Opel Zafira 2.2 DTI Mit dem Kino auf die Autobahn


Auch wenn man es in Wolfsburg gar nicht gerne hört - über die Errungenschaften eines VW Touran kann Opels Zafira-Kundschaft nur müde lächeln. Erst recht, nachdem die Rüsselsheimer Autobauer ihren Kompaktvan noch einmal geliftet haben.

Auch wenn man es in Wolfsburg gar nicht gerne hört - über die Errungenschaften eines VW Touran kann Opels Zafira-Kundschaft nur müde lächeln. Erst recht, nachdem die Rüsselsheimer Autobauer ihren Kompaktvan noch einmal geliftet haben. Wir waren mit dem variablen Opel unterwegs.

Film ab

Bisher war der Beifahrersitz eines Testwagens schwer umkämpft. Ledersitze, Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung, Navigationssystem und CD-Wechsel sorgten mit tausend Knöpfen und bunten Displays für Kurzweil. Errungenschaften, mit denen auch unser Test-Zafira gesegnet war und doch zog es Mitfahrer immer wieder auf die hinteren Sitzplätze. Nicht, dass man als 1,90-Meter-Lulatsch auf dem Fond-Gestühl perfekt untergebracht wäre - es lockte die Technik. Und da sich Männer bekanntlich nur durch die Größe ihres Spielzeuges von Jungs unterscheiden, waren es nicht nur jugendliche Gemüter, die den Platz neben dem Fahrer gegen eine Unterbringung in Sichtweite des DVD-Players tauschten.

"Auto Vision" nennt sich das DVD-System, mit dem Opel-Kunden ihren fahrbaren Untersatz zum rollenden Kino ausbauen können. In einem kleinen Plastik-Höcker ist alles untergebracht, was der DVD-Fan von heute so braucht. Eine tolle Sache, vor allem wenn man auf langen Strecken sämtliche Kinderbücher und Hörspielkassetten verschlissen hat. Kopfhörer auf, Harry-Potter-DVD rein, Display herunterklappen und schon sind die Zwerge versorgt. Schade nur, dass man als Fahrer so gar nichts davon mitbekommt.

Dezent überarbeitetes Blechkleid

Abgesehen vom 1.990 Euro teuren "Kinderruhigsteller" hat der Zafira noch andere Qualitäten. So bescherte das jüngste Facelift dem kompakten Opel einen neuen Kühlergrill (jetzt mit dicker Chrom-Umrandung) und Rückleuchten mit schicken weißen Blinkern. Der Rest des Blechkleids durfte bleiben wie bisher. Das gilt leider auch für die in Crashtests immer wieder bemängelten Klapp-Türgriffe. An dieser Stelle hatten die Opel-Entwickler die sportliche Optik ruhig für stabile Griffbügel aufs Spiel setzen können. Ansonsten waren Experimente alles andere als angebracht. Die Mischung aus dynamischer Linienführung und geduldigem Lastesel funktioniert. Praktisch jeder dritte verkaufte Kompaktvan ist ein Zafira.

Obwohl der Zafira wahrlich kein Aufreger ist, bringt man ihm schnell Sympathien entgegen. Große Scheinwerfer und Fensterflächen, überschaubare Ausmaße und die fast schon kombihafte Linienführung - irgendwie tut man sich leicht, dem Rüsselsheimer seine Familie und/oder ähnliches „Gepäck“ anzuvertrauen.

Opel Zafira 2.2 DTI

Motor

Vierzylinder Turbodiesel-Direkteinspritzer

Leistung

125 PS / 92 kW

Max. Drehmoment

280 Newtonmeter

Getriebe

Fünfgang-Schaltgetriebe

Bremsen

Scheibenbremsen rundum, ABS serienmäßig

Höchstgeschw.

187 km/h

0-100 km/h

11,5 Sekunden

Durchschnittsverbr.

6,9 Liter (Werksangabe)

Grundpreis

20.205 Euro

Angestaubtes Interieur

Mit der recht frischen Außenhaut kann das Zafira-Innenleben nicht ganz mithalten. Hier wird deutlich, dass der kompakte Rüsselsheimer doch schon fast vier Jahre auf dem Buckel hat. Die Gestaltung des Innenraumes wirkt im Vergleich zum Rest-Auto etwas angestaubt. Zumal das Design aus der Zeit stammt, die Opel fast in den Ruin gerissen hätte. So sind die verwendeten Materialien zwar allesamt ganz ansprechend verarbeitet, werden aber der hochwertigen Ausstattung nicht gerecht. Vor allem der Kunststoff im Bereich der Mittelkonsole fühlt sich gruselig an.

