HOME

Renntraining auf dem Lausitzring: Küss den Auspuff

420 PS, freie Strecke, Sprit für lau: Beim Renntraining mit dem Audi R8 geht der Traum aller Männer in Erfüllung. Fast aller. Trotz bester Bedingungen fährt stern.de-Redakteur Christoph Schäfer nur hinterher. Ein Protokoll des Scheiterns.

Von Christoph Schäfer

Rennstreckentraining mit dem Audi R8 auf dem Lausitzring - eine Wahnsinns-Chance für einen, der sich privat mit einem Golf IV begnügen muss. Klar, für den Alltag reichen hundert PS völlig. Heute aber geht es um mehr als 400 PS, eine Rennstrecke, einen typischen Männertraum - und mich, der diesen Traum leben will.

Es ist ein bewölkter Morgen, kurz nach acht Uhr, als ich auf dem Zufahrtsweg zur Rennstrecke an der Haupttribüne vorbeifahre. Obwohl die 25.000 Sitzplätze verwaist sind, sehe ich die jubelnden Massen, die aufspringen, während der R8 an ihnen vorbei schießt. Meine rechte Faust reckt sich in die Höhe, im Traum ist das Rennen schon gewonnen.

In der Realität nicht. Anstelle des Siegerpokals hält eine Audi-Mitarbeiterin nur eine Teilnahmeerklärung bereit. Darin heißt es: "Der Teilnehmer nimmt an dem Fahrtraining auf eigene Gefahr teil. Der Teilnehmer verzichtet für sich und die ihm gegenüber unterhaltsberichtigten Personen auf Schadensersatzansprüche gegenüber der Audi AG." Ernüchternd. Hatten die Kollegen mit ihren Witzchen über meine Lebensversicherung etwa Recht? Wird es gefährlicher als vermutet? Egal, ich schiebe alle Bedenken beiseite und unterschreibe.

Auf der Rennstrecke warten sie bereits; die Glanzlichter des Audi-Fuhrparks, die ich bisher nur aus der Werbung kenne, und von denen es weltweit erst ein paar tausend gibt. Gleich zehn von ihnen stehen in zwei Reihen geparkt. Ein schwarz lackierter sticht sofort ins Auge. Beim Blick durchs Heckfenster sieht man das beeindruckende Herz des Wagens, einen Mittelmotor mit 4,2 Litern Hubraum und 420 PS.

Die Seite des R8 besticht durch die Carbon-Verzierung vor den Lufteinlässen, den Tankdeckel in Rennoptik und Radhäuser, die sich fast bis in die Motorhaube wölben. Stark sieht der 1,25 Meter flache Sportler aus. Jeweils zwölf LEDs umspielen die Frontscheinwerfer. Ein mächtiger Trapezgrill und zwei breite Lufteinlässe suggerieren Kraft und Dynamik. Genau so was will ich fahren!

Klare Regeln, wenig Abstand

Bevor es in die Cockpits geht, erklärt der Chef-Fahrer noch die Regeln. 1. Die Strecke wird in zwei Parcours und die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt. 2. An der Spitze jeder Gruppe fährt ein Instruktor, der nicht überholt werden darf. 3. Der Abstand zum vorderen Fahrzeug beträgt nur zwei Wagenlängen, weil der Instruktor die Gruppe sonst aus den Augen verliert.

"Um Knochenbrüche zu vermeiden, müsst ihr so nahe ans Lenkrad, dass ihr Arme und Beine nicht ausstrecken könnt", sagt der Chef-Fahrer. Außerdem darf das elektronische Stabilitätsprogramm nicht ausgestellt werden, "weil wir sonst schon viel Bruch gesehen hätten". Es folgen kurze Erklärungen, was zu tun ist, wenn das Auto über- oder untersteuert. Die letzte Mahnung: "Bleibt auf der Strecke."

Der Mann meint's ernst. War es wirklich eine gute Idee, hierher zu kommen? Sei's drum, als ich neben dem PR-Mann von Audi Platz nehme, sind alle Sorgen vergessen. Sitz, Lenkrad, Innenausstattung - alles erster Klasse. Bester Dinge rücke ich ans Lenkrad heran und lasse den Motor an. Der Sound des Acht-Zylinders kann mit jedem Porsche mithalten. Wie ein wildes Tier wartet der R8 darauf, über die Strecke getrieben zu werden.

