserlebnis. Einst war Masaaki Tsunoda mit seinem Sohn im Cadillac auf Achse. Um den quäkenden Sprössling ruhig zu stellen, hat ihn der Vater auf die Sitzbank des Straßenkreuzers gelassen. Diese Fahrt mit dem Sohn vorn und in der Mitte habe er, so Herr Tsunoda, derart genossen, dass er nicht ruhte, bis daraus ein Wagen, der FR-V, entstand.

Start mit zwei Benzinern

Zwei Benzinmotoren stehen zur Wahl: eine 1,7-Liter-Maschine mit 125 PS und ein Zweiliter-Motor mit 150 PS. Für normale Ansprüche reicht der kleine Motor vollkommen aus, er bringt den Wagen in 12,3 Sekunden auf 100 km/h, die Spitze wird bei 182 km/h erreicht, der Durchschnittsverbrauch beträgt 7,5 Liter. Mit 150 PS ist der Zweiliter erheblich stärker, sein Mehr an Kraft bemerkt man im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Er schafft die Hunderter-Marke in 10,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 195 km/h. Er benötigt 8,4 Liter Sprit. Aber auch mit 150 PS vermittelt der FR-V kein besonders sportliches Gefühl, der Wagen verharrt subjektiv empfunden im familien-konformen Bereich. Man kann also durchaus bei der kleineren Maschine bleiben. Richtig Druck wird erst der neue 2.2 CDTi-Diesel mit 140 PS entfachen. Er soll im Sommer 2005 im FR-V angeboten werden. Mit 340 Newtonmetern bei 2.000 Umdrehungen kommen dann die Leistungshungrigen auf ihre Kosten und diejenigen, die den FR-V als Zugmaschine für den Wohnwagen einsetzen wollen.

Diesel und Zweiliter-Benziner werden mit einem Sechsgang-Getriebe angeboten, der kleine Benziner muss sich mit einer Fünfgang-Schaltung begnügen. Unverständlicherweise wird er ohne ESP ausgeliefert. Eine Automatik soll hierzulande nicht angeboten werden, obwohl sie perfekt zum familiären Charakter des FR-V passen würde. Beide Schaltgetrieben arbeiten willig und knackig. Am Fahrverhalten des Mini-Vans gibt es nichts auszusetzen. Der Wagen folgt der Lenkung präzise, die Federung ist komfortabel aber nicht schwammig. Die Karosserieneigung bleibt geringer als bei anderen Mini-Vans. Doch schon ab 120 km/h machen sich Windgeräusche störend bemerkbar. Den kleinen Honda 1.7 gibt es ab 20.400 Euro. Inklusive ist dann eine Klimaautomatik, eine fernbedienbare Zentralverriegelung, das CD-Radio sowie das Bordcomputer.

Außen flott, innen komfortabel

Am Honda gefällt, dass er sich außen eine deutliche Alternative zu den üblichen Mini-Vans darstellt. Weder wirkt er hochbeinig, noch erinnert er an eine Blechschachtel mit ungeformten Seitenflächen. Innen gibt es erstaunlich viel Raum. Das Konzept des mittleren Platzes macht als Armauflage oder Beistelltischen auch dann Spaß, wenn man nicht regelmäßig zu sechst unterwegs ist. Fazit: Ein ungewöhnliches und vom Start weg ausgereiftes Fahrzeug.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.