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Passat Variant: Der Chromprinz

Den ganzen Prunk fürs halbe Geld. Üppige Platzverhältnisse bot der Passat schon immer an, doch niemals soviel Prestige. Neben der edlen Optik überzeugt der Variant durch Lauf- und Langstreckenkomfort auch für die Fondpassagiere.

Von Gernot Kramper

Einst wurde die "Generation Golf" besungen. Das Buch handelte von denen, die in ihrer Jugend das Wolfsburger Allzweckmobil lenkten. Böse gesagt, ein Buch über Männer ohne Eigenschaften im Auto ohne Eigenschaften. Diejenigen aber, die Autobahn und Fernreisen mit platt gedrückter Nase vom Rücksitz aus erkundeten, gehören zur "Generation Passat", genau genommen zur "Generation Passat Variant". Umgeben von Billy-Regalen, gezeugt in Betten mit unaussprechlichen skandinavischen Namen, eröffnete sich ihnen die Welt in "dem" Familienwagen, dem Passat Variant eben.

Passat Variant: Macht er Ihre Kombiträume wahr?

In die familiäre Allzweckwaffe passte schon immer eine halbe Wohnungseinrichtung hinein. Legendär die Ladetiefe, sie erlaubte es bei umgelegter Rückbank und entsprechender Unterlage in Papas Kombi zu übernachten. Manche Festival-Nacht wurde so zwar nicht ganz schmerzfrei, aber trocken überstanden. Selige Erinnerung, für die Zukunft sieht es da eher düster aus. Für ein Wochenende in Schlamm, Krach und Glück wirkt der neue Passat Variant viel zu wertvoll. "Ich habe es geschafft" - Dieser Gedanke gesättigter Zufriedenheit beseelt einen jetzt, wenn man Frau und Kind vor dem Eigenheim in den neuen Statusbomber aus Wolfsburg geladen hat. Früher in den Urtagen erforderte das Kombi-Image den Blaumann, heute sollte es zumindest "Casual" in gehobener Qualität sein.

Glanz aus dem Oberhaus

Volkswagen hat den Kombi nicht erfunden, mit dem Passat dieses Segment aber geprägt. Früher gelang das Kunststück, regelmäßig einen gut aussehenden Variant zu bauen, neben dem die entsprechende Limousine wie ein gerupftes Huhn wirkte. Die Zeiten sind vorbei, die neue Limousine verbreitet den Ruch gehobenen Wohlstandes, aber den deutschen Markt wird der Kombi dominieren. Zu Recht, niemals verpackte VW seinen Lademeister anständiger. Die Frontansicht entspricht der Limousine und das ist gut so. Zurückhaltende Eleganz paart sich mit einem kräftigen Auftritt. Die Linien fließen ausgewogen über die Seiten, die Karosserie wirkt stilvoll geglättet, allzu auffällige Schwingungen versagte sich die Design-Abteilung. Die Gestaltung der seitlichen Scheiben suggeriert einen flotten Keil. Dachhöhe und Fahrzeugquerschnitt geben zum Abschluss kaum nach, so bleibt die Ladefreude ungeschmälert. Anders als manche aufgepeppte Lifestyle-Kombis vereinigt der Passat gutes Aussehen mit vollem Nutzwert. Zentrale Voraussetzung, um Erfolg im Dienstwagensegment und bei Familien haben zu können.

Passatlein streck dich

Natürlich ist der Passat gewachsen. Das Längenwachstum von neun Zentimetern kommt dem Fußgängerschutz zu Gute. In der Breite beträgt das Plus sieben Zentimeter, in der Höhe 1,5 Zentimeter. Das reicht für opulente Sitzverhältnisse und einen Laderaum, der sich von 603 Liter auf maximal 1731 Liter vergrößern lässt. Eine verschiebbare Rückbank, die je nach Bedarf mehr Platz im Kofferraum oder im Fond schaffen könnte, gibt es nicht. Schade, Wagen wie der Opel Astra Kombi produzieren mit diesem Trick fürstliche Sitzplätze schon bei kleineren Dimensionen. Im Passat Variant sind die Räumlichkeiten allerdings ohne variable Rückbank mehr als ausreichend, insoweit kann man auf dieses Feature verzichten. Auch eine separat zu öffnende Heckscheibe ist nicht an Bord, auf die Innovationen des Kombisegments wurde also verzichtet.