"Wir starten", schallt es aus dem mitgeführten Walkie-Talkie. Erster Gang, zweiter Gang, dritter Gang, schon liegt die Boxengasse hinter uns. Zeit, um das Auto kennen zu lernen, bleibt kaum, der Instruktor legt ein ehrgeiziges Tempo vor. Noch in der ersten Kurve erklärt er das Einmaleins des Renntrainings: Am Pylon vor der Kurve einlenken und den Scheitelpunkt der Kurve ansteuern. Dort steht das zweite Hütchen, an das man möglichst dicht heran muss. Danach auslenken bis zum dritten Hütchen am Kurvenausgang. Dazwischen Vollgas.

Auf der ersten Geraden beschleunigen wir auf fast 200 km/h. Dann kommen die Schilder, die das Ende der Schussfahrt in 50-Meter-Schritten ankündigen: 250, 200, 150. Jetzt hart bremsen, sagt der Instruktor. Mein Kopf fliegt nach vorne. Mit fast 100 km/h geht es in die erste 90-Grad-Kurve. Der Wagen schießt dicht an einem dicken Stapel Reifen vorbei. Sofort danach wieder rechts. Dann eine enge 180-Grad-Kurve nach links. Mein Herz rast, die Arme zittern vor Angst. Von einem echten Rennfahrer trennen mich in diesem Moment Welten.

Einlenken, auslenken, Vollgas

Nach der Hälfte der Strecke geht es über eine Abkürzung zurück zum Ausgangspunkt. Dann das Gleiche nochmal. Erstes Hütchen einlenken. Zweites Hütchen auslenken. Drittes Hütchen Vollgas bis zum Ende der Geraden. Dann harte Bremsung. Irgendwie macht alles Spaß, ist aber viel zu schnell für mich.

Genau umgekehrt geht es dem PR-Mann neben mir. Die ersten beiden Runden lässt er mich kommentarlos fahren, danach gibt der Audi-Mitarbeiter die Kommandos. "Jetzt rein", befiehlt er. Oder: "Dritter Gang! Lenken! Vollgas!"

Yes, sir! Ich fahre so schnell um die Kurven, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Dennoch bleiben wir das langsamste Glied der Kette. Die anderen Fahrer - alles Motorjournalisten oder Audi-Mitarbeiter - machen in jeder Kurve, auf jeder Geraden ein oder zwei Meter gut. Sie hängen uns ab. "Wir warten auf den letzten Wagen", schallt es aus dem Walkie-Talkie. Das bin ich. Peinlich.

Der Körper schmerzt

Nach 15 Minuten Pause geht es zum zweiten Teil der Strecke. Die Kurven sind anders, die Regeln die gleichen. Aber diesmal habe ich einen Wagen mit Automatik-Schaltung gewählt. Weil ich mich jetzt voll auf Gas, Bremse und Lenkung konzentrieren kann, klappt mit Mühe der Anschluss.

Beim Mittagessen bemerke ich den Preis der Geschwindigkeit: Die Finger schmerzen, das linke Knie tut weh. Das Hemd ist durchgeschwitzt.

Eineinhalb Stunden später jagen wir in Fünfergruppen über die ganze Strecke. Jetzt noch schneller. Auf der Start-Ziel-Gerade geht es auf 220 km/h. Rechtwinklige Kurven werden mit 80-100 km/h gefahren, U-Kurven mit mindestens 60. Das Quietschen der Reifen wird Normalzustand. Der Wagen vor mir ist oft nur wenige Meter entfernt.

Adé, Siegerpokal

Auch im Fahrzeug hat sich etwas geändert. Aus Sicherheitsgründen müssen alle Motorrad-Helme tragen. Außerdem hat der Audi-Mann offensichtlich genug von meinem unglamourösen Fahrstil: Er ist in einen anderen Wagen geflüchtet. Auf seinem Platz muss nun eine junge Volontärin sitzen. Sie gibt zu, nicht viel Ahnung von Autos zu haben. Dafür besticht sie durch lange blonde Haare, eine Top-Figur und ein eng anliegendes Oberteil.

Für einen Flirt bleibt keine Zeit, der Parcours fordert volle Konzentration. Erst viele rasante Kurven und Geraden später geht es zurück in die Boxengasse.

Obwohl ich noch eine halbe Stunde weiterfahren dürfte, bin ich am Ende meiner Kräfte. Mit einem müden Winken ziehe ich mich von der Rennstrecke in die Kaffeebar zurück. Die Audi-Blondine zeigt dafür viel Verständnis. "Na ja, du bist ja auch mehr der Lifestyle-Journalist", sagt sie. Dann schnappt sie sich ihren Helm, lässt mich stehen - und fährt davon.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.