HOME

Brilliance BS4 1.8: Zweite Runde

Der erste Versuch des chinesischen Autoherstellers Brilliance, in Europa Fuß zu fassen, endete in einem Desaster. Miese Qualität und ein katastrophaler Crashtest sorgten dafür. Mit dem BS4 soll nun alles besser werden.

Eberhard Niering, Chef der CADS GmbH, die zuständig ist für die technische Betreuung der europäischen Brilliance-Importeure, übt sich in Selbstkritik: "Wir waren im Prinzip nicht in der Lage, das Auto zu liefern, das wir für Deutschland gebraucht haben." Die Markteinführung der Limousine BS6 Ende 2006 geriet denn auch zur mittleren Katastrophe: kaum Händler, kaum Service und vor allem ein Crashtest, der nichts Gutes mehr übrig ließ an dem chinesischen Neueinsteiger. Mit dem BS4, den Niering und Brilliance Deutschland-Chef Hartwig Hirtz jetzt vorstellten, soll das alles anders werden.

Die ersten 270 Autos seien in Bremerhaven angekommen, ein paar hundert weitere schon auf See. Das Händlernetz umfasse nun 124 Autohäuser, die 15 weitere Marken im Angebot hätten - "darunter sogar Mercedes-Benz". Bis zum Jahresende sollen es 150 Händler sein, 250 seien angepeilt. Das neue Auto sei vor allem sicherer geworden: "In die europäische Version des BS4 sind mehr als 60 zusätzliche Verstärkungen eingeflossen", sagt Niering.

Ein Blick in den Motorraum zeigt ein wenig was davon. Domstreben werden in der Regel beim Tuning nachträglich eingebaut, um die Torsionsfestigkeit der Karosserie zu erhöhen. Einbauten ab Werk sind selten und meist nur bei leistungsstarken Sportwagen zu finden. Jetzt auch beim Brilliance BS4. "Unsere eigenen Tests haben gezeigt, dass wir bei einem offiziellen EuroNCAP-Crashtest mindestens drei Sterne erreichen würden", fasst Niering zusammen.

Will heißen: Brilliance hat gelernt und ist nun fit für den europäischen Markt.

Blick ins Detail

Der erste Eindruck vom BS4: Niering und Hirtz könnten Recht haben. Optisch ist der von Pininfarina gezeichnete Chinese zwar sicher nicht der Brüller - aber im Heer der Kompaktklasse kann er locker mithalten. Die Linienführung wirkt modern und dynamisch. Innen sieht es nach Platz und Leder aus - zumindest bei der teureren "Deluxe" Ausführung. Die CD-Anlage ist von Clarion und hat einen USB-Anschluss, der Motor kommt von Mitsubishi. Auch innen sehen die Sitze und Instrumententräger frisch und modern aus. Manches, wie die dem Fahrer zugewandte Mittelkonsole und die breiten runden Schalter mit den eindeutigen Piktogrammen drauf würde man sich in den Modellen so manch anderer Hersteller sogar wünschen.

Die Probleme - leider - beginnen bei der Sicht auf die Details.

Fangen wir mit dem Innenraum an. Dass die Plastik-Materialien sich nun nicht mehr schlechter anfühlen als in anderen preiswerten Kompakten sei zugestanden. Und auch da gibt es schlecht abgegratete Kanten wie beim BS4 an den Türstaufächern oder der kleinen Ablage in der Mittelkonsole. Nur gibt es bei ihnen kaum noch konstruktive Schlampereien wie beim BS4 - zum Beispiel das Kabel, das aus dem Dachhimmel zum Innenspiegel führt. Ein akustisches Signal bei nicht angelegten Sicherheitsgurten gibt es nicht, es glimmt nur ein kleines rotes Warnlämpchen auf - über dem Kopf des Fahrers und damit außer Sicht. Der Intervallschalter des Scheibenwischers klackt lauter als der Blinker.