Dafür lässt sich in der "Comfort"-Ausstattung der Beifahrersitz umlegen, dann passen Güter von bis zu 2,90 Meter Länge hinein, sonst ist bei 1,96 Meter Schluss. Durch das fehlende Reserverad wird weiterer Laderaum von 90 Litern gewonnen, in dem sich bequem "Dauergäste" wie Gummistiefel und Regenschirm verstauen lassen. Praktisch ist das aufpreispflichtige Gepäckraum-Management zum rutschsicheren Verstauen des Gepäcks.

Die Kunst, stilvoll Geld zu sparen

Das Beste am Variant ist auch der Hauptvorzug der Limousine. Der Passat macht bereits in der Einfach-Variante eine Menge her. Die meistverkaufte Ausstattungslinie wird - wie immer - die zweite ("Comfortline") sein, aber auch in der Trendversion mutiert der Wagen nicht zum Lademeister mit Arme-Leute-Image. Verantwortlich dafür ist die äußere Gestalt, soviel Luxus signalisierte ein Passat noch nie. Insbesondere mit der Extra-Portion Chrom verbreitet der Wagen die Aura eines "Wir haben es geschafft". Auch innen wirken die Kunststoffe nicht billig, sondern solide, mit zurückhaltender Gestaltung. Teure Ausstattungspakete verwandeln den Innenraum ins gehobene Ambiente, aber - wie gesagt - die Basisvariante reicht vollkommen aus.

So prunkt man gern

Mit diesem Wagen könnte man dann und wann ein echtes "Geiz ist geil"-Erlebnis haben. Immer dann nämlich, wenn der Passat Variant neben den Platzhirschen der gehobenen Mittelklasse parkt. Von außen dürfte man die Preisdifferenz von über 10.000 Euro nicht bemerken können. Beim einfachen "Trend" sind immerhin sechs Airbags, ESP. Zentralverriegelung, elektrische Servolenkung, elektrische Fensterheber vorne, eine halbautomatische Klimaanlage und die Dachreling mit von der Partie. Noch vor wenigen Jahren waren davon bei vielen Fahrzeugen Klimaanlage, Dachreling und ESP aufpreispflichtig. Volkswagen hat den Geist der Zeit erkannt, bei allen Neuerungen des Jahres ob Golf Plus, Fox oder Polo gibt es eindeutig mehr Nutzen und Auto für den Euro. Wer richtig Geld ins darbende Wolfsburg schicken möchte, kann bei den Zutaten aus der Oberklasse zupacken. Kurvenlicht, Regensensor, elektrisch zu bedienende Heckklappe, Geschwindigkeitsregelanlage, ein neues Schließ- und Startsystem, automatische Niveauregulierung und manches mehr heben das Ambiente. Ein wirklicher Knüller, der auch Normalverdiener interessieren sollte, sind die cleveren, integrierten Kindersitze. Sie können erst ab Herbst bestellt werden, sollten von VW-Eltern aber unbedingt in Augenschein genommen werden.

Überschaubare Preispalette

Die Preise für die Variant starten bei 22.900 Euro. Der kleine Diesel beginnt bei 25.110 Euro. Mit seinen 105 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Nm ist der Variant übrigens ausreichend motorisiert, wer auf Beschleunigungsräusche verzichten kann, benötigt keinen stärkeren Motor. Die meisten Kunden werden sich für den 140 PS starken TDI entscheiden. Mit ihm ist man für 27.315 Euro bestens gerüstet. Auf großer Fahrt macht der Variant Freude. Er rollt sehr komfortabel über die Autobahn, in kurviger Fahrt wirkt die Lenkung direkt und das große Fahrzeug noch angenehm agil. Beide Diesel bieten nicht die Ruhe der modernen Sechszylinder, sind dafür deutlich billiger.

Der "wahre" Passat

Der Passat Variant hat sich seinen guten Ruf über Generationen hinweg erarbeitet. In mehreren Stufen konnte sich das Modell vom Level eines reinen Nutztiers emanzipieren. VWs neuester Streich lässt nun alle Vorgänger alt aussehen. So wie diese, konnte noch kein Passat Variant den Eindruck der gehobenen Mittelklasse rüberbringen. Demjenigen, der auf Status und Eleganz bei hohem Nutzen Wert legt, macht Volkswagen hier ein Angebot, dass man kaum ablehnen kann.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.