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MB C-Klasse: Daimlers C-Day

Soviel Mühe wurde in dieses Auto gesteckt, um einen Misserfolg zu vermeiden. Nie wurden mehr Testkilometer abgespult, um versteckte Mängel aufzuspüren. Die C-Klasse darf nichts - außer ein Erfolg werden.

Souveränität sieht anders aus. Nichts als pure Erleichterung konnte man gegen Ende der Presse-Vorstellung der neuen C-Klasse bei den Mercedes-Leuten sehen. Fast 70.000 Vorbestellungen waren bis dahin eingegangen, der Großteil der Medienberichte positiv bis euphorisch.

Da darf man schon einmal ausatmen. Konzernchef Dieter Zetsche gab das Ziel vor: "Der Wagen soll die erste Geige spielen." Die C-Klasse wurde als Sieger gebaut und konzipiert. Ein Qualitäts-Desaster wie bei der Einführung der E-Klasse - als erboste Kunden an den elektronischen Innovationen verzweifelten - würde ein Beben an der Börse und ein Massaker unter den Verantwortlichen auslösen.

Aufbruch und Vergangenheit

Die neue C-Klasse wirkt stärker als der Vorgänger. Dem Design gelingt es, die traditionelle Eleganz der Marke mit muskulösen Radkästen und bissigen Scheinwerfern zu verschmelzen. Wie sehr Mercedes zwischen Tradition und Aufbruch zerrissen wird, zeigen die grundverschiedenen Styling-Linien, in denen der Mittelklasse Mercedes auf Kundenfang geht. Die jungen und "mutigen" greifen zur "Avantgarde" (großer Stern im Grill), der Markenbewusste Kunde nimmt "Elegance" (Peilstern auf der Haube). Beides natürlich gegen Aufpreis. Wer tief in die Tasche und die Ausstattungskiste greift, kann sich "seine" C-Klasse nach Gusto möblieren. Wer innerlich den Aufbaujahren der Republik verhaftet ist, erfüllt seine Sehnsucht nach Nostalgie mit den altbekannten Tabak-Farben. In so einem Mercedes kann es einem durchaus passieren, dass Beifahrer ausrufen: "Sieht genauso aus wie früher bei meinem Opa." Deutlich markiger geht es mit AMG-Paket und in Anthrazit.

Wohlfühl-Charakter

Während Cheflenker Zetsche in einem fort den Sportcharakter des Wagens betont, nimmt der durch andere Qualitäten für sich ein. In der C-Klasse fühlt man sich erst einmal wohl. Richtig wohl. Der kleine Benz ist eine Limousine, aus der man entspannter aussteigen kann, als man hineingekommen ist. Wo andere Wagen den Fahrer zum Drängeln und Rasen animieren, nimmt sich Modell "C" vornehm zurück. Auch wenn die Klasse außen nicht größer geworden ist, sitzt man in einem Modell, das keine Raumwünsche übrig lässt. Sicher, kein Familientransporter wie ein Mini-Van. Aber wozu braucht man ein Langschiff wie die E-Klasse, denkt man doch, wenn man so gut aufgehoben schon eine Nummer kleiner sitzt. Wie immer könnte man sich etwas mehr Pfiff im Cockpit-Design wünschen. Könnte, denn dafür findet man sich sofort und intuitiv zurecht. Die Dinge, Schalter und Hebel sind eben da, wo sie hingehören. Neu ist ein Navigationsbildschirm, der aus der Mittelkonsole herausgefahren wird und sich bei Nichtbedarf selbständig wieder in sie zurückzieht. Passend zu den Anleihen des Exterieurs an der S-Klasse ist das neue Qualitätsniveau. Verarbeitung und Materialien lassen nichts zu wünschen übrig und müssen sich auch vor einem Audi A6 nicht verstecken.

Motoren kommen später

Unter der Haube tat sich überraschenderweise überhaupt nichts. Der neue Trend der Benzin-Direkteinspritzer findet erst einmal ohne Mercedes statt. Außer Feintuning hat sich an den alten Motoren nichts geändert. Immerhin gibt es eine Ankündigung. Im nächsten Jahr wird ein C 220 Bluetec im Laden stehen. Seine 170 PS in der Schadstoffklasse Euro-6 sollen sich mit nur 5,5 Litern zufrieden geben. Eigentlich schade, passend zur CO2-Diskussion wären gute Schadstoffnews willkommen gewesen. Dafür soll die C-Klasse schon in der Produktion Energie einsparen, berechnet auf die gesamte Lebenszeit würden im Schnitt neun Tonnen weniger CO2 verbraucht als beim Vorgängermodell, so Mercedes. Dafür bietet die Motorenpalette vom Start weg fünf Benziner und drei Dieselaggregate mit Leistungen zwischen 136 PS im C 200 CDI und 272 PS im C 350.

Der Kundenwahn vom "Rallye-Fahren"

Beim Fahren sind die vorhandenen Triebwerke kein Nachteil. Vorgestellt wurde das C-Modell mit den Top-Motorisierungen, ein Mangel an Kraft und Spurtvermögen lässt sich da nicht feststellen. Die perfekte Gewichtsverteilung 52:48 macht das Fahren zum Vergnügen. Sportliche Fahrer können zum "Advanced-Agility" Paket für 1120 Euro greifen. Der Wagen liegt merkbar straffer auf der Straße, der Bodenkontakt ist ausgezeichnet. Wie bei vielen dieser Errungenschaften sollte man nicht vergessen, dass hier Performancegewinne in einem Grenzbereich geschaffen werden, den die meisten Fahrer nicht erkunden. Der Kauf ist einer gefühlten "Formel 1-Tauglichkeit" geschuldet und dient eher dem Ego-Streicheln des Käufers als dem Fahrwerk. Beim Lenkverhalten ist die C-Klasse übrigens eher komfortbetont. Während sich der 3er BMW am messerscharfen Einlenkverhalten von Sportwagen orientiert, bleibt man beim Mercedes im Bereich des Bekannten.

Das Ganze hat seinen Preis. Das Einstiegsmodell Mercedes-Benz C 180 Kompressor kostet 30.000 Euro und bleibt damit auf Vorgängerniveau. Mit einem Opel Vectra lässt sich die C-Klasse hier nicht vergleichen. Dass sich dieser Mercedes, auch ohne AMG-Motor, in schwindelerregende Höhen ausbauen lässt, kann nicht verwunden, denn die Ausstattungsvarianten lassen keine Wünsche offen. Natürlich geht es auch deutlich bescheidener, damit auch die vielgescholtenen Vertreter und Außendienstler zu ihrem Mercedes kommen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.