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Opel Astra: Der Golfschläger

Seit Jahren muss sich der Opel Astra am Segmentführer VW Golf messen lassen. Warum sollte es dieses Mal anders sein?

Von Michael Specht

Diesen Triumph wollte sich Opel-Chef Hans Demant wahrlich nicht nehmen lassen. Als auf der Frankfurter IAA der VW-Konzernboss Martin Winterkorn mit seinen Entwicklern auf dem Opel-Stand auftauchte, zeigte ihm Demant nicht nur den brandneuen Golf-Gegner Astra, sondern erklärte ihm gleich auch dessen neue Hinterachse. Optisch ein eher simples Teil, technisch aber ein Wunderwerk. Damit soll der Astra so sicher, so leise und so komfortabel fahren wie nie zuvor. Was Winterkorn jedoch ärgerte, dass das Ding ein Drittel günstiger in der Herstellung ist als die aufwendig konstruierte und keinesfalls bessere Multi-Link-Achse im Golf. Die VW-Truppe zog ab. Was die Ingenieure von ihrem Chef hinterher zu hören bekamen, ist nicht überliefert.

Klassenbester im Verbrauch

Doch nicht nur in der Fahrwerksdisziplin versuchen die Rüsselsheimer, ihren Erzrivalen aus Wolfsburg zu schlagen. Auch bei der Qualität, dem Raumangebot, der Variabilität, der Wirtschaftlichkeit und natürlich beim Verbrauch will man Klassenbester sein. Selbstbewusst behauptet Opel, man habe die verbrauchsgünstigste Motorenfamilie im gesamten Kompaktsegment. Gegenüber dem Vorgängermodell seien in Summe zwölf Prozent eingespart worden. Wie Volkswagen setzt Opel beim Antrieb konsequent auf Hubraumverkleinerung in Verbindung mit Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung. Bislang gibt hier der Golf 1.4 TSI den Ton an, verbraucht bei 160 PS im Durchschnitt 6,3 Liter. Ein respektabler Wert.

Die Opel-Ingenieure schienen allerdings noch ein paar mehr Tricks drauf zu haben. Der neu entwickelte 1,4-Liter-Turbomotor mit 140 PS (ab 19.075 Euro) kommt auf nur 5,9 Liter, die schwächere 100-PS-Variante schafft gar 5,5 Liter pro 100 Kilometer. Und dies trotz größerer Karosserieabmessungen (Der Astra ist mit 4,42 Meter 22 Zentimeter länger als der Golf). In einem ersten Fahrtest zeigte sich der kleine Vierzylinder erstaunlich leise und geschmeidig, hing gut am Gas und ließ nie das Gefühl aufkommen, mit zu wenig Hubraum unterwegs zu sein. "Der Motor verkörpert unsere Downsizing-Strategie, er ersetzt den 1,8-Liter-Saugmotor, leistet 15 Prozent mehr Drehmoment und verbraucht 18 Prozent weniger", sagt Opels Performance Manager Peter König.

EcoFlex mit 109 Gramm CO2

Zum Marktstart am 6. Dezember schicken die Rüsselsheimer ihren Astra mit acht Motoren ins Rennen. Die Palette umfasst vier Benziner von 100 bis 180 PS und vier Diesel von 95 bis 160 PS. Alle erfüllen die Abgasnorm Euro 5. Eine Benziner-Einstiegsversion (ab 15 900 Euro) mit 87 PS soll Anfang nächsten Jahres folgen. Meist verkaufter Diesel wird laut Opel der 1.7 CDTI mit 125 PS (ab 22 990 Euro) und einem Verbrauch von nur 4,7 Liter je 100 Kilometer. Auch eine auf Sparsamkeit getrimmte Variante, genannt EcoFlex (ab 19 390 Euro), hat man im Angebot. Sie soll mit 95 PS gar 4,2 Liter erreichen, was einem CO2-Ausstoß von 109 g/km entspricht. Dass dieser 1.3-CDTI-Öko-Astra nicht die 99 Gramm des Golf TDI BlueMotion unterbietet, stört Hans Demant herzlich wenig. "Wir legen den Fokus auf bezahlbare Technik und große Stückzahlen. Sie helfen der Umwelt nicht, wenn sie homöopathisch einige Sparmodelle verkaufen", sagt der Opel-Chef und beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen gleich im Voraus: "Auch wir arbeiten am Doppelkupplungsgetriebe, auch wir werden demnächst das Start-Stopp-System anbieten."

Qualität auf Golf-Niveau

Fuhr Opel bislang beim Thema Innenraum dem Golf um einige Wagenlängen hinterher, zieht der neue Astra nahezu gleich. Man zog alle Register und rüstete seinen zukünftigen Bestseller mit einem Cockpit aus, das in dieser Qualität in manchen Mittelklassemodellen nicht zu finden ist. Hinzu kommt eine rekordverdächtige Anzahl von Ablagen. 400 Autofahrer befragte Opel, was sie wo im Wagen am liebsten verstauen. "Wir haben nicht erst einen Innenraum gebaut und dann die übrig gebliebenen Öffnungen zu Ablagen umfunktioniert, sondern sie von Anfang an mit berücksichtigt", sagt Designer Uwe Müller. Drei Cupholder mit darunter liegendem Geheimfach stecken in der Mittelkonsole. Eine dicke 1,5 Liter Colabuttel passt jeweils in die Tür. Die Schublade unter dem Beifahrersitz schluckt Bücher und selbst den gute alten Straßenatlas. Vor dem Schalthebel befindet sich ein Fach für Kleinkram oder das Handy. Dort sitzt auch der Anschluss für einen iPod. Im 380 Liter großen Kofferraum (plus 30 Liter gegenüber dem Vorgänger) gibt es einen in drei Höhen verstellbaren Ladeboden. Die Getränkekisten müssen also nicht über eine Kante gewuchtet werden. Liegen die Rücksitzlehnen flach, passen bis zu 1235 Liter ins Heck des Astra. Auf längst verschiebbare Rücksitze wurde aus Kostengründen verzichtet. Kunden, die diese Art von Variabilität brauchen, kaufen Zafira, sagt Opel.

Sitze so gut wie in der S-Klasse

Dafür war man um so spendabler bei den Vordersitzen, dem teuerste Einzelposten in dieser Fahrzeugklasse. "Eine gute Sitzanlage macht im Einkauf rund zehn Prozent der Gesamtkosten aus", sagt Sitz-Entwickler Andrew Leuchtmann. Die Astra-Sessel (500 Euro Aufpreis) bieten nicht nur den weitesten Verstellbereich im Segment, sondern sind auch aufgrund ihres hohen Komforts von der "Aktion Gesunder Rücken" prämiert worden. Drei Sitze haben bisher diese Auszeichnung erhalten - zwei Preise gingen an Opel (Insignia und Astra), einer an die Mercedes S-Klasse.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.