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Jeep Grand Cherokee: Born to be free

Mächtig steht er auf dem Parkplatz, der große Häuptling aus den USA mit dem großen Diesel aus Stuttgart. Neben ihm steht eine Weltanschauung, ein Jeep ist eben kein Geländewagen wie ein anderer.

Von Gernot Kramper

Ein Jeep ist der Geländewagen schlechthin. In ihm schlummern die Gene des Ur-Jeeps. Das war ein ganz harter Knochen mit Leiterrahmen aus Schienen und einem Grill, der ein Gulli ward. Ganz so martialisch kommt der Grand Cherokee nicht daher, dafür schafft er den Spagat markig auszusehen, ohne aggressiv zu wirken. Wuchtige Radkästen, klare Linien, sympathische Doppelscheinwerfer und der typische Grill sagen klar: Ich bin das Original. So ist der große Jeep eine klare Sache. Wer sich für ihn entscheidet, schielt mit Sicherheit nicht nach einem X5 oder einer ML-Klasse. Die Unterschiede in Image und Ausrichtung der Fahrzeuge sind eklatant.

Der große Grizzly

Der große Jeep fühlt sich vor allem stark an, bärenstark. In der Stadt und auf der Autobahn gibt es flottere Untersätze, ein Grazy Horse ist der große Häuptling nicht. Sobald der Asphalt fehlt und satte Steigungen hinzukommen, zeigen bullige 510 Nm, was möglich ist. Alle Tortouren und Belastungen meistert der Grand Cherokee ohne merkbare Anstrengungen. Bergab oder bergan machen keinen Unterschied. Die gefahrene Limited Ausstattung ist mit dem aufwändigen dem Quadra-Drive-II-System ausgerüstet. Drei elektronisch gesteuerte Sperrdifferenziale werden mit fast jedem Untergrund fertig. Bevor der Häuptling passen muss, verlassen den Fahrer die Nerven. Zunächst glaubt man, der Großstadtindianer würde so etwas ohnehin nicht brauchen können. Vermutlich liegt man damit meist richtig.

Wenn die Technik aber doch zum Einsatz kommt, lacht das Herz. Bei der winterlichen Almauffahrt durch ein Gemisch von Schlamm, gehacktem Eis und frischen Schnee blieben die Softoffroader gleich liegen. Nur ein X-Trail ließ sich durch die Profi-Tricks des Fahrers hinaufbugsieren. Ganz anders der Cherokee. Geländeuntersetzung rein und rauf gefahren. Probleme? Keine. Höchstens, dass der Jeep mit über zwei Tonnen für einen echten Bergler ein wenig schwer und groß geraten ist. Kundengruppe sind aber auch keine Alm-Ödis.

Kein Raser

Im normalen Straßenverkehr hat sich das Fahrverhalten im Vergleich zum Vorgänger merklich verbessert. Wenn man es darauf anlegt, kann man den großen Wagen durchaus flott durch die Kurven scheuchen, auch die Lenkung enttäuscht nicht. Richtig ist aber auch, dass gewaltige Kräfte am Fahrzeug zerren. Wird der Motor auf Serpentinen ausgefahren, muss der Fahrer tüchtig arbeiten und die Passagiere packt das nackte Grauen. Natürlich spürt man ebenso die großen Pneus und natürlich fährt sich der Geländewagen nicht wie ein 3er BMW. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 200 km/h, die richtige Reisegeschwindigkeit bei 170 km/h. So stubenrein wie ein X-5 oder die ML-Klasse wurde der Jeep nicht hingezüchtet.

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Dynamische Form

Lang gestreckt zeigt sich der Jeep von außen. Fraglos sieht er dynamischer aus als Quadrat-Kisten wie der X5 oder Nissans Pathfinder. Da der Gelände-Unterbau des Wagens viel Platz verlangt, fehlt es oben aber an Höhe. Scheint die Sonne durchs Glasdach hinein, wird die Höhenverstellung des Sitzes für einen Fahrer mit durchschnittlicher Größe zum Muster ohne Wert. Die niedrigste Einstellung bietet eben gerade genug Kopffreiheit. Da der Laderraumboden auf Beckenhöhe liegt, kann man auch nicht gerade sagen, dass man jedes Mountainbike einfach so hinein schieben kann. Im Kopf sollte man behalten, dass der Grand Cherokee ein sehr großer Wagen ist, aber eben nicht der Größte. Dafür sitzt man fürstlich in dem Dickschiff, auf den vorderen Plätzen macht sich die enorme Breite angenehm bemerkbar.

Komplett-Ausstattung

Die Ausstattung der "Limited"-Ausstattung ist komplett. Neben dem Cherokee-Standart von ABS, ESP, Traktionskontrolle, Reifendruck-Kontrollsystem und Leichtmetallfelgen, Klimaanlage, elektrisch verstellbaren Vordersitzen werden eine komplette Lederausstattung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Scheibenwischer mit Regensensor und eine aufwändige Audioanlage geboten. In der Anmutung hat der Jeep die Niederungen des grauenhaften US-Kunststoffs weit hinter sich gelassen. Leder, Lenkrad und Kunststoffteile fassen sich angenehm, aber auch funktionell an. Der große Jeep wurde nicht zum Luxus-Geschöpf, nach wie vor kann man ihn guten Gewissens mit Arbeitskleidung besteigen.

Warten auf das Abenteuer

Was hat in 14 Tagen den stärksten Eindruck hinterlassen? Zunächst wäre die Kombination von bärenstarkem Antrieb und absoluter Geländefähigkeit zu nennen. Auch wenn man es selten benötigt, man spürt doch voller Beruhigung, auf diesen Wagen kann man sich absolut verlassen. Ebenso gefiel, wie man ihn souverän, und falls gewünscht, auch flott im Alltag bewegen kann. Seine Leistungsfähigkeit kommt dann am besten zur Geltung, wenn man auf dem Heimweg zehn Kilometer Schotterpiste mit 15 Prozent Steigung bezwingen darf. Dann spürt man ihn, den "Spirit of Adventure".

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