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Kampf ums Laserlicht: Sonne in der Nacht

Autohersteller liefern sich in vielen Disziplinen erbitterte Wettkämpfe. Besonders das Rennen um das Licht von morgen ist längst entbrannt.

Laser - hört sich erst einmal gefährlich an - ist es auch. Zumindest wenn man Science-Fiction-Filmchen glauben kann. Mit Laserkanonen wurden in Zukunftsstreifen wie Kampfstern Galactica, Krieg der Sterne oder Raumschiff Enterprise gegnerische Flottenverbände ausgelöscht und Feinde ins visionäre Jenseits des Weltalls geschickt. Der Laser ist ein stark gebündelter Lichtstrahl, mit dem man allerhand Schindluder treiben kann. Doch im automobilen Alltag kann er auch eine völlig ungefährliche Allzweckwaffe mimen. Zum Beispiel die Straße nahezu perfekt und taghell ausleuchten. Nachdem BMW Ende der 80er Jahre mit der Einführung des Xenonlichts beim 750i der Modellreihe E32 den Startpunkt setzte, ist ein nicht enden wollender Kampf um die beste und innovativste Lichttechnik im Auto entbrannt.

Mit Verzögerungen haben sich die LED-Leuchten durchgesetzt, die mit großem Nachdruck die Leuchtkörper fast jedes neuen Fahrzeugs illuminieren. Die Mercedes S-Klasse hat als erstes Auto weltweit überhaupt keine Glühbirnen mehr an Bord. Die kleinen LED-Lämpchen machen es möglich - weiß strahlend hell und ungemein sparsam. Das ist das Autolicht von heute - und morgen. Xenonlicht, einst als hellste Lichtinnovation aus der teuren Flugzeugtechnik übernommen, ist an sich längst düstere Geschichte, LED- Lämpchen gerade en vogue und wer etwas innovatives zeigen möchte, der setzt auf Laserlicht. Nachdem die noch junge Mercedes S-Klasse zur Überraschung vieler nicht nur auf Laserlicht, sondern zum Marktstark auch auf das innovative Matrix-Licht aus besonders anpassungsfähigen LED-Lichtinseln verzichtete, kämpfen gerade Audi und BMW um die illuminierte Krone. Wer hat zuerst den fast schon unendlich die Fahrbahn ausleuchteten Fernscheinwerfer, der Nachtsichtgeräte und Straßenbeleuchtungen außerhalb geschlossener Ortschaften überflüssig macht?

BMW präsentierte auf der Frankfurter IAA im Herbst vergangenen Jahres den hybriden Sportboliden i8 erstmals mit dem zukunftsträchtigen Laserlicht. Fest steht, dass das Laserlicht jedoch nicht zur Markteinführung des BMW i8 im Sommer verfügbar sein wird. Doch wer ist nun das erste Auto mit Laserlicht? Da die Technik aufwendig ist und die Kosten ein Vielfaches über denen für LED- oder Matrixlicht liegen, steht fest, dass es ein Fahrzeug mit einer vergleichsweise kleinen Auflage sein muss. Sonst geht der Lichtstrahl nach hinten los. Es heißt Zulieferer ins Boot zu holen und die Lichttechnik von morgen alltagstauglich zu machen - auch weil noch einige gesetzliche Vorgaben fehlen. Aktuell scheint Audi dem dynamischen Erzfeind BMW die schmackhafte Fleischwurst vor der Nase wegzuschnappen, denn das Laserlicht soll beim diesjährigen 24-Stunden-Rennen von Le Mans seine Weltpremiere im Realbetrieb feiern. Diese Laser-Kleinserie könnte winziger kaum sein, denn nach der Weltpremiere der Lichttechnik mit dem Audi Sport Quattro auf der Computermesse CES in Las Vegas, jagen die entsprechend ausgestatteten Rennwagen vom Typ Audi R18 e-tron Mitte Juni durch die französische Nacht von Le Mans.

Bereits im letzten Jahr war das Siegfahrzeug von Le Mans, ein Audi R18 TDI e-tron, mit zukunftsträchtigem Matrix-LED-Licht unterwegs gewesen. Ein Baustein zum Erfolg: das gleißend helle Licht, das sich je nach Tempo und Streckenführung den Rahmenbedingungen anpasst. Bei engen Kurven schalteten sich kleine LED-Inseln dazu und leuchten so den Nahbereich links und rechts vor dem Rennwagen aus. "Natürlich interessiert sich für die Blendung der anderen bei einem Autorennen niemand", sagt Audi-Entwicklungsleiter Stephan Berlitz, "man hat ja keinen Gegenverkehr. Unsere Le-Mans-Rennwagen hatten LED-Scheinwerfer mit Reichweiten von knapp einem Kilometer." Nur sechs Monate später feierte der ebenso lichtstarke wie blendfreie Matrix-Scheinwerfer seine Großserienpremiere im überarbeiteten Audi A8. Mit dem Laserlicht will Audi so erfolgreich befahrene Spuren ausleuchten und die Konkurrenz von BMW und Mercedes in den Schatten stellen. Die Laserscheinwerfer des Rennfahrzeugs Audi R18 e-tron emittieren ein monochromatisches und kohärentes Licht mit einer Wellenlänge von 450 Nanometern. Mit fast 500 Metern Reichweite, leuchtet das Laser-Fernlicht etwa doppelt so weit und dreimal so lichtstark wie LED-Fernlicht. Die leistungsstarken Laserdioden sind wesentlich kleiner als LED-Dioden, ihr Durchmesser beträgt nur wenige Mikrometer.

BMW will seinen hybriden Sportler i8 zum Ende des Jahres dann mit einem optionalen Laser-Fernscheinwerfer ausstatten. Das blaue Laserlicht bekommt durch ein Phosphorblättchen seine weiße Farbe und wird nach Wunsch verteilt. Der Reflektor eines Laserscheinwerfers ist nur so groß, wie ein 20-Cent-Stück. Trotzdem ist das Laserlicht weitaus heller als LED-Scheinwerfer und nochmals präziser zu steuern. Zudem setzen fast alle Herstellern auf die nächste LED-Generation, die OLEDs. Die organischen Leuchtdioden verbrauchen noch weniger Strom und sind gerade einmal 1,4 Millimeter dick. Ein Vorteil der OLEDs ist die Flexibilität der - im Vergleich zur herkömmlichen LED- großflächigeren Bauteile und die damit verbundene Möglichkeit, einzelne Segmente anzusteuern. Aufgrund dieses Merkmals eignen sich die OLEDs vor allem für die Rückleuchten, die seit je her als Designelemente eingesetzt werden. "Spätestens ab 2016 rechnen wir dann mit OLED in Serie auf der Straße", sagt Ulrich Eisele, der bei Osram OLED-Bereich verantwortet.

Press-Inform / pressinform

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