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Mercedes Benz B-Klasse: Der Reiz des "B"-esonderen

Wer mehr Raum und Variabilität will, wird auch bei der Marke mit dem Stern fündig. Die B-Klasse ist der Mini-Van für die gehobenen Ansprüche. Sie verbindet Prestige mit Praktikabilität.

Von Gernot Kramper

"Sag doch bitte nicht Mini-Van, sag doch Compact Sports Tourer zu mir." Nach langen Jahren reifen Überlegens baut Mercedes Benz nun einen echten Mini-Van und gibt seiner Spätgeburt die innovative Bezeichnung "Sports Tourer" mit auf den Weg. Ein neues Fahrzeugsegment wird damit zwar nicht erfunden, doch der jüngste Spross unter dem Stern hat das Zeug, im angestammten Markt der Konkurrenz zu wildern.

Wäre die B-Klasse für Sie die erste Wahl?

Blechkleid auch für die große Oper

"Hui" macht es schon auf den ersten Blick. Anders als die traditionellen Mini-Vans Touran und Zafira verbreitet der Sports Tourer nicht den hausbackenen Charme des Babybombers. Leidgeprüfte Familienväter wissen es ja: Wenn am freien Abend der Papa mit dem Touran auf die Piste will, braucht er den Ehering gar nicht abzustreifen. Der Wagen sagt alles. Optisch legt die B-Klasse dagegen ein echtes Glanzkleid mit Strass und Rüschen auf. Der Wagen stellt sich stattlich und ausgewachsen hin, wirkt aber nicht zu schwer und beeindruckt durch seine Eleganz. Vorn wölbt sich die gepfeilte Haube sympathisch wie die Nase des Delfins. Den Eindruck einer plumpen Rundung verhindert der geschwungene Übergang in die Faltungen über den Radkästen, von dort an setzt eine ansteigende Schulterlinie den 4,27 Meter langen Wagen optisch in Schwung. Die Trübseligkeit eines geraden Seitenbleches bleibt der B-Klasse erspart. Von vorn betrachtet dominieren die großen Schweinwerfer und der großzügige Grill. Das Gesicht wirkt sympathisch, keine Spur aggressiv, aber auch nicht kindlich-lustig. Im hinteren Abschluss steht der Wagen stramm auf der Straße. Der fatale Eindruck des hochragenden Lastenesels stellt sich nicht. Ein nicht allzu breites Chromband sorgt für den standesgemäßen Abschluss, ohne unnötigen Protz zu signalisieren. Die vielen Schwünge und Falten im Design lassen den Wagen zwar sportlich, aber auch unruhig erscheinen. Zugleich geht dem Entwurf der B-Klasse jede Kühnheit des Gedankens ab, für einen Platz im Design-Handbuch reicht das nicht. Dafür strömt der Duft des Premiumsegments aus jeder Lackpore. Klares Signal: "Ich folge dem Stern, denn ich kann es mir leisten." Die B-Klasse riecht eben nicht nach sauren Windeln, sondern nach Parfüm und Opernnächten.

Reisen auf dem Herrensitz

Der Eintritt in den Wagen ist eine Freude. Die Türen liegen satt und fest im Griff, so wie man es von einem Benz erwarten kann. Gediegenes Anthrazit trägt den Innenraum, durchlaufen von schmalen Chrombändern. Das ist sachlicher Chic, der nicht in den barocken Prunk der Luxusklasse übergeht. Das Design wirkt nicht billig, es hält sich zurück, besticht durch Klarheit und wird auf den ersten Blick verstanden. Außen geht es turbulent zu, innen beruhigt die B-Klasse. Das Lenkrad fühlt sich erstaunlich gut an, die Instrumente sind – wie zu erwarten – klar strukturiert und gut ablesbar. Stramm fassen die Sitze zu, sie geben Halt und Festigkeit auch in Kurvenlagen. Reichlich altbacken wurde die Mittelkonsole genutzt.

