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Opel Zafira: Der Verjüngungsblitz

Nie war es schicker Zafira zu fahren. Die neue Generation behält den Nutzen, erobert die Qualität und macht viel Spaß beim Fahren. Mit dem neuen Zafira schickt das Opel-Werk Bochum das richtige Signal an die Kunden.

Von Gernot Kramper

Mit der Geburt des Zafira vor sechs Jahren erlebte Opel eine der damals so seltenen Sternstunden. Der Zafira war der erste siebensitzige Kompaktvan eines deutschen Herstellers. Vielleicht nicht das aufregendste Auto, aber eines, das mit Pfiff und Intelligenz konstruiert worden war. Die Belohnung waren mehr als 1,4 Millionen gebaute Exemplare. Anfang Juli will der neue Zafira die Phalanx der Herausforderer vom VW Touran bis zur neuen B-Klasse aufmischen.

Mach doch mal auf Astra

Durch den größeren Radstand wachsen Innenraum und Ladevolumen, der beachtliche Längenzuwachs von 110 mm kommt dagegen der Optik und den Fußgängern zu Gute. Das Plus verschwindet in Haube und Nase und dient vornehmlich dem Aufprallschutz. Neue Richtlinien werden übrigens überall das Gesicht der Fahrzeuge verändern. Kurz gesagt, wird jedem Wagen in Zukunft eine Art Knautschzone zwischen Außenblech und "hartem" Innenleben abverlangt. Das bedeutet mindestens 80 Millimeter mehr Länge, einen deutlich größeren Überhang vorn und wird vermutlich zu einer Generation der Nasenbären führen. Dem Zafira bekommt die optisch Streckbank sehr gut. Nun ähnelt seine Silhouette einem hoch gewachsenen Kombi. Der klassische, knuffelige Kastenlook mit der rundlichen Stupsnase ist dahin. Dafür braust der neue Zafira eleganter und sportlicher vorüber, die primäre Assoziation mit dem Begriff "Pampersbomber" entfällt. Auch an den Details wurde gearbeitet, die Schulterlinie fällt nach hinten elegant ab, die Radkästen modellieren die Seitenflächen dezent. Vorne besorgen die opeltypische Bügelfalte auf der Haube, der doppelte Grill und die dreidimensional gestalteten Scheinwerfer einen erwachsenen Auftritt. Hinten ist der alte Lastkastenlook der Klappe ebenfalls verschwunden, der für Opel typische Chromgürtel signalisiert Wertigkeit und betont die Horizontale.

Mehr Wert zum Anfassen

Innen fällt der Zuwachs an Wertigkeit auf. Die Materialen fassen sich deutlich besser und fester an. Die Sitzpolster sind elegant und solide. Man erkennt, hier hat Opel einen großen Schritt in die richtige Richtung getan und das Stammland der herzlosen Lieblosigkeit verlassen. Das Flex7-Sitzsystem, bei dem die dritte Sitzreihe einfach im Boden versenkt wird, konnte einst den Ruhm des Zafiras begründen. Es ist nach wie vor State of the Art, außer Detailarbeit hat sich hier nichts Wesentliches getan. Ohne Aufpreis werden übrigens alle Modelle mit diesem System ausgestattet, mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Zafira vom Sieben- bis hin zum Zweisitzer. Bei sieben Passagieren schrumpft der Kofferraum allerdings auf übersichtliche 140 Liter, das reicht nur für Bordgepäck. Sechs Passagieren, davon einer in der einzeln aufstellbaren dritten Reihe, steht noch praxisgerechter Laderaum zur Verfügung. Beim Fünfsitzer sind es sogar 645 Liter. Der Maximalwert liegt bei 1.820 Litern. Ganz ohne Aufpreis-Orgien ist diese Flexibilität nach wie vor sensationell. Nette Überraschungen des Innenraums stecken im Detail, etwa in der bügelförmig geformten Handbremse die nun Platz für Ablagen lässt. Ohne das optionale Panoramadach mit zusätzlichen Schächtelchen bietet der Wagen für einen Familienbegleiter allerdings erstaunlich wenig Ablagen. Die Möglichkeit, ganze Flaschen aufzustellen, gibt es gar nicht. Trotz der Entwicklung in Verarbeitung und Design sollten die Sitze weiterhin eher Stühle heißen, man sitzt sehr aufrecht mit geringer Länge für die Schenkelauflage. Mit dem optionalen Panoramadach stellt Opel eine ganz neue Lösung für den Wagenhimmel vor. Die vier Scheiben befinden sich über den Köpfen der Passagiere in Reihe eins und zwei, dazwischen liegt ein Tunnel, in dem großzügige Ablagen integriert wurden. Außen zieht sich der Staukanal als Irokesenkamm über das Fahrzeugdach, ein freches Signal. Die zerklüfteten Scheiben reichen jedoch nicht aus, den Innenraum dem Himmel näher zu bringen. Ein jauchzendes Gefühl unter Wolken und Sonne wie in Peugeots 407 SW stellt sich leider nicht ein.

