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Mazda MX-5 NA: Aufgehende Sonne

Der Mazda MX-5 belebte vor 30 Jahren das Roadster-Segment in Deutschland neu. Wir sind den Klassiker der ersten Generation gefahren und haben festgestellt, dass der Zweisitzer nichts von seiner Faszination verloren hat.

Verschworene Einheit: Unter der Leitung des Ingenieurs Toshihiko Hirai arbeiteten Mazda Ingenieure sogar in ihrer Freizeit am MX

Verschworene Einheit: Unter der Leitung des Ingenieurs Toshihiko Hirai arbeiteten Mazda Ingenieure sogar in ihrer Freizeit am MX-5

Im Frühjahr des Jahres 1986 brannte im fünften Stock über der Mazda Designwerkstatt spät abends fast immer noch Licht. Der verschworene Zirkel, der sich unter der Leitung des Ingenieurs Toshihiko Hirai traf, arbeitete mit fast biblischem Eifer am Projekt eines zweisitzigen Roadsters. Die Idee war damals für viele Autoexperten absurd. Selbst beim japanischen Hersteller gab es viele Stimmen, die ein solches Konzept als "Totgeburt", Spinnerei detailverliebter Autonarren betrachteten und die Verschwendung wichtiger Ressourcen anprangerten. Nicht ohne Grund: Roadster galten zu jeder Zeit als aussterbende Gattung, als ein Relikt aus den 1950er und 60er Jahren. Lediglich eine Handvoll Autobauer leisteten sich den Luxus ein solches Auto anzubieten. Der Lotus Elan war so etwas wie die Blaupause für die japanischen Tüftler, allerdings sollte die japanische Version dem Vorbild bei der Agilität zumindest ebenbürtig sein.

Aufgehende Sonne
Verschworene Einheit: Unter der Leitung des Ingenieurs Toshihiko Hirai arbeiteten Mazda Ingenieure sogar in ihrer Freizeit am MX

Verschworene Einheit: Unter der Leitung des Ingenieurs Toshihiko Hirai arbeiteten Mazda Ingenieure sogar in ihrer Freizeit am MX-5

Toshihiko Hirai forderte vollen Einsatz - nicht mehr und definitiv nicht weniger. Die Idee eines wieselflinken Roadsters war so anziehend, dass Ingenieure nach ihrer eigentlichen Arbeit sich der Gruppe in ihrer Freizeit anschlossen, nur um Teil des spannenden Projekts zu sein. Manche übernachteten sogar in den Räumen, die bald den vielsagenden Spitznamen "Hotel Riverside" bekamen.

Gut ein Jahr später - im September 1987 - war der erste Meilenstein erreicht, als das endgültige Design festgelegt wird. Das Auto, das ein dahinsiechendes Segment wieder zum Leben erwecken sollte, war ein leichter Zweisitzer samt Stoffverdeck mit dem Motor vorne und Heckantrieb. Zwei Jahre später war es soweit, auf der Chicago Motorshow wurde der Mazda MX-5, der in den USA hieß "Miata", vorgestellt. Schließlich hatte der ehemalige amerikanische Journalist Rob Hall die Idee zu einem leichten Sportwagen (Light-Weight-Sportscar) und in den USA erhofften sich die Mazda-Marketingstrategen eine gute Resonanz auf das neue Auto.

Zurecht. Der Mazda MX-5 schlug ein, wie die sprichwörtliche Bombe. Der Messestand des japanischen Autobauers wurde förmlich belagert und die Anwesenden immer wieder mit der gleichen Frage gelöchert: "Wann und wo kann ich dieses Auto kaufen?" Die Begeisterung kannte auch in Japan keine Grenzen. An den 46 Orten, an denen im Juli den MX-5 vorbestellen konnte, kam es teilweise zu tumultartigen Szenen.

Die bleiben uns erspart. Wir dürfen einen MX-5 NA fahren, das Sondermodell "Limited Edition" in British Racing Green lackiert. Chic, mit beigem Interieur. Trotz seines fast schon biblischen Automobilalters von fast dreißig Jahren, macht der Nippon-Flitzer noch heute jede Menge Spaß. Mit 85 kW / 115 PS und einem Gewicht von weniger als einer Tonne ist der MX-5 alles andere als untermotorisiert. Allerdings ist der 1.6 Liter Vierzylindermotor eine echte Drehorgel. Unter 4.000 Umdrehungen geht fast gar nichts, immerhin wirbelt die Kurbelwelle locker bis 6.500 U/min. Wenn es unbedingt sein muss, dürfen es auch ein paar Umdrehungen mehr sein. Gott sei Dank ist die Schaltung mit dem kurzen Ganghebel knackig und so macht das Getriebespiel ebenfalls Spaß.

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Wenn man mit diesem Flitzer um die Ecken pfeift, dann erkennt man was den MX-5 damals so spektakulär gemacht und was den Roadster heute noch auszeichnet. Die Lenkung ist direkt, aber nicht zu straff und der Zweisitzer unglaublich agil. Nicht die Autobahn, die Landstraße ist sein Revier - und da mutiert der Flitzer aus dem Land der aufgehenden Sonne zum Alphatier. Im Zentrum des ganzen Spektakels: Der Fahrer, der alles direkt und unmittelbar mitbekommt und nicht abgekoppelt von den Elementen in seinem Blechhaus sitzt. Ein wichtiger Punkt bei der Konzeption des Mazda MX-5 der weiterhin Gültigkeit besitzt. Übrigens: Die Klappscheinwerfer kommen heute noch unglaublich lässig rüber.

Das Auto begeisterte auch die Massen und übertraf die Erwartungen der Mazda-Manager bei Weitem. Von der ersten Generation wurden zwischen 1989 und 1997 rund 450.000 Exemplare verkauft. Das veranlasste Hersteller, wie BMW (mit dem Z3), Mercedes (SLK) und Fiat mit der Barchetta kleine wendige Roadster auf den Markt zu bringen. Der Mazda MX-5 blieb aber immer eine Konstante, das können mehr als eine Million Autofahrer bestätigen.

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