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Praxistest: Citroën C3 Picasso: Kubismus on Tour

Noch immer lebt Citroën vom Reiz des Andersseins. Der C3 Picasso ist trotz allen Chics vor allem ein praktisches Auto mit viel Platz. Doch auf den zweiten Blick offenbart der kleine Panorama-Bus auch seine Schattenseiten.

Als Pablo Picasso Anfang des 20. Jahrhunderts mit kühnen Pinselstrichen die Kunst revolutionierte, schuf er sich nicht nur Freunde. Picassos Bruch mit der gewohnten Perspektive soll, so heißt es, viele Künstler mächtig vergrault haben. Trotzdem wurde der Kubismus eine faszinierende Kunstrichtung. Auch die Marke Citroën schöpft ihre Anziehungskraft vor allem daraus, dass immer noch vieles anders ist als bei der Konkurrenz.

Wer einen C3 Picasso fährt, muss sich nicht nur an die Citroën-typische Umgebung gewöhnen – inklusive ausgeklügelter Bedienungssatelliten am Lenkrad und digitalem Mäusekino statt klassischer Rundinstrumente. Picasso-Piloten sollten auch einen gewissen Hang zum Exhibitionismus haben. Denn die gewaltige Frontscheibe gewährt jedem Linienbus-Passagier perfekten Einblick ins C3-Cockpit. Das riesige Glasdach kann man immerhin mit zwei Blenden verdecken. Natürlich ist auch der Ausblick fantastisch, vor allem von der Rückbank – dort wird der C3 zum Panorama-Kreuzer.

Frost? Bitte nicht!

Nur Frost sollte es nicht unbedingt geben. Denn bis man die gewaltige Fensterfläche des C3 vom Eis befreit hat, ist der durchschnittliche Kleinwagenbesitzer schon im Büro angekommen. Auch die Lüftung hat ihre liebe Müh, wenn die Scheiben des Franzosen-Vans beschlagen sind. Immerhin wirkt das Citroën-Interieur ordentlich verarbeitet. Manche Details wie die hübschen Lüftungsdüsen sind gelungen, andere wie der hässliche Warnblinker-Knopf oder der glänzende Lack der Klimaanlagen-Bedienfläche dagegen weniger.

Der C3 Picasso wird von Citroën als "Die Spacebox" beworben, und das Platzangebot ist in der Tat eine der Stärken des Wagens. Auf allen Plätzen hat man viel Kopf- und Kniefreiheit, im Fond kann man sich durch in Längsrichtung verschiebbare Sitze noch mehr Raum verschaffen. Das geht dann allerdings zu Lasten des Kofferraums, der je nach Sitzposition 385 bis 500 Liter fasst (Fiat Qubo: 329 Liter, Opel Meriva: 360 Liter, Kia Soul: 340 Liter). Klappt man die Sitze des C3 um, stehen bis unters Dach 1506 Liter zur Verfügung. Das geschieht mit einem Handgriff, die Sitze falten sich dabei zusammen und geben eine ebene Ladefläche frei.

So praktisch der Citroën sich auch beladen lässt: Bei vier Personen plus Gepäck an Bord ist das Raumangebot einfach knapper als bei einem "richtigen" Minivan. Gravierender ist jedoch die geringe Zuladung. Im Leergewicht von 1,3 Tonnen ist ein 75 Kilogramm schwerer Fahrer zwar schon mit einberechnet, doch auch dann sind 388 Kilo Zuladung (VTi 120) nicht besonders üppig.

Nie mehr zu schnell unterwegs

Unter der Haube stehen zwei Benziner und ein Dieselmotor zur Auswahl. Der 1,6-Liter Vierzylinder-Benziner VTi 120 leistet 88 kW/120 PS und zeigt sich in der City putzmunter. Der Wagen beschleunigt von unten heraus angenehm flott und schafft den Spurt von 0 auf 100 km/h in akzeptablen 11,7 Sekunden. Zäh wird es erst ab Autobahn-Tempo und laut auch – schon bei 120 km/h dröhnt der Motor ziemlich angestrengt vor sich hin.

Praktisch, aber auch etwas fummelig zu bedienen ist der kombinierte Tempomat/Limiter. Je nach Einstellung hält er die gewählte Geschwindigkeit oder sorgt dafür, dass man ein vorgewähltes Tempo nicht überschreitet. Der Wagen nimmt einfach kein Gas mehr an, wenn das Limit erreicht ist - es sei denn, man tritt voll durch.

Den Durchschnittsverbrauch des VTi 120 gibt Citroën mit 7 Litern pro 100 Kilometer an. Im Testverbrauch zeigte sich der Wagen nicht so geizig, 7,9 bis 8,5 Liter flossen im Schnitt durch die Leitungen. Die Fünfgangschaltung des C3 ist leichtgängig, hakt aber beim Herunterschalten gelegentlich. Gerade auf der Autobahn wünscht man sich zudem einen sechsten Gang.

Leichte Korrekturen

Das Fahrwerk des Citroën ist sehr komfortabel, in Kurven wankt er aber ein wenig zur Seite. Die Lenkung ist leichtgängig, hat aber ihre Schattenseiten – beim Beschleunigen sind häufig Antriebseinflüsse zu spüren, und bei höherem Tempo muss man zum Geradauslauf oft leichte Korrekturen vornehmen.

Der C3 Picasso VTi 120 kostet in der einfachen Tendance-Ausstattung 18.000 Euro, als Exclusive sind es 19.700 Euro. An Bord sind dann unter anderem Tempomat, elektrische Fensterheber, Klimaanlage mit getrennter Regelung für Fahrer und Beifahrer, Einparkhilfe hinten, Lederlenkrad, CD-Radio mit USB-Anschluss, automatische Fahrlichtschaltung und Regensenor. Das Panorama-Glasdach kostet 600 Euro Aufpreis. Leider muss man auch für das Reise-Paket (zusätzliche Ablagefächer, Tabletts für die Fondpassagiere, Sonnenrollos, Skiklappe, Gepäcknetz) 350 Euro extra auf den Tisch legen.

Zum Vergleich: Ein Opel Meriva 1.8 "Innovation 110 Jahre" (125 PS) kostet 20.350 Euro, ein Kia Soul 1.6 Spirit (126 PS) 18.950 Euro, ein Fiat Qubo 1.4 Dynamic (73 PS) 14.690 Euro und ein VW Caddy Life 1.6 (102 PS) 18.314 Euro. Im Detail schneidet der Citroën bei der Ausstattung allerdings oft besser ab als vergleichbare Konkurrenten.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.