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Mille Miglia Käfer: GTI-Urahn

Der Käfer gilt bis heute als automobiles Andenken an das Wirtschaftswunder. Mit kaum mehr als einer Handvoll Pferde im Heck ging es in die Arbeit, zum Baggersee oder über die Alpen. Aber der Käfer konnte auch ganz anders.

Nach dem Zweiten Weltkriegt sorgte der VW Käfer wie kein anderes Automobil dafür, dass Deutschland wieder mobil wurde. Bis 1955 wurden rund eine Million Käfer verkauft, zumeist spärlichst ausgestattet und kaum munterer motorisiert, denn viel mehr als 30 PS waren für den bundesdeutschen Nachkriegshaushalt kaum drin. Doch eine Handvoll Spezialversionen zeigten, dass der Käfer auch ganz anders konnte. Eine technische Symbiose aus VW Käfer und Porsche 356 sorgte Mitte der 50er Jahre insbesondere auf der legendären Mille Miglia für Aufsehen. Mit dem Mille Miglia Käfer präsentierte Volkswagen 1955 den Urahn des heutigen Golf GTI.

Optisch unterschied sich der Mille Miglia Käfer kaum von seinen trägen Alltagsbrüdern. Doch statt der überschaubaren 30 Boxer-PS im Heck brabbelte hier ein kräftiges Porsche-Aggregat mit 1,6 Litern Hubraum, das in den 50er Jahren den Traumsportler 356 befeuerte. Offiziell sollten die wenigen in Handarbeit erstellten Mille Miglia Käfer 75 PS Leistung haben. Doch wer von einem dieser unscheinbaren Kraftmeier einmal bergauf stehen gelassen wurde weiß, dass es gerne ein paar Pferde mehr waren, die an der Hinterachse trampelten. Irgendetwas zwischen 80 und 90 PS Maximalleistung bedeuteten, dass knapp dreimal Leistung zur Verfügung stand, wie bei den sympathisch dahintuckernden Wirtschaftswundern, die Tag für Tag über die deutschen Straßen krabbelten.

Bei der Mille Miglia reichte auch die zusätzliche Motorleistung angesichts der Konkurrenz von Mercedes 300 SLR, Alfa Romeo 8C Monza oder Ferrari 340 nicht zu einem Gesamtsieg oder zu einem der vorderen Plätze auf dem 1.600 Kilometer langen Straßenrennen durch Italien. Doch auf den kurvigen Passagen der Pässe Futa oder Raticosa konnte der Mille Miglia Käfer seine Stärken ebenso ausspielen wie bei den gefährlichen Stadtdurchfahrten. Auf den nicht enden wollenden Hochgeschwindigkeitspassagen in der Po-Ebene oder nördlich von Rom sah es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h allerdings düster aus. Die besten Konkurrenten schafften mit Piloten wie Stirling Moss oder Alberto Ascari am Steuer knapp 300 km/h. So reichte es für die Mille Miglia Käfer immerhin für ein paar Klassensiege und man ließ mit üppiger Leistung und bulligem Sound verdutzte Käfer-Zuschauer am Wegesrand zurück.

Am Steuer fährt sich der Mille Miglia Käfer wie ein ganz normaler Käfer. Die Instrumentierung ist dünn, das weiße Bakelit-Steuer spindeldürr und auch sonst deutet abgesehen von den beiden Aluminiumsitzschalen aus dem Porsche 550 Spyder nicht viel auf die Motorsportambitionen hin. Die windigen Wischer kann man sich bei Regen getrost sparen und die Scheinwerfer spenden trotz Zusatzleuchten kaum wertvolles Licht für die damaligen Nachtetappen auf der Mille. Rücksicht wurde durch winzige Innen- und Außensiegel nicht gerade groß geschrieben. Durch den Verbau des 356er-Innenlebens ins Heck des Wolfsburgers gab es Dank Doppelvergaser die grandiose Leistungsspritze auf knapp 90 PS. Demzufolge waren die Endrohre der ein- bzw. zweiflutigen Auspuffanlagen deutlich üppiger als beim Serienkäfer dimensioniert. Zusätzliche Lüftungsschlitze am Heck sorgten für dringend benötigte Abluft.

Während Fahrwerk und Bremsen für den italienischen Renneinsatz nachgeschärft wurden, blieb die schwammige Lenkung des Käfers abgesehen von den etwas breiteren Pneus so, wie sie war. Durch das Heckmotorkonstrukt bringt der Ur-GTI seine Leistung auch heute noch grandios auf die Straße. Der Mille Miglia Käfer mag es gerne einen Hauch rutschig, dann dreht das Heck bei Kehren besonders willig ein. Die Viergangschaltung mit dem unsynchronisierten ersten Gang hat wenig sportliches und verlangt bisweilen nach einer festen Führung. Im Fahrbetrieb erledigen die Gangstufen zwei und drei den meisten Teil der Arbeit. Im vierten Gang hat der 1,6 Liter große Vierzylinder nichts mehr zuzusetzen. Hier wird bei schnellem Tempo nur noch gerollt. Hier unterscheidet sich das Mille-Miglia-Modell nicht von seinem Millionen von Käfer-Brüdern.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.