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Land-Rover-Probefahrt: Der Gelände-Versteher

Der neue Land Rover Discovery erfährt dank schlauer Elektronik, worauf er rollt. Bei so viel intelligenter Technik muss nicht mehr unbedingt ein Künstler am Steuer sitzen.

Von Peter Thomsen

Der neue Geländewagen rollt im Zeitlupentempo über einen kolossalen Felsen. Das linke Vorderrad hebt ab und schwebt in der Luft. Jetzt müsste es durchdrehen. Denn das Differenzialgetriebe in der Vorderachse, das die Kraft je nach Kurvenverlauf mal ans rechte und mal ans linke Rad verteilt, wird jetzt alle Power zum linken Rad schicken, weil es dort weniger Widerstand findet. Tückische Folge: Das linke Rad dreht durch - und die ganze Fuhre bleibt stehen.

Doch beim Land Rover Discovery zuckt das linke Vorderrad nur kurz. Nach einer Vierteldrehung verharrt es regungslos, und das rechte Vorderrad, das sich nach der Theorie gar nicht drehen dürfte, zieht die zweieinhalb Tonnen mühelos über den Findling. Was ist passiert? Ein Computer hat eingegriffen. Er hat festgestellt, dass ein Rad durchzudrehen versucht, und hat es blitzschnell abgebremst - nur dieses eine Rad. Daraufhin musste sich die Kraft den Weg zum anderen Rad suchen. Das Auto blieb in Fahrt.

Antriebsachsen können wegknicken wie Streichhölzer

Den genialen Trick mit dem Abbremsen einzelner Räder führte Mercedes mit der M-Klasse 1997 ein, und etliche Hersteller haben nachgezogen. Doch im neuen Discovery funktioniert er so perfekt wie sonst nirgendwo. Spätestens, wenn ein Vorderrad und ein Hinterrad gleichzeitig in der Luft hingen, war ihre elektronische Traktionskontrolle bisher am Ende. Unter diesen widrigen Konditionen kam nur noch die G-Klasse von Mercedes voran, deren Fahrer auf Knopfdruck alle Räder mechanisch miteinander verbinden kann (Differenzialsperren), sodass sie sich gleich schnell drehen. Das machte den G-Typ bis jetzt zur Referenz aller Geländewagen. Doch das System hat einen Haken: Wer vergisst, es auf normaler Straße auszuschalten, dem können wegen der gewaltigen Kräfte die Antriebsachsen wie Streichhölzer knicken.

"Damit kann jetzt jeder Idiot durch die Sahara fahren."

Das Universum der Kiesgrubenbezwinger wird durch eine weitere Feinheit verändert, die der Land Rover exklusiv hat: Der Fahrer erklärt dem Auto, welcher Untergrund anliegt. So hatte Werksfahrer Chris vor der Demonstrationsrunde den Schalter an der Mittelkonsole auf die Position "Felsen" gedreht. Nun "wusste" das Auto, dass es auf schnelle Reaktion ankommt, sobald die Räder keine Traktion mehr haben. Der Computer reagierte fix, das linke Vorderrad ruckte nur einen Moment, wo andere hilflos rotieren. Außer "Felsen" gibt es noch vier weitere Stellungen: "Gras/Schnee", "Schlamm", "Sand" und "Normal" für die Straße. Im Schnee zum Beispiel, wenn die Gefahr des Durchdrehens groß ist, sorgt der Bordrechner dafür, dass das Auto sanft anfährt. Obendrein lässt sich an dem kantigen Trumm, das im November auf den deutschen Markt kommt, die Bodenfreiheit vergrößern - durch die Luftfederung (außer Basisversionen). Sobald ein Fühler das Aufsetzen des Wagenbodens meldet, pumpt ein Kompressor mehr Luft in die Federbälge. Ist das Auto wieder auf der Straße, legt es sich von allein tiefer. Mit herkömmlichen Stahlfedern sind solche Kunststücke nicht möglich. Bei so viel intelligenter Technik muss auch nicht mehr unbedingt ein Künstler am Lenkrad sitzen. Bei der Vorstellung des Discovery kommentierte ein Experte die Qualitäten des Wagens: "Damit kann jetzt jeder Idiot durch die Sahara fahren."

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