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Renault Modus: Kleiner Freund ganz groß

Deutsche Männer ahnten es schon immer: Der Franzose weiß einfach besser, was Frauen wollen. Mit einem herrlichen Raumgefühl und einem Bouquet cleverer Detail-Lösungen umgarnt der Renault Modus die verwöhnte Damenwelt.

Wie rau und hart hört sich auf Deutsch das Wort "Modus" an, so als wäre der Wagen aus einem Stahlkasten herausgequetscht worden, das passt verbal vielleicht zum "One-Box-Design", aber nicht zum Charakter des neuen Kleinwagen aus Frankreich. Spitzen Sie die Lippen wie ein Franzose und sagen Sie langsam "Modüs". Sehen Sie, so hört es sich gleich viel süßer an. So wie ein freundliches kleines Hündchen, das einen mit munterem Schwanzwedeln überall hin begleitet.

Im Kleinwagensegment hat sich Renault den guten Ruf erworben, sympathische, unkonventionelle und zudem praktische Wagen anzubieten. Da macht der Modus keine Ausnahme. Anstatt sich auf komplizierte Technik im Fahrwerk zu kaprizieren, setzt Renault auf eine frische Erscheinung und jede Menge praktischer Details im Innenraum. Von außen soll der Mini-Mini-Van vor allem nett aussehen. Ein schönes Gesicht besitzen und auf aggressive Unarten tunlichst verzichten. Diese Lektion hat der Modus gelernt, schon auf den ersten Blick zeigt er sich als netter Zeitgenosse. Das klassische Gesicht mit dem Renault-Rhombus und den großen Klarglasscheinwerfern wirkt lebendig, das prägnante Heck weist den Modus als echten Renault aus. Die extrem kurz gehaltenen Überhänge sorgen für Wenigkeit und gutes Handling. Der vergleichsweise lange Radstand ermöglicht überdies eine geräumige Kabine.

Könnte Sie der grenzenlose Himmel reizen?

Der große Verstecker

Kennen Sie Leute, die immer etwas verlegen? Die nie ihren Schlüssel finden können? Höchst wichtige Dinge an hochgeheimen, obskuren Orten verstecken, so geheim, dass sie erst nach Jahren zufällig wieder an ihre Schätze kommen? Für solche Zeitgenossen wurde der Modus geschaffen. Mit nur 3.792 mm Länge könnte der Modus als Marktführer im Quotienten von Fahrzeuglänge und Stauraumdichte gelten. Kaum ein anders Fahrzeug bietet mehr Klappen, Stauraum, Geheim und Sonderfläche. Toll, was frau alles mitnehmen kann, wahrscheinlich mehr als in die erste Studentenwohnung nach dem Auszug zu Haus. In Sachen Unterbringung kannte die Fantasie der Designer keine Grenzen, hier nur die wichtigsten Stau-Ideen:

Fieser Crash beim Driften

Geheimversteckchen:

Darauf soll man erstmal kommen, zwei Fächer liegen im Fahrzeugboden direkt unter den Füßen der vorderen Reihe. Gut für Dinge, die man nicht so häufig braucht.

Küchenschublade

: Unter dem Beifahrersitz kann eine kastenförmige Lade geordert werden. Geschätztes Fassungsvermögen: 40 CDs. #

Eis-Versteck:

Cola on the Rocks. Ist der Modus mit Klimaanlage versehen, wird das extra-große Handschuhfach gekühlt.

Po-Versteck:

Beim Beifahrersitz lässt sich das mittlere Kissen hochklappen, darunter kann man zwar nur Papiere verstauen, aber hochgeklappt gibt es endlich einen rutschfesten Halt für Hand oder Aktentasche. Vorbei die Zeiten, dass nach einer Bremsung - Rumms - die ganze Pracht im Fußraum herumfliegt.

Umarme den Himmel

Der Modus bringt der Fahrerin den Himmel näher. Welche Frau wünscht das nicht? Und welcher Mann scheitert nicht an dieser Aufgabe. Diese emotionale Bedürfnis-Lücke füllt der Modus perfekt aus. Eine große Panaromascheibe sorgt für den richtigen Durchblick im Parkplatzdschungel, darüber spannt sich ein riesiges Glasdach (allerdings optional), welches das gesamte Kabinendach füllt. Die Technik ist aus dem Megane bekannt: Das Dach besteht aus zwei Segmenten und kann bis zu 50 mm weit geöffnet werden. Neben der Frischluftzufuhr führt die Kuppel-Verglasung zu einem weiten und lichten Raumgefühl: Zur der Rundumsicht kommen die Wolken hinzu. Gerade in einem kleineren Wagen verschafft die neue Offenheit ein weitaus großzügigeres Raumgefühl, als es die nackten Maße erwarten lassen. Wellness für die Seele: Wenn Bäume und Wolken über dem Wagen dahin gleiten, vergisst "sie" für ein paar Minuten Termindruck, Einkaufstress und Kinderzank.