Material-Qual

Bis zum Facelift hatten Zafira-Kunden die Wahl zwischen genau zwei Armaturenbrett-Farben: schwarz und schwarz. Inzwischen erstrahlt wenigstens die Mittelkonsole entweder in "Charcoal Metallic" (Anthrazit) oder Mattchrom-Dekor. Für welche Kombination man sich auch entscheidet - schöner wird der Arbeitsplatz des Piloten dadurch kaum. In beiden Fällen wirkt die farbige Blende wie ein Fremdkörper. Beinahe tadellos dagegen die Bedienbarkeit. Knöpfe und Schalter sind zwar nicht unbedingt hübsch, aber immerhin genau dort, wo man sie haben möchte. Probleme bereitete uns die hohe Sitzposition in Verbindung mit der optionalen Armlehne. Wer den rechten Arm gerne ablegt, hat große Probleme, Schaltknüppel und Handbremse zu bedienen. Beide liegen im Verhältnis zur Armlehne zu tief und werden teilweise durch sie verdeckt. Unbedingt investieren sollte man die 345 Euro Aufpreis für Sportsitze. Vor allem mit den stärkeren Triebwerken lässt sich der Zafira erstaunlich sportlich bewegen - da ist man für die hohen Seitenflanken der Sitze echt dankbar.

Sieben auf einen Streich

Nach wie vor unerreicht: die Flexibilität der Zafira-Sitze. Mit den beiden im Unterboden verschwindenden Einzelsitzen hat Opel eine Bestmarke gesetzt, die nach und nach von der Konkurrenz mühsam kopiert wird. Viele Mamas und Papas kennen das Problem: Der Nachwuchs muss zu einer Sportveranstaltung und möglichst viele der Freunde sollen mit. Mit dem Zafira kein Problem. Flugs die dritte Sitzreihe entfaltet und schon sind fünf Minis sicher verstaut. Oder der Super-Gau Umzug: Dritte Sitzreihe einklappen, zweite Sitzreihe zusammenfalten und ganz nach vorne schieben - schon warten 1.700 Liter Laderaum auf Kundschaft. Dabei überzeugt vor allem die simple Bedienung. Große Kunstgriffe oder Verrenkungen sind völlig unnötig - ein kleines Hebelchen hier, ein Druckknopf da. Alles kein Problem. Schade nur, dass man die zweite Sitzreihe immer erst ganz nach vorne fahren muss, um einen der beiden hinteren Einzelsitze entfalten zu können. Aber man kann ja nicht alles haben.

Dafür wurden im Zuge der jüngsten Frischzellenkur Kleinigkeiten verbessert. So ist die Rückbank nun im Verhältnis 40:20:40 teilbar und die Neigung der Rückenlehnen um bis zu sechs Grad variabel. Außerdem kann der mittlere Teil der Rückenlehnen nun komplett nach vorne geklappt werden. Das schafft Platz für lange Gepäckstücke oder die Ellenbogen der beiden hinteren Passagiere.

Herzlicher Diesel

An Motorisierungen herrscht inzwischen kein Mangel mehr. Vom 1,6-Liter Motörchen bis hin zum Erdgas-Triebwerk ist alles zu haben. Wir waren mit dem 125 PS starken Top-Diesel unterwegs. Dabei hinterließ der nicht mehr ganz so taufrische Selbstzünder ein kerniges, aber durchaus herzliches Bild. Nach dem Start recht brummelig, gingen die vier Zylinder im Fahrbetrieb ihrer Arbeit recht geräuscharm nach. Lediglich im Leerlauf an der Ampel machte sich der Diesel durch Vibrationen im Innenraum bemerkbar.

Feuer frei

Ansonsten stellten die 1.550 Kilo Zafira für die 280 Newtonmeter Kraft des Triebwerks nicht wirklich eine Herausforderung dar. Mit genügend Drehzahl versorgt, geht mit dem Zafira auch auf der Landstraße die Post ab. Fahrwerk, Bremsen und Servolenkung geben sich kaum eine Blöße. Selbst rüde ignorierte Kurven verkraftet der Zafira spröde untersteuernd. Wer es wirklich darauf anlegt, kommt unter Umständen mal in den Genuss eines quietschenden Reifens. Größeren Ausritten schiebt der Schleuderverhinderer ESP wild blinkend einen Riegel vor. Dennoch ein Tipp zur Erhaltung des Hausfriedens: Testen Sie die Grenzen des Zafira-Fahrwerks bitte ohne Familienanhang.

Säufer

Übrigens gilt Ähnliches auch für die Fahrt zur Tankstelle. Nach den üblichen Test-Schindereien mit viel Autobahn und ausgiebigen City-Touren verkündete unser Bordcomputer einen stolzen Durchschnittsverbrauch von 8,6 Litern auf 100 Kilometern. Da verkrampft die Geldhand und grinst der Tankwart.

Fazit

Der Zafira war seiner Konkurrenz schon immer um Lichtjahre voraus. Während man sich bei VW und Co. so langsam daran macht, diesen Vorsprung aufzuholen, haben die Rüsselheimer ihren Bestseller dezent weiterentwickelt. Ganz so perfekt, wie Opel es in der Pressemitteilung verkündet, ist der Zafira natürlich nicht. Dafür sind Materialwahl, Verarbeitung und Verbrauch einfach noch nicht beständig genug. Für eine Grundpreis von 20.205 Euro muss man jedoch lange suchen, um ein ähnlich überzeugendes Gesamtpaket zu bekommen.

Jochen Knecht

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker