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Probefahrten: Großer Schwarzer mit dicken Puschen

Zwei Wochen mit dem Sorento unterwegs haben stern.de-Redakteurin Sabine Hockling verändert.

Jede Frau sollte "das kleine Schwarze" im Schrank hängen haben - einsatzbereit für besondere Anlässe. Perfekt, wenn dazu noch "der große Schwarze" vor der Tür steht. Ebenso schnörkellos und elegant präsentiert sich mir der Sorento - Liebe auf den ersten Blick.

Während "das kleine Schwarze" für besondere Anlässe herhalten muss, passt "der große Schwarze" zu jeder Situation. Mit ihm kann man über Strandpromenaden flanieren, durch Berglandschaften cruisen, zum Einkaufen düsen oder zur Oper fahren - er ist sowohl attraktiv als auch repräsentativ.

Hoch sitzend über die Autobahn cruisen

Meine anfänglichen Befürchtungen, den großen Schwarzen mit den dicken Puschen nicht allzu bequem in der Stadt manövrieren zu können, verpuffen nach den ersten Kilometern. Leicht zu lenken - für meinen Geschmack eine zu sensible Servolenkung - und einzuparken, überrascht mich der Sorento. Unterstützt wird der Fahrer von Parksensoren, die schnell laut quieken, wenn ein Hindernis bedrohlich nahe kommt. Damit sind Parkhäuser, Supermarktparkplätze oder enge Parklücken in der Stadt problemlos zu meistern. Auch bei Wendemanövern überrascht das Kraftpaket. Mit einem Wendekreisdurchmesser von 12 Metern braucht der Sorento keine vierspurigen Straßen.

Meine erste längere Fahrt mit ihm geht nach St. Peter-Ording. Hoch sitzend genieße ich die Fahrt über die Autobahn, denn die großen Fensterflächen bieten mir eine hervorragende Rundumsicht. Begleitet von beneidenden Blicken cruise ich leicht und fast geräuschlos über die A 23. Längere Fahrten überstehen auch große Personen mit dem Sorento ohne Verspannungen. Platz mit reichlich Beinfreiheit bietet der Offroader locker für fünf Erwachsene.

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Zahlreiche Komfort-Features

Für Frauen immer wichtig: das Innenraum-Styling. Hier bekommt der Sorento nicht die Höchstnote. Der Fahrersitz ist zwar bequem und perfekt höhenverstellbar, das Cockpit schlicht und übersichtlich, und alle Instrumente sind einfach zu bedienen. Aber liebe Auto-Designer, wenn schon Wurzelholz, dann bitte echtes und kein Plastik-Imitat. Auch kann ich nicht verstehen, wie Designer bei einem Offroader an Wurzelholz denken können. Ich verbinde damit ausschließlich "Alt-Herren-Autos". Dann doch lieber die Applikation in Alluminiumoptik, die wesentlich sportlicher wirkt.

Praktisch sind allerdings die unterschiedlichsten Ablagen für Dinge des täglichen Gebrauchs - insgesamt 33! Neben den zwei Getränkehaltern in der Mittelkonsole, stehen in den beiden hinteren Türen je ein Staufach für 1-Liter-Flaschen zur Verfügung. Ferner bietet die Mittelkonsole ein Brillenfach und die Mittelarmlehne geräumige Aufbewahrungen.

Großzügige Platzverhältnisse

Der Kofferraum ist mit seinen 441 Litern Fassungsvermögen brauchbar. Und ob man Wochenend-Einkauf, Möbel oder Kinderkarre transportiert, das Beladen ist durch die Ladekantenhöhe von 80 Zentimetern auch bequem möglich - auch hier ist der Sorento keine Enttäuschung. Die Rücksitzbank ist im Verhältnis 60:40 geteilt und umklappbar. Wird sie komplett umgelegt, vergrößert sich das Ladevolumen des Offroaders auf stattliche 1.751 Liter. Ein großflächiges Kombinetz lässt sich direkt über den Boden spannen und hilft, Gegenstände zu fixieren.

Sehr angenehm sind die Bremsen: Ob man plötzlich auftretende Schafe an der Nordsee oder ein Stauende auf der Autobahn vor sich hat, die Vollbremsung erfolgt prompt, weich und ohne zu ruckeln.

Wermutstropfen "Lieferzeit"

Die Begegnung mit dem Offroader hat mich verändert. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich meinem Kollegen aus dem Auto-Ressort nicht von dem Kraftpaket vorschwärme oder nachrechne, wie lange ich sparen muss, um mir den Sorento leisten zu können - für "meine" Luxusvariante verlangt der Hersteller immerhin 33.820 Euro.

Allerdings lässt Kia sich hier auch nicht lumpen, denn serienmäßig liefert der Hersteller das Modell mit einem achtfach elektrisch einstellbaren Fahrersitz inklusive Sitzheizung (auch für den Beifahrer), Sitzbezügen in Leder, einer Klimaautomatik, Tempomat, elektrisch anklappbaren und beheizbaren Außenspiegeln sowie Leichtmetallfelgen. Die Allrad-Freunde kommen bei diesem Paket auch auf ihre Kosten, denn ebenfalls serienmäßig wird der 3.5-Liter-V6 EX mit einem elektronisch geregelten Allradantrieb mit Drehmomentverteilung und Geländereduktion geliefert. Die Dachreling ist selbstverständlich für alle Modelle serienmäßig. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Der Sorento ist so gefragt, dass Kunden Lieferzeiten von bis zu zwölf Monaten hinnehmen müssen.

Wenn es im Portmonee kneift, kann man sich auch für die billigere Diesel-Variante entscheiden. Der 2.5 CRDi LX ist für 26.620 Euro zu haben - allerdings mit Einbußen in der Ausstattung und dem Allradantrieb.

Ende September stellt Kia den etwas kleiner geratenen "Sportage" auf dem Autosalon in Paris vor. Erheblich billiger und kleiner als der Sorento wäre er eine günstige Alternative für mich.

Sabine Hockling

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