Andere Hersteller verbannen die manuelle Handbremse, so gewinnen sie den Rauminhalt eines Reisekoffers. Bei Mercedes sitzt der Bremsgriff in der Mitte, nutzbar bleiben kleine Fächerchen und eine Handy-Schachtel. Ein wahres Raumwunder bietet die B-Klasse dafür auf den Rücksitzen. Die Beinfreiheit dort sucht ihresgleichen. Außerordentlich geschickt wurde die Frage der Variabilität gelöst. Sicher, die B-Klasse ist ein reiner Fünfsitzer, eine dritte Reihe bietet sie nicht. Wer auf "Sperrsitz hinten" verzichten kann, wird mit einer Fülle von klugen Einfällen verwöhnt. Wirklich neu sind Details wie der verstellbare Ladeboden, die umklappbaren Rücklehnen usw. nicht, aber auch nach nur kurzer Probe darf man sagen: Der Daimler weiß, wie man es macht. Alle Verstellbarkeiten sind pfiffig gelöst und gehen leicht von der Hand. Das Ladevolumen beginnt bei 544 Litern und lässt sich auf bis zu 2.245 Liter steigern. Der Ladeboden ist höhenverstellbar, die Rücksitzbank kann sowohl weggeklappt oder komplett ausgebaut werden, ebenso kann man den Beifahrersitz ausbauen. Die maximale Ladelänge beträgt dann stolze 2,95 Meter.

Kleinere oder sportliche Fahrzeuge übertrifft die B-Klasse hier ohne Mühe. Die größeren Mini-Vans bieten allerdings den Vorteil der dritten Reihe und des höheren Lademaßes am Fahrzeugende, wer das nicht braucht, wird Raum nicht vermissen. Am nahesten in Konzept und Raumgefühl kommt der VW-Plus dem Pendant aus Stuttgart. Die B-Klasse bietet hier noch mehr Variabilität, und in manchen Maßen etwas mehr Komfort, aber ein echter Quantensprung in Sachen "Raumnutzen" kann nicht konstatiert werden. Die letzten Endes doch erschreckende Preisdifferenz zum aufgebockten Golf gibt man für Image, Premium-Optik und Komfort aus.

Nicht ohne meine Juke-Box

Als kleines Extra bietet Mercedes den Einbau einer Ipod Schnittstelle an. Einfach einstöpseln, und schon hat man vollen Zugang zur kompletten Musiksammlung, die sich über den Bordcomputer fast wie gewohnt ansteuern und auswählen lässt. Das ist nur ein Detail, jedoch ein zukunftsweisendes, denn die Ära der CD-Sammlungen im Auto und der CD-Wechsler im Koffer geht unwiederbringlich zu Ende.

Komfortables Reisen

Durch den vergleichsweise großen Radstand liegt der Wagen sehr laufruhig und komfortabel auf der Strecke. Die bei so hohen Fahrzeugen gefürchteten Wankbewegungen in Kurven halten sich in fast unmerklichen Grenzen. Auf gerader Bahn dürfte die B-Klasse in Sachen Komfort Bestleistungen in der Klasse einfahren, nur die Windgeräusche ab 140 km/h stören. Zu den Schmankerl des Fahrwerks gehören die elektromechanische Servolenkung und eine neue "sphärische Parabel-Hinterachse". Das ESP beinhaltet einen neuen Lenk-Assistenten "Steer Control". Anders als ein normales ESP stabilisiert dieses System den Wagen nicht allein durch Bremseingriffe, sondern durch eine "angepasste" Servo-Unterstützung der Lenkung.