Keine Angst vor heißen Kurven

Mit dem optionalen IDS Plus Sportfahrwerk (615 Euro) fährt der Familienwagen zu Bestleistungen auf. Ob schlechte Decken, unebene Fahrbahnen oder rasante Kurven, die elektronische Dämpferverstellung hilft dem Zafira die Begrenzungen seiner Klasse abzuschütteln. Die Neuentwicklung stellt nicht nur den Vorgänger in jeder Beziehung in den Schatten, sondern kann sich mit jedem Mitbewerber in der Klasse messen, auch mit dem jüngsten Mercedes-Spross, der B-Klasse. Sportliche Fahrer, die sich nur wegen der Familie einen Zafira angeschaffen müssen, sollten sich diese Mehrausgabe gönnen. Eine Basismotorisierung, die auf der Strecke vom Tennisclub zum Büro bewegt wird, kann diesen Dienst natürlich auch ohne Sonderfahrwerk leisten.

Rasende Kindertransporter

Mit dem 120 PS starken Diesel wird der Wagen so anständig motorisiert, dass man vermuten kann, dass er auch damit dem kleinsten Diesel noch alle Bedürfnisse anständig erfüllt. Der größere Diesel liefert noch mehr Biss, sein Plus macht Spaß, ist aber nicht wirklich notwendig. "Unnötig" - dieses Verdikt gilt umso mehr für Varianten wie den vorgestellten 200 Turbo-Benziner, der den Kindertransporter zum Sportwagen macht. Dem PS-Unfug wird Opel im Herbst die Krone aufsetzen, dann kracht der OEPC Zafira, 240 PS stark und 231 km/h schnell, über die Autobahn. Gar nicht unsinnig ist dagegen Opels Entscheidung, alle Diesel serienmäßig mit Partikelfilter auszustatten.

Ziemlich komplett

Der günstigste Zafira (105-PS-Benziner) startet bei 19.990 Euro. Dafür gibt es immerhin: Sechs Airbags, ABS, ESP, elektrische, beheizte Außenspiegel, einen Tempomaten, die zweifach verstellbare Lenksäule, eine Servolenkung, die Zentralverriegelung, eine Wärmeschutzverglasung und das komplette Flex-7-Sitzsystem. Das vierteilige Panoramaglasdach mit Dachablagefächern kommt auf 1.200 Euro. Zum empfehlen ist zumindest die zweite Ausstattungslinie "Edition", für 1.700 Euro plus gibt es eine Klimaanlage, ein Radio mit CD-Teil und eine ausziehbare Gepäckraumabdeckung. Die "höchste" Ausstattungslinie "Cosmo" macht innen optisch sehr viel mehr her. Neben Alufelgen, Sportsitzen und Lederlenkrad gehört auch das Panoramadach zum Päckchen, der Abstand zur Grundausstattung beträgt dann immerhin bereits 4.750 Euro. 24.795 Euro kostet der 120 PS Diesel in der "Edition"-Ausstattung ohne Panoramadach und Alufelgen.

Vorbei das harte Brot der kargen Jahre

Endlich macht es Spaß Zafira zu fahren. In Sachen Ratio hat der Wagen nichts verloren, dafür aber mächtig an Glanz und Gefühl gewonnen. Nun kann man sich auch mit ihm sehen. Erfolg hat der neue Zafira fraglos verdient, und das Werk Bochum könnte ihn brauchen. Insbesondere die gestiegene Verarbeitungsqualität könnte Kunden für die Marke gewinnen, die bisher einen weiten Bogen um die Fahrzeuge mit dem Blitz gemacht haben. Eine Probefahrt sollte der neue Zafira jedem Minivan-Interessierten wert sein.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.