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Mercedes SL 63 AMG: Bretthartes Hightech-Geschoss

Nicht nur die Sonnenanbeter freuen sich über den aufgefrischten Mercedes SL. Das Aushängeschild der Stuttgarter Produktpalette bietet mit dem SL 63 AMG einen neuen Superstar fürs Wochenende, der auch in der Formel 1 für Furore sorgt.

Der SL 63 AMG ist ein Spaßmacher, dem zwei Personen seinen Stempel aufdrücken. Den Anfang macht als erstes Robert Feiler. Zwar sitzt der Schwabe weder im eleganten Ledervolant, noch drückte er dem Design des 525 PS starken Renners seinen Stempel auf. Doch wer wissen will, wer Robert Feiler ist, muss nicht lange suchen. Sein Name prangt auf der glänzenden Plakette, die das Achtzylindertriebwerk des neuen Mercedes SL 63 AMG ziert. Auch beim neuen Superstar im Hause Mercedes treibt Mercedes die Identifikation mit dem Produkt auf die Spitze. Wer einen Boliden aus Affalterbach kauft, weiß genau, wer mit dem Zusammenbau des Hightech-Triebwerks betraut war. Nicht nur Mercedes soll mit seinem guten Namen bürgen - sondern eben auch Robert Feiler.

Den Namen des zweiten SL-Hauptdarstellers findet man nicht unter der Motorhaube. Formel-1-Fans kennen ihn seit Jahren und beim turbulenten Saisonauftakt von Melbourne hatte Bernd Mayländer bereits alle Hände voll zu tun. Mayländer fährt seit Jahren das Safety Car in der Formel 1 - das heißt, er fährt seit Jahren AMG. Bei Unfällen, Regen oder Gefahr auf der Rennstrecke fängt der deutsche Rennfahrer die Pilotenschar im Gänseschritt wieder ein und setzt so seit Jahren auch die PS-starken AMG-Vehikel in Szene. Die Motorsport-Truppe von Mercedes-Benz ist mit ihren silbernen Rennern seit Jahren erfolgreicher Nebendarsteller in der bekanntesten Rennserie der Welt.

Souveräner Cruiser

Dabei ist die Fahrt im 4,60 Meter langen Safety Car alles andere als ein Schaulaufen. In der Formel 1 Saison 2008 pilotiert der 36-jährige Mayländer ein neues Safety Car, einen scharf gemachten SL 63 AMG. Sein 6,3-Liter-V8-Motor leistet 386 kW / 525 PS und ermöglicht eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 4,4 Sekunden - das Serienmodell braucht 0,2 Sekunden mehr. Eine neue entwickelte Abgasanlage mit größerem Rohrdurchmesser lässt den Hochdrehzahl-Saugmotor ungehemmt atmen. Im Sinne bestmöglicher Standfestigkeit selbst bei heißesten Temperaturen kommen größer dimensionierte und zusätzliche Kühler für Motor- und Getriebeöl, Kühlwasser und die Servolenkung zum Einsatz.

Das beste dabei: Wer es als Fahrer schon nicht in die Formel 1 geschafft hat, kann sich den Mercedes SL 63 AMG auch als Privatier gönnen und so nicht nur alle zwei Wochen am Sonntagmittag auf die Piste gehen. Dabei ist der SL 63 AMG selbst mit dem sportiven Performance Package kein bockelharten Rennwagen. Der SL ist was er zumindest seit der Einführung des SL-Roadsters im Jahre 1957 schon immer war - ein souveräner Cruiser. Dass der mittlerweile über 525 PS und 630 Nm Drehmoment verfügt, nimmt der Fahrer mit Wohlwollen und einer gewissen Gleichgültigkeit zur Kenntnis. Der Schub ist mächtig, der Tatendrang ungestüm. Dass einen das luxuriöse Lederinterieur mit fein konturierten Sitzen und zahlreichen technischen Annehmlichkeiten nie vermuten lässt, in einem Rennwagen zu sitzen, gibt dem ganzen eine lässige Dekadenz. Während sich die Konkurrenz von Audi, Porsche und BMW zunehmend auf Doppelkupplungsgetriebe kapriziert, setzen die Schwaben auf ein neu entwickeltes Automatikgetriebe. Die AMG Speedshift MCT 7-Gang Automatik ermöglicht die Gangwechsel automatisch oder manuellen Modus in bis zu 100 Millisekunden. Kern dieses Motorsportgetriebes ist dabei eine nasse Anfahrkupplung, die in einem Ölbad läuft und den gewöhnlichen Drehmomentwandler ersetzt.