Mini-Appartement

Männer träumen von Stahlkäfigen und Fesselspielchen mit Rennsportgurten, Frauen mögen es gern chic und aufgeräumt. So wie in ihrer Design-Wohnung soll es auch im Wagen zugehen. Bitte also Platz zu nehmen, meine Damen. Die Modus-Sitze sind bequem, bieten dabei überraschend guten Seitenhalt. Allein beim Griff in das Material der Sesselwangen kommt ein schwammiges Feedback zurück.

Der freie Raum um die Knie ist nicht überdimensioniert, allzu üppige Oberschenkel dürften sich beengt fühlen. Der nette Modus möchte offenbar nicht von einer schwitzenden Zwei-Zentner-Maschine chauffiert werden. Bei seiner Fahrerin stand die zierliche Französin Modell. Die im Innenraum verwendeten Kunststoffe wirken frisch und solide, bleiben aber klassengerecht. Die Verarbeitung überzeugt, nur an einigen Details kann man französische Unbekümmertheit in Sachen Spalten und Kleber nachweisen. Andere Einzelheiten, wie Material und Verlegung des Teppichbodens entzücken dagegen.

Gewöhnungsbedürftig ist das völlige Fehlen der klassischen Rundinstrumente. Statt ihrer thront das Cockpit in der Mitte der Konsole und teilt seine Informationen im Display mit. So geht es auch, manche werden diese Lösung sogar schätzen, viele sicher nicht. Pfiffig und neu in dieser Klasse ist die verschiebbare Rückbank, genannt "Triptic". Bei vier Passagieren lässt sich das mittlere Segment einfach wegklappen, die äußeren Sitze rutschen etwas zur Mitte hin. Das Ergebnis: Schultern und Knie sitzen deutlich entspannter. Die Bank ist nicht nur asymmetrisch umlegbar und umklappbar, obendrein kann sie auch 17 cm in der Längsachse verschoben werden.

Diese Zentimeter kommen so je nach Bedarf der Beinfreiheit den Passagiere hinten oder dem Kofferraum zugute. Er variiert dann von überschaubaren 194 bis zu 279 Litern. Mit kleineren Kindern im Schlepptau ist die "Triptic" eine komfortable Lösung. Ebenfalls ungewöhnlich in dieser Fahrzeugklasse ist die geteilte Heckklappe, sie erleichtert das Beladen in engen Lücken. Wenn die große Klappe sich nicht mehr öffnen lässt, kann man sein Gepäck durch die kleinere Öffnung hinein schmuggeln. Auch an Radler wurde gedacht: Unter der Rücksitzbank befindet sich ein Trägersystem, das durch die hinteren Stoßfänger in die Längsholme gesteckt werden kann. "Mit dem Modus wollten wir ein pfiffiges, intelligentes Fahrzeug kreieren, einen praktischen Begleiter für unsere Kunden, der hohen Alltagsnutzen bietet." Dieses Ziel von Designdirektor Patrick le Quément wurde fraglos erreicht.

City-Fahrer

Ein kleiner Rabauken-Sportler ist der Modus nicht geworden. Der Wagen zielt eindeutig auf die weibliche Klientel in städtischen Verhältnissen und nicht auf Fahrer mit verkappten Rallye-Ambitionen. Exzessive Fahrleistungen lassen sich aus dem Wägelchen nicht herauslocken. Muss ja auch nicht sein. Das Fahrwerk ist bequem abgestimmt, geriet dabei aber nicht zu weich. Wer abschüssige Kurven "normal" angeht, wird nicht enttäuscht, wer es allzu "sportivo" angehen lässt, lernt eben seine eigenen fahrerischen Fähigkeiten schätzen. Alle getesteten Motorisierungen bewegen den Wagen anständig. Zwar ohne Leistungsexplosionen, aber ihre Stunde der Wahrheit schlägt an der Zapfsäule und dort enttäuschen sie gewiss nicht.

Sollte der Modus überwiegend in der Stadt bewegt werden, empfiehlt sich durchaus die Einstiegsmotorisierung. Der 1.2 Liter Motor mit seinen 75 PS reicht vollkommen aus, er möchte im Mix 6 Litern Normalbenzin. Bei den verfügbaren Selbstzündern wirbt das stärkere Modell (1.5 dCi mit 86 PS) sogar mit einem Mix-Verbrauch von nur 4,7 Litern. Beruhigend auch, dass der Modus beim Thema Sicherheit auch etwas zu bieten hat. Im Euro NCAP-Crashtest erreichte er die Bestnote von fünf Sternen und obendrein das Prädikat "sicherstes Fahrzeug seiner Klasse".

"Liebhaben"

Der Modus ist ein echter Womanizer. Französische Kreativität hat hier eine Unmenge pfiffige Lösungen ersonnen, die begeistern können. Das billigste Angebot ist der Modus zwar nicht, dafür bietet er einiges. Die Basismotorisierung fällt mit 75 PS relativ stark aus, zahlreiche Goodies sind in den Ausstattungslinien bereits enthalten oder gehören wie der Notbremsassistent sogar zur Basisausstattung.

Gernot Kramper

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