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Peugeot 407 Coupé: Kauf mich, ich verführ dich!

Ein schwarzer Mund über dem Asphalt. Schlitzaugen schauen spöttisch zur Seite. Endlos lang erhebt sich die Haube, bis dann sanft der Rücken abfällt. Zeit der Träume. Zeit zum Peugeot Händler zu gehen, denn diese Schönheit ist käuflich.

Lang, länger, am längsten. Zuerst kommt der Haifischrachen, es folgen die lang geschlitzte Augen, dann eine Haube im E-Type-Format. Endlich steigt sanft die Frontscheibe an und irgendwann ganz weit hinten residiert der Fahrer. "Grand Tourismo" hat beim neuen 407 Coupé zunächst etwas mit Größe und Grandezza zu tun. Über 4,8 Meter Länge und Überhänge von jeweils einem Meter vorn, wie hinten sprechen eine eindeutige Sprache.

407 Coupé: Ist das die französische Verführung?

Imponierender Hingucker

Für die frisch mit Führerscheinen versorgte Krawalljugend ist dieses Coupé eindeutig zu edel. Die Makellosigkeit und ewige Schönheit des von Pininfarina designten Vorgängers erreicht das neue 407 Coupé allerdings nicht, dafür geht es zu sehr in die Richtung "Männerspielzeug" und bietet "geile" Zutaten wie Mantarachen und Haifischkiemen. Anders als die Lichtgestalt von Pininfarina verschmäht das hauseigene Designteam von Peugeot kraftvolle Zutaten nicht. Mit einer luxuriösen Ausstattung und fürstlichen Dimensionen soll das 407 Coupé Mercedes CLK und das 3er Coupe angreifen. Nach der ersten Fahrt kann man sagen, 407 Coupé ist in jeder Weise in der automobilen Oberklasse angekommen.

Optisch ist das Coupé von vorn kaum von der 407 Limousine zu unterscheiden. Doch Haifischmaul und Schweinwerfer setzen, obwohl man sie bereits kennt, mächtige Akzente. Die Seitenlinie ist klassisch lang gestreckt, sie wirkt elegant und harmonisch. Ein sehr kritischer Betrachter könnte einwenden, dass die Form von der Länge des Fahrzeugs überfordert wird. Der Wagen zieht sich sehr hin, bis er im bulligen Heck seinen Abschluss findet. Wirkliche Kritik richtet sich gegen die sagenhaften Überhänge, soviel Blech jenseits der Fahrwerksmarkierung kann sich weder auf Fahrverhalten noch auf das Design gut auswirken.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Edel-Cruiser

Wen wundert es, dass das 407 Coupé mehr zum Reisen als zum Rasen einlädt. Das Fahrwerk erscheint komfortabel, ohne allzu viel Verweichlichung zu zeigen. Der Biss der Bremsen überzeugt, willig folgt der Wagen den Lenkimpulsen. In Kurven schiebt es dezent über die Vorderräder. 1,7 Tonnen fordern ihren Tribut.

Diesel überzeugt

Von den beiden vorgestellten Sechszylindern vermochte vor allem der famose Diesel zu überzeugen. Wie in allen anderen Fahrzeugen, in denen das Aggregat verbaut wurde, begeistert der bärenstarke Gentleman. Sein Vorzüge in Kürze: absolute Ruhe, dynamische, zupackende Kraftentfaltung und exzellente Laufkultur machen ihn zum Aggregat der Wahl. Wie im Peugeot 607 harmoniert der Diesel ausgezeichnet mit dem automatisierten Sechs-Gang-Getriebe. Kurz und gut: Eine Traumkombination, die auch Premiumhersteller nicht wirklich toppen können, denn noch mehr Drehmoment braucht kein Mensch.

Leider bricht diese journalistische Eloge abrupt ab, wenn der Sechszylinder-Benziner unter der Haube wirkt. Natürlich bewegt der Motor den Wagen flott, aber in den Kerndisziplinen Drehfreudigkeit, Leistung- und Drehmoment kann er mit anderen Aggregaten seiner Klasse nicht mithalten. 211 PS, 241 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden sind achtbare Werte, trotzdem bleibt der Gesamteindruck alles andere als sportlich. Von ungestümer oder ungebremster Kraftentfaltung ist nichts zu spüren, auch die mit diesem Motor lieferbare Handschaltung überzeugt nicht. Zwar konnte der 2,2-Liter Benziner bislang nicht gefahren werden, doch wer einen günstigen Einstieg sucht, ohne allzu große fahrerische Herausforderung zu suchen, dürfte hier glücklich werden. Leistung bietet der Diesel, der große Benziner ist eigentlich überflüssig.

Gehobene Anmutung

Innen warten bekannte Peugeot-Zutaten in einem deutlich aufgewerteten Ambiente. Sehr edel wirken die Applikationen aus echtem Aluminium, wunderschön die Volllederausstattung insbesondere im satten Dunkelbraun. Die Sitze sind allen anti-französischen Vorurteilen zum Trotz straff und körperbetont konturiert. Nur wer eine überlange Beinauflage schätzt, wird etwas vermissen. Trotz der Größe lädt der Fußraum nicht zum Lümmeln ein, die Beine müssen schon ein wenig zusammengehalten werden. In der Mittelkonsole verschmäht Peugeot nach wie vor eine zentrale Steuerung wie beim i-Drive, das Ergebnis ist eine endlose Schalterlandschaft.

Mehr "Hui" für's Geld

Zu loben ist zunächst der Preis. Selten bekam man ein so Aufsehen erregendes und luxuriöses Fahrzeug für ein vergleichsweise überschaubares Budget. Schon das 28.900 Euro teure Einstiegsmodell mit dem 2,2 Liter Benziner bringt ESP, 7 Airbags, Klimaautomatik, Xenonlicht, Soundsystem und 17-Zoll-Alufelgen in die Garage. Prachtvoll wird es in der Platinum-Version. Dann kommen unter anderem elektrische Ledersitze, Kurvenlicht und Einparkhilfe vorn und hinten dazu. Zwar baut das Coupé auf dem 407 auf, Image, Wirkung und Ausstattung siedeln es aber eine Klasse höher an. Ein ideales Fahrzeug für komfortables Reisen in stilvollem Ambiente. Der Kofferraum wurde großzügig dimensioniert und bei Bedarf können die Enkel mit auf die große Tour.

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