Mazda MX-5 Der Erste wird der Letzte sein


Der MX-5 trat stets als Sportler mit ausgeprägtem Sinn für ein gesundes Preis-Leistung auf. Ignoranten und Besserverdiener spöttelten gern über den "Hausfrauen-Porsche". Zu Unrecht, die neue Generation bietet atemberaubende Roadster-Gefühle zu konkurrenzlosen Preisen.

Einst gab es eine Zeit, das waren die Roadster fast ausgestorben, diese flotten zweisitzigen Sportwagen. Bis sich ausgerechnet Mazda ans Werk machte, diese Gattung neu zu beleben. Alle Z4s und Boxster müssten eigentlich laut "Danke" sagen, ohne die Mutter aller Neo-Roadster lägen sie noch als Blechrolle im Materiallager.

Der MX-5 trat seit seiner Geburt als Sportler mit ausgeprägtem Sinn für ein gesundes Preis-Leistung auf. Ignoranten und Besserverdiener spöttelten daher gern über den "Hausfrauen-Porsche". Dabei eignet sich der Nippon-Roadster auch in der dritten Generation für mehr als zum Vorfahren an der Shopping-Meile. Wenn man bereit ist, das Gaspedal ins Bodenblech zu treiben und die Motoren - im Angebot sind ein 1.8 und ein 2,0 Liter Benziner - dauerhaft über 4000 U/min zu halten, zeigt der Wagen Rasse und Klasse und unbegrenzte Drehfreudigkeit. Das heisere Brummen eines unterforderten Achtzylinders gibt es natürlich nicht, dennoch röhrt es bei offenem Verdeck frisch, fröhlich aus dem Heck. Kleiner Nachteil: das Schließen des Stoff-Dachs sperrt den Lärm nicht aus. Die Geräuschdämmungskunstwerke der Premium-Hersteller darf man nicht erwarten.

Mehr Spaß, als mancher vertragen kann

Der Mx-5 gibt sich alle Mühe, die Fahrspaß-Fraktion schon bei moderaten Geschwindigkeiten zu unterhalten. Die Lenkung ist direkt und exakt. Dumm nur, wenn sich das Lenkrad nur in der Höhe und nicht in der Längsrichtung verstellen lässt. Gerade bei einem sportlichen Fahrzeug möchte man das Lenkrad exakt anpassen können. Der Antrieb über die Hinterräder befreit die Lenkung von Antriebskräften. Dafür zuckt und schwänzelt das Heck bei jeder Gelegenheit. Hüftschwünge sind bei Fahrern heiß begehrt und machen mehr Laune als das nervige Traktionsgeruckel auf der Vorderachse. Der größere Motor liefert überschaubare 160 PS und doch fängt der Po des Fahrzeuges an im Kurventakt zu schwingen. Auf geschwungener Strecke und bei ambitionierter Fahrweise flackert auf der Armatur ein Stroboskop in Gelb. Keine Kürvchen ohne elektronischen Dämpfer. Der Abregelungseingriff hält dann jeweils ein paar Sekunden an. Mit dem Ergebnis, dass dem voran strebenden Wagen ebenso lang die Luft ausgeht. Noch spürbarer macht sich die spaßige Abstimmung beim Handling-Ausflug auf der Kartbahn bemerkbar. Ohne ESP sollte man seine Sinne am Steuer stets beisammen haben, um den Vorwärtsdrang des eigenen Hecks begegnen zu können. Die Fahrfreude wurde dadurch nicht getrübt, ganz im Gegenteil. Der Zweiliter leistet 160 PS bei 6700/min und erreicht ein maximales Drehmoment von 188 Nm bei 5000 Umdrehungen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Der 1,8-Liter-Motor bringt es nur zu 126 PS bei 6500/min und 167 Nm bei 4500/min. Hier ist 196 km/h Schluss. Damit der MX-5 Freude machen soll, darf man keine Scheu vor hohen Drehszahlen haben. Im Drehzahlkeller verändert sich der Charakter merklich, dann ist der Wagen ideal für die Shoppingfahrt. Je nach Ausstattungsvariante gibt es ein exaktes Fünf- oder Sechsganggetriebe. Nach wie vor kleben Fahrer und Wagen auf der Strecke, das Fahrgefühl ist sensationell direkt und sportlich ohne unkomfortabel zu werden. Selbst große Klopfer schlagen nicht durch, Wirbelsäule und Nerven werden geschont.

