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Mazda 2: Der Bastard-Prinz

Mickriger statt größer. Weniger Verbrauch ohne Technik-Tricks und ein Auto, das der Chef nicht wollte. Der Mazda 2 zeigt, auch unkonventionelle Wege führen zum Erfolg.

"Wenn es nach mir gegangen wäre, würde es den gar nicht geben." Ein hartes Statement von James M. Muir über sein jüngstes Kind. Erschocken schmollt das hübsche Schnuffelchen in Blattfrosch-Grün auf der Präsentationsbühne vor sich hin. Gnadenlos legt Muir nach: "Seien wir mal ehrlich, auch der Vorgänger war schon nicht sonderlich erfolgreich." Da lässt man fast das Sektglas fallen. Wie konnte dieser Mann President und CEO von Mazda Europe werden? Hat er etwa all die Führungskräfte-Schulungsseminare ausgelassen, in denen Managern der richtige Anzug angepasst wird, und sie lernen, stoisch immer wieder die Einzigartigkeit ihres Produkts zu betonen, auch wenn jeder vom Gegenteil überzeugt ist.

Ab in die Kaschubei

James M. Muir, hemdsärmelig, sympathisch und Waliser, ist aus sichtlich anderem Holz geschnitzt, als die Hohen Repräsentanten, die vor lauter Markenbewusstsein kaum noch gehen können. Aber natürlich weiß er auch gute Gründe für den Neuversuch von Mazda im Kleinwagen-Segment. "Wenn man ein gutes Geschäft machen will, muss man in allen Segmenten vertreten sein. Das B-Segment ist leider das am härtesten umkämpfte, da kann man schnell das Hemd verlieren, wenn man nicht aufpasst. Denn die Margen sind knapp, und der Kampf mörderisch." Bei den Kleinwagen kann sich niemand eine goldene Nase verdienen, aber dieses Segment wächst selbst im Stagnationsmarkt Europa.

Und auch dort spielt die Musik nicht in den alten EU-Ländern sondern in den Staaten, die eins jenseits des eisernen Vorhangs lagen. "Das sind Wachstumsländer, da ist es leichter eine Marke wie Mazda zu etablieren. In so einem unreifen Markt ist es jetzt möglich, sich Anteile einfach zu greifen. Diese Länder wachsen enorm. Polen bekommt jetzt die EU-Subventionen, die zuvor Spanien bekam. Dieses Geld wird man im Automobilmarkt bemerken." Auf das raue Pflaster zwischen Kaschubien und den Matsch der Palessje-Sümpfe wird der kleine Mazda-Schnuffel nun losgelassen.

Pfiffikus mit Diätprogramm

Geschlitzte Augen, feurig und doch sympathisch. Eine lange Schnauze, ein rund gespültes Heck, der Unterbau wölbt sich zu muskulösen Backen über den Radläufen aus. Das sind die richtigen Zutaten, um viele Wünsche zu erfüllen. Vom City-Bürowagen junger Frauen, dem Zweitwagen für Familien bis hin zu einer möglichen Renn-Hummel-Version sind alle Gene angelegt. Im Blechkleid steht der Mazda 2 als gut, zur Einzigartigkeit reicht es nicht, denn allzu viele haben sich aus dem gleichen Ideenkasten bereits bedient. Die Materialen im Innenraum fühlen sich angesichts der Preisklasse noch angenehm an, die Stühle bieten den richtigen Halt, überdies fühlt man sich nicht beengt. Und das soll einiges bedeuten, denn in einem unterscheidet sich der Mazda 2 von allen anderen seiner Klasse: Er ist kleiner und vor allem leichter ausgefallen als sein Vorgänger. Sein Gewicht liegt unter den magischen 1000 Kilo. So kann der Luftikus auch mit sehr geringen Verbrächen überzeugen. Konsequent wurde an Gewicht und Größe gespart. Mit der Frage "Wie groß und wie gut ausgestattet muss ein Auto in dieser Klasse sein?" gingen die Entwickler ans Werk. Unter anderem wurde der Wagen kürzer als zuvor. Von 3,93 schrumpfte der Mazda 2 auf 3,89 Meter zusammen. Insgesamt verlor er 100 Kilo. Die hinteren Sitze entsprechen dem Klassen-Niveau. Im Kofferraum stehen 250 Liter zur Verfügung.

Fieser Crash beim Driften

Mach dich kleiner

Weniger überzeugend für einen Mazda wirkten Lenkung und Straßenlage. Die erste wirkt weich und unentschieden in der Mittellage, die zweite unruhig auf schlechten Strecken und leicht überfordert bei harscher Fahrweise. Die gefahrenen Benzin Motoren passen, boten aber natürlich keine Rennerlebnisse. Dafür sind sie den Mazda-Angaben zufolge sehr sparsam. Ein noch sparsamerer Diesel wird nachgereicht, wird aber trotz des geringeren Verbrauchs in dieser Fahrzeugklasse nicht immer Sinn machen. Bei der Sicherheitsausstattung überflügelt der Mazda 2 seine Konkurrenten, er bietet serienmäßig bereits in der Basisausstattung ein elektronisches Antischleuderprogramm an. Das ist einzigartig. Die geringen Verbräuche erreicht der 2er allein durch geschicktes Downsizing und nicht durch geballte High-Tech-Power. Eine Start-Stop-Automatik vermisst man schon, aber im Prinzip scheint der Mazda-Weg der richtige zu sein, denn im B-Segment rechnet der Kunde mit dem spitzen Bleistift. James M. Muir sagt. "Auch Mazda wird Spritspar-Technologien einführen, aber nicht zuerst in den Kleinwagen. Zunächst sind diese Techniken groß und kompliziert, für den Kleinwagen lautet die Herausforderung. Wie bekommt man diese Technik in einen kleinen Wagen und das zu kleinen Preisen."

Hohe Ambitionen

So kann der Mazda 2 durchaus im Markt bestehen. Optisch bezaubert er vor allem von außen. Sein Grundpreis von 11.950 Euro ist scharf kalkuliert, wenn man bedenkt, dass er dafür mit ESP und fünf Türen zu haben ist. Gewollt war der neue 2er also vielleicht nicht, trotzdem sind die Erwartungen hoch. James M. Muir "Von ihm wollen wir das Dreifache des Vorgängers verkaufen, das hört sich unmöglich an, wir starten aber von einer niedrigen Basis aus." Dann mal viel Glück.

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