Ein wirkliches sportliches Fahrzeug ist der so genannte "Sports Tourer" definitiv nicht. "Sports Tourer" bedeutet offenbar, ein Wagen für Menschen mit sportlichem Lebensstil und nicht ein Wagen mit sportlichem Fahrgefühl. In Kurvenlagen hält die B-Klasse eine Menge aus, bloß Spaß macht die Fahrt dann nicht mehr. Im Vergleich zu einem echten Sportler im Segment wie dem A3 Sportsback fährt die B-Klasse in den Pantoffelliga. Mit dem Eindruck des Fahrwerks korrespondieren die Erfahrungen mit den Motoren. Die kleinen Basismotorisierungen stellte Mercedes der Presse nicht vor. So begann der Einstieg mit dem 2-Liter-Benziner. Im Einklang mit der Sieben-Gang-Automatik steckt das Fahrzeug die Leistung von 136 PS locker weg, ohne auch nur den Hauch von Rauschgefühlen zu erzeugen. Der bewährte Motor ist nicht zu tadeln, dennoch fühlt sich Beschleunigung auf der Autobahn subjektiv recht betulich an. Der 220 Cdi greift kerniger zu. Für jemanden, der lange, weite Strecken zurücklegt, sollte es dieser Motor aber schon sein. Brachiale Kraft und schnurrige Drehfreude verspürt man im B 200 Turbo, zusammen mit der exakten Handschaltung bleiben keine Wünsche übrig. Hier stimmt endlich auch der Sound, denn beide anderen Motoren weisen in Sachen Wohlklang nichts Besonders vor. Nur die bloße Kraft unter der Haube allein macht die Sportlichkeit nicht, das ganze Fahrzeug verführt nicht zu allzu dynamische Kurvenfahrten. Das sollte für den Kunden kein Nachteil sein, ein Blick auf die Form reicht aus, um den Charakter zu erkennen, nur sollten potenzielle Käufer nicht auf das Marketingversprechen des "Sports Tourer" hereinfallen. Der Basismotor mit 95 PS kommt auf 21.808 Euro, der Turbo liegt bei 27.840 Euro, für den größeren Diesel werden 27.956 Euro verlangt. Zurzeit kostet der Partikelfilter 545 Euro Aufpreis, ab Sommer gibt es ihn zwar serienmäßig, dafür steigt dann der Grundpreis entsprechend. Ein Preisvergleich zu anderen Fabrikaten macht nur Sinn mit Blick in die entsprechenden Ausstattungslisten. Schon im kleinsten B-Modell gehören Klimaanlage, Reifendruckkontrolle und Multifunktionslenkrad zur Grundausstattung. Wichtige Sicherheitsfeatures wie durchgehende Fensterairbags (261 Euro) und hintere Seitenairbags (388 Euro) kosten ebenso Zuschlag wie das notwendige "Easy-Vario"-Paket. Dass das Automatikgetriebe mit 1705 Euro zu Buche schlägt und für das Bi-Xenon Kurvenlicht 1345 Euro verlangt werden, ist in der Klasse normal. Als Daumenpeilung sollte man - sofern man nicht zur Einstiegsmotorisierung greift - mit einem Endpreis um 30.000 Euro kalkulieren.

Sternenglanz in der Fahrzeugklasse

Insgesamt überzeugt der Mini-Van von Mercedes. Er vermeidet das bräsige Design mancher Mitbewerber, bietet einer Familie reichlich Platz und Raum und bringt die im Segment bekannte Variabilität auf ein neues Niveau. Für harte Rechner, denen das Premium-Image schnuppe ist, lässt sich der Preisabstand etwa zum VW Golf Plus kaum rechtfertigen, und sportive Fahrer bekommen für das gleiche Geld mit dem Audi A3 Sportback ein Fahrzeug, das das Wort "Sport" im Namen auch verdient. Die B-Klasse kann als Plus das Raumkonzept ins Feld führen, eine sehr hochwertige Anmutung und den fraglos höchsten Imagefaktor im Segment. Zwar scheint der Preis nicht billig, aber schaut man zum Tarif des T-Modells der C-Klasse (C 220 CDI für 34.104 Euro mit 150 PS), dann wird einem der Fünf-Sterne-Raum der B-Klasse geradezu zu Stuttgarter Schleuderpreisen angeboten.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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