Behutsame Retourchen

Für einen Revolutionär sieht der Japan-Roadster sehr geschmeidig aus. An ihm findet sich nichts an dem man sich stoßen könnte, am auffälligsten an der Neu-Auflage sind die herausgearbeiteten Radläufe. Der Wagen strahlt deutlich mehr Power aus als der Vorgänger, obwohl auf eine muskel-bildende Knochenform zugunsten eines geräumigen Innenraums verzichtet wurde. Die dritte Generation wirkt wie der durchtrainierte Bruder. Mit 3995 mm bleibt er immer noch unter der vier Meter Marke. Obwohl praktisch keine Teile des Vorgängers verbaut wurden, bleibt die Baureihenidentität erhalten.

Bonsai-Kofferraum

Zum sportlichen Auftritt gehört die tiefe Sitzposition. Mitmenschen bis 1,86 Metern Größe finden jetzt Platz an Bord. Die Kunststoffe im Innenraum fühlen sich teilweise wie Plaste und Elaste an, der auffällige Zierstreifen im schwarzen Klavierlack wirkt dagegen recht edel. In Sachen Stauraum bleib der Japaner etwas für Urlauber, denen Badehose und Zahnbürste ausreichen. Hinter den Sitzen gibt es zwar noch zwei Ablagen für Taschenbuch oder CD-Sammlung, der Kofferraum bleibt mit 150 Litern bekannt bescheiden. Wer zu zweit mit dem Mazda auf große Tour gehen will, kann auf der Einfahrt natürlich den Koffer auspacken und die Wäsche als Schüttgut mitnehmen. Wem das zu plünnerig ist, muss wohl oder übel zum externen Koffer greifen.

Muskelkraft

Egal ob das Verdeck offen oder geschlossen ist, steht immer gleich viel Ladevolumen zur Verfügung. Anstatt einer variablen Lösung wird das Abteil für das Verdeck starr abgegrenzt. Bei der Dachtechnik setzt Mazda weiterhin auf den Oberarm und verschmäht eine automatische Lösung. Das Dach läst sich ohne große Mühe in wenigen Augenblicken (Mazda nennt sechs Sekunden) öffnen oder schließen. Eine gewisse Gelenkigkeit ist Voraussetzung, sonst muss man aufstehen.

Viel Roadster fürs Geld

Die Preise fangen bei volkstümlichen 21.190 Euro. Dafür bekommt man einen MX-5 Emotion 1.8 mit 126 PS und Fünfgang-Getriebe. Die Überrollbügel haben dann keine Alublenden, der Wagen steht auf Stahlfelgen und anstatt eines Stoffverdecks gibt es eines aus Vinyl. Für den Zweiliter mit 160 PS muss man mindestens 23.690 Euro rechnen. Das sind konkurrenzlose Preise. Voll ausgestattet mit Ledersitzen und Bose-Sound steigt der Preis allerdings über die 30.000 Euro Marke.

Eindeutiges "Will-Haben-Fahrzeug"

Ein Porsche ist der kleine Mazda natürlich nicht. Aber mit etwas Phantasie fühlt er sich fast so an. Vor allem verschafft der Japaner sportive Gefühle zu Discount Preisen. Und damit steht der MX-5 wieder ganz allein auf weiter Flur. "Wir sind aufgrund des Abschieds einiger Wettbewerber wie dem Fiat Barchetta, dem MG TF, dem Smart Roadster und dem Toyota MR-2 im nächsten Jahr die einzigen Anbieter im Roadster-Segment der Preisgruppe von 21.000 bis 27.000 Euro", so Mazda-Chef Bergmann. Angesichts des neuen MX-5 muss der Käufer die fehlenden Alternativen nicht bedauern.


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