Auch mit dem erhofften üppigen Platz wird es in der Realität dann nichts - zumindest für Passagiere, die nicht den asiatischen Konfektionsgrößen entsprechen. Wer über 1,80 misst, hat vorne selbst bei tief gestellten Sitzen allenfalls noch eine Handbreit Luft zwischen Scheitel und Wagenhimmel. Hinten sorgt die abfallende Dachkante dafür, das auch dieser Sicherheitsabstand nicht mehr da ist. Die Außenspiegel sind ziemlich klein geraten und vom Fahrersitz ist die Sicht auch sonst zum Teil arg eingeschränkt. Der Rückspiegel etwa verdeckt beim Blick nach rechts rund ein knappes Viertel der Frontscheibe. Die C-Säulen und die kleinen hinteren Fenster lassen kaum Sicht nach schräg hinten. Und was ganz hinten passiert, kann man zum Teil nur erahnen: Die Höcker der Rücksitze und die kleine Heckscheibe sorgen dafür.

Gefährliche Höcker

Die Rücksitze sind denn auch in mehrfacher Hinsicht ein ganz spezieller Fall. Auf den ersten Blick sehen sie richtig sportlich und wohl geformt aus. Wer Platz nimmt erlebt das anders. Harmlos weil nur auf Dauer unbequem ist die niedrige Sitzfläche, die einen nur mit stark angewinkelten Beinen sitzen lässt. Und dass die Lederoberfläche etwas rutschig ausgefallen ist, mögen die Zeit und grobe Jeans heilen.

Gefährlich wird es hinten jedoch beim Thema Kopfstützen - die gibt es nicht. Die Höcker sind fester Bestandteil der Rücklehne und lassen sich nicht in der Höhe verstellen. Was bei kleinen Passagieren und Kindern kein Problem ist, kann für Große tödlich werden. Die rundlichen Höcker reichen dann genau bis unterhalb des Nackens - bei einem Heckaufprall schnellt der Kopf darüber unweigerlich nach hinten. Das dürfte nicht jedes Genick aushalten. Und weil das Dach so knapp darüber thront, knallt auch noch die Stirn dagegen.

Ärgerlich auch der Kofferraum. Der ist mit 430 Litern zwar durchaus ordentlich dimensioniert. Öffnen lässt er sich aber nur von innen oder mit dem Schlüssel selbst - einen Handgriff, der über die Zentralverriegelung gesteuert wird, gibt es nicht. Hinter der Heckklappe gibt es zudem nur eine enge Luke, durch die man Ladegut wie beispielsweise Getränkekästen nur verkantet und somit unnötig kraftaufwändig bugsieren kann. Immerhin gibt es unter dem Ladeboden ein vollwertiges Ersatzrad.

Auch beim Thema Leistung enttäuscht der BS4 gründlich. 100 kW/136 PS gibt Brilliance als Leistung für den 1.8-Benziner an und ein Drehmoment von 165 Nm. Laut Datenblatt soll das für 195 km/h Spitze und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 11,8 Sekunden reichen. In Stadt und Land lässt sich der BS4 denn auch ganz angenehm fahren. Er hat keine Probleme, im Verkehr mit zu schwimmen und flott von einem Ortsschild zum anderen zu kommen.

Müder Motor

Doch einmal auf der Autobahn ist es nicht mehr weit her mit den 136 PS. Die 195 km/h ließen sich mit dem Testwagen auch auf zehn Kilometern freier, gerader Strecke nicht annähernd erreichen. Ab 150 km/h geht dem Chinesen langsam die Puste aus, mehr als 180 km/h waren nicht drin. Vielleicht ganz gut so: ESP gibt er frühestens ab 20010. Der Verbrauch von 8,7 Litern Benzin auf 100 km ist auch nicht gerade bescheiden. Die Federung ist straff, nicht unangenehm und nur manchmal etwas ruppig. Die Lenkung ist gefühllos und lässt immer wieder mal Antriebskräfte spüren.

Das alles können andere deutlich besser - zumal der 1.8-Liter-Brilliance in der Deluxe-Ausstattung mit 19.990 Euro gewiss kein Schnäppchen mehr ist und ihn der simple Zukauf des Clarion-Radios schon über die 20.000-Euro-Marke schießt. Und genau besehen ist selbst der preiswerteste BS4 mit 1,6-Liter-Motor (74 kW/100 PS) und einem Preis von 15.990 Euro nicht wirklich billig. Den Skoda Octavia zum Beispiel gibt es mit einer vergleichbaren, aber deutlich sparsameren Maschine bereits für 350 Euro mehr - ebenfalls ohne ESP, aber ansonsten auch nicht wirklich schlechter ausgestattet. Ganz zu schweigen vom Thema Logan.

"Brilliance," sagt Hartwig Hirtz, "ist keine Billigmarke."

Jürgen Wolff / pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.