Kein akustischer Poser

Ausgestattet mit vier Fahrprogrammen, bietet das Getriebe Schaltvorgänge ohne größere Zugkraftunterbrechungen. Zudem stehen vier Fahrprogramme mit unterschiedlichen Kennlinien zur Verfügung. In Verbindung mit einem dreistufigen Renn-ESP und einer Hinterachs-Differenzialsperre mit 35 Prozent Sperrwirkung bringt der Kraftprotz seine mächtige Leistung anders als viele andere Mercedes-Boliden souverän auf die Straße. Dabei kann man auf den Einsatz der "Racestart-Funktion" gerne verzichten. Nach überflüssigen Prozeduren soll sie einen echten Rennstart ermöglichen, den man manuell kaum schlechter hinbekommt. Stattdessen hätte sich AMG lieber mit der Aufhebung des Tempobegrenzers befassen sollen. Mercedes-typisch wird der Renner bei 250 km/h eingebremst. Dafür muss man sich keinen SL 63 AMG kaufen. Ohne Abriegelung würde der schnellste Serien-SL über 315 km/h laufen. Wer es zaghaft angehen lässt, dürfte den in Aussicht gestellten Durchschnittsverbrauch von 13,9 Liter Super auf 100 Kilometern Realität werden lassen.

Echte Sportwagenfans, und wohl nur solche werden sich für einen SL 63 AMG entscheiden, werden das Aluminium-Gewindefahrwerk in Verbindung mit dem Wankausgleich Active-Body-Control zu schätzen wissen. Bei aller Sportlichkeit wirkt der Mercedes SL alles andere als angestrengt. Dabei hält sich der sonore Sound aus der Abgasanlage überraschend dezent an. Wer akustisch posen möchte, sollte sich lieber für einen Lamborghini oder Maserati entscheiden. Trotzdem ist der SL 63 AMG keiner, der mit seiner Potenz hinter dem Berg hält. Die große Frontschürze mit mächtigen Kühlluftöffnungen und ein mächtiger Heckdiffusor lassen in Verbindung mit dem 19-Zoll-Schmiederadsatz keine Zweifel am zu erwartenden Kraftfluss aufkommen. An der Vorderachse arbeiten Sechskolben-Festsättel und Scheiben der Größe 390 x 36 Millimeter, an der Hinterachse Vierkolben-Festsättel mit Bremsscheiben der Größe 360 x 26 Millimeter.

220 Kilogramm weniger auf der Waage

Wie schon beim Safety-Car-Vorgänger auf Basis des CLK 63 AMG, bringt der SL 63 AMG durch gezielte Leichtbaumaßnahmen und gezielten Verzicht auf Komfortfeatures weniger Gewicht auf die Waage als sein Pendant aus der Serie. Für eine bestmögliche Rennstrecken-Performance haben die AMG-Spezialisten die Motorhaube, die Front- und Heckschürze, die vorderen Kotflügel sowie den Kofferraumdeckel aus dem Motorsport erprobten Kohlefaser Verbundwerksstoff CFK gefertigt. Im Vergleich zum Serienmodell kann Bernd Mayländer weder auf der Rennstrecke noch bei einem betätigungslosen Rennen wie jüngst in Malaysia das an sich vollelektrische Cabriodach nicht öffnen. Da das Safety Car stets geschlossen gefahren wird, wurde auf sämtliche mechanische und hydraulische Komponenten des Daches verzichtet. Unter dem Strich spart das rund 220 Kilogramm Gewicht, die auch dem alles andere als leichten Serienmodell gut zu Gesicht stehen würden. Der Serien-SL wiegt fast zwei Tonnen - zu viel für einen Roadster.

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass Mercedes dem Straßenrennwagen McLaren SLR noch eine scharf gemachte SL-Version nach Vorbild des Safety Cars als Straßenversion auf die breiten Reifen stellen will. Bis das so weit ist, muss es das mindestens 145.239 Euro teure Serienmodell des SL 63 AMG tun. Immerhin - wer will, kann mit dem 11.305 Euro teuren Performance Package zaghaft aufkeimende Rennsportgefühle befriedigen. Wenn das nicht reicht: Die Formel-1-Saison ist lang - dieses Jahr gibt es 18 Rennen. Viel Arbeit für Bernd Mayländer - für Robert Feiler und seine Kollegen in Affalterbach sowieso.

Stefan Grundhoff; press-inform / press-inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.