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Kleinwagen: Wirbel in der Zwergenklasse

Jetzt rücken dem Kultauto Mini zwei neue Kleinwagen auf die Pelle: Alfa Romeo Mito und Ford Fiesta. Der eine will mit Technikspielereien punkten, der andere mit Fahrkomfort.

Von Peter Weyer

Diesmal könnte der Mythos ein paar Kratzer abbekommen. Dem Mini, Urahn aller pfiffigen Stadtflitzer und auch in der Krise sehr gefragt, rücken die Verfolger jetzt dichter auf die Blechpelle als je zuvor. Alfa Romeo Mito und Ford Fiesta heißen die neuen Konkurrenten. In Konzept, Größe und Leistung nahezu gleich, treten die zwei ansonsten mit sehr unterschiedlichen Reizen an. Der Südländer will im Vertrauen auf den ehrwürdigen Markennamen "alla italiana" das passende Mobil zum Handtäschchen oder zu den angesagten Schuhen sein. Dagegen will der Ford vor allem mit ungewohnter Innenarchitektur mitmischen.

Der stern prüfte Altmeister Mini One und die beiden Herausforderer Mito und Fiesta in vier Kapiteln, wie die Chancen stehen, den Mini abzuhängen.

Blick von außen: Der Mini ist seine eigene Designmarke. Unbestreitbar, unverkennbar. Aber schön ist er nicht. Ein rechtwinkliger Kasten, dessen Kanten so wirken, als wären sie notdürftig entschärft und gerundet worden. Front- und Heckscheibe stehen so steil wie Fenster von Backofentüren. Ebenfalls keine Glanzleistung sind die Kunststoffanbauten ringsum, vor allem die aufgesetzten Bögen an den Radhäusern.

Außen elegant, innen überdreht

Optisch kann der Mito dagegen leicht punkten - obwohl auch er mächtig aufgeblasen mit dicken Türschwellern und ausgestellten Radhäusern daherrollt. Aber die sind wenigstens nicht aus schwarzem Plastik. Aus manchen Blickwinkeln wirkt der Italiener allerdings etwas zu hoch für seine Länge oder zu kurz für seine Höhe. Leicht kugelig auf alle Fälle, wobei die überbetonten Rundscheinwerfer und die Rückleuchten, groß wie Pizzateller, den Eindruck noch verstärken.

Ford zeigt dagegen, welche Eleganz auf vier Meter Außenlänge möglich ist. Die betonte Keilform und das tropfenförmige Dach verbinden sich im Heck zu einer gelungenen Einheit. Die Eleganz entsteht dadurch, dass einzelne Designelemente nicht unnötig hervortreten. Punktsieg für den Fiesta.

Blick nach innen: Die Rückbank des Mini ist nur Dekoration. Hinten passen allenfalls Varietékünstler mit knautschfesten Gummiknien, Haustiere oder Einkaufstüten rein. Im Mito reicht die hintere Beinfreiheit wenigstens für Grundschüler. Dagegen mutet der Fiesta an wie ein Riesenschiff. Auch hinten ist ausreichend Rekelraum. So viel, dass es ihn sogar als Viertürer gibt. Dafür droht beim Blick aufs Cockpit ein Augenschock. Die Mittelkonsole, stilistisch ein Zwitter aus Playstation und Playmobil, ist mit silbrig glänzendem Popel-Plastik beplankt. Die Bedienung ist in Ordnung, aber die Anmutung wirkt wie Resteverwertung.

Fahrspaß garantiert

Hohles Mattplastik hat auch der Mini verbaut, allerdings deutlich weniger. Geht auch nicht anders, denn in der Mitte des Cockpits ragt senkrecht der Tacho weit über die Armaturenkante hinaus. Bombastisch wie die Uhr von Big Ben, sperrig wie eine an die Wand genagelte Alufelge. Mit ungeahnten Vorzügen. Weil der Fahrer bei der Tempokontrolle stets den Kopf weit zur Seite drehen muss, bleibt die Nackenmuskulatur schön locker.

Dagegen wirkt die Zeiger- und Schaltersammlung des Alfa klassisch simpel. Immerhin: Die glänzenden Plastikflächen blenden nur wenig, und die tief unten verbaute Klimaregulierung zwingt unterwegs zu gesunden Lockerungsübungen beim Vorbeugen. Vorsprung für den Italo-Herausforderer.

Die Fahrfreude: Bei hurtiger Kurvenhatz setzt der Mini weiterhin die Maßstäbe. Alles passt: Frontsitze, Sitzposition, Schaltpräzision, die gefühlvolle direkte Lenkung und die fast narrensichere Spurtreue selbst in kitzligen Fahrmanövern. Mini-Neulinge werden Kurven, die sie in anderen Autos anbremsen, sogar ohne Gaslupfen umrunden.

Der Fiesta kann da nicht mithalten. Will er auch nicht. Dass der letzte stramme Biss im Fahrwerk fehlt, merkt der Normalo am Steuer kaum, aber dafür glänzt der kleine Ford mit einer nahezu perfekten Kombination aus Sportlichkeit und Komfort, eins geht nicht zulasten des anderen. Eine beispielhafte Lösung allein durch saubere Abstimmung der Mechanik.

Für den Namen zahlen

Der kleine Alfa liegt dicht auf, braucht aber für diesen Spagat elektronische Helfer. Jeder Mito hat serienmäßig "D.N.A." an Bord. Dahinter steckt eine Fahrdynamikregelung ("Dynamik, Normal, All Weather"), wählbar per Schalter auf der Mittelkonsole. Mal werden, für komfortables Fahren, Lenkübersetzung oder Traktionskontrolle (verhindert das Durchdrehen der Räder) weichgespült, mal werden - für betont sportliche Gangart - die Reaktion auf das Gaspedal, der Auspuffsound oder der Schleuderschutz auf Macho gestellt. Dann allerdings greift der Schleuderschutz, bei Alfa heißt er "Vehicle Dynamic Control" (VDC), für weniger Wagemutige in Kurven erschreckend spät. Größter Pluspunkt im Mito ist hingegen "Electronic Q2", eine Art elektronisches Sperrdifferenzial für Fronttriebler. Beim plötzlichen Tritt aufs Gaspedal drehen, besonders bei eingeschlagenem Lenkrad, die Räder später durch als bei den Konkurrenten - aber das ehrlich-kernige Kart-Gefühl des Mini ist nicht zu schlagen.

Die Kosten: Für den Mini aus dem Hause BMW ist ein saftiger Schicki-Zuschlag fällig. Einstiegspreis mindestens 16.150 Euro. Wirklich Mini ist das nicht. Der Fiesta kostet bei vergleichbarer Sicherheits- und Komfortausstattung mit nur 13.250 Euro gut 15 Prozent weniger. Der englische Bayer glänzt aber wieder bei den Betriebskosten, bei denen er seine Herausforderer deutlich unterbietet. Wichtigster Grund dafür ist der wesentlich geringere Spritdurst. Da verlangt der Mito schon nach der EU-Norm einen Zuschlag von mehr als einem halben Liter, der die Betriebskosten hochtreibt. Der Grundpreis des Italieners liegt im Mittelfeld (14.700 Euro), allerdings inklusive der serienmäßigen Fahrwerkselektronik. Doch für Sparfüchse ist der Ford Fiesta erste Wahl.

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