Reportage: Panini Museum Verborgene Autoträume


Wer Panini hört, denkt an die netten Klebebildchen, mit denen man zu Kinderzeiten Fußballeralben füllte. Doch Umberto Panini liebt nicht nur Klebebildchen. Er hat auch eine der exklusivsten Auto-Sammlungen Europas.

Die Landstraße außerhalb von Modena ist kaum breiter als das Auto und außer ein paar Feldern sieht man rechts und links nicht viel. Doch das Navigationssystem behauptet felsenfest: In rund 400 Metern ist das kleine aber feine Panini-Museum erreicht. An der Hecke geht es rechts ab. Und das gelb-braune Hinweisschild mit der Aufschrift "Hombre" deutet auf so einiges hin, nur nicht auf ein Automobilmuseum.

Dann kommt ein durchaus sehenswerter Bauernhof mit stattlichen Gebäuden und großzügigen Freiflächen. Bei der Frage nach dem Panini-Museum nickt die junge Frau. Sie heißt Federica Comastri und verdient sich als Touristenführerin ihr Geld. Freundlich zeigt sie auf eine noch verdeckte Scheune hinten links. So sehen wohl Insider-Tipps aus.

Doch zumindest in Norditalien kennen viele das Panini-Museum. Wer alte Maserati, schmucke Oldtimer und seltene Preziosen aus der automobilen Welt in ungewöhnlicher Umgebung und mit dem Charme von Parmigiano Reggiano bestaunen will, sollte sich jedoch vorher anmelden – am besten telefonisch.

Die Familie Panini hat es in sich. Einer der Brüder war ein bedeutender Verleger. Einer macht in edlem Parmesan. Und Umberto erfand vor Jahrzehnten die Maschinen, mit denen man Klebebildchen vervielfältigen konnte. Die Panini-Bildchen mit Fußballern und Autos wurden ein Riesenerfolg – der Ertrag war entsprechend.

An Umberto Panini und seinem wenig charismatisch erscheinenden Museum "C.U.P." – Colletione Umberto Panini – ist dieser finanzielle Erfolg scheins spurlos vorbeigegangen. Der 80jährige kommt mit einem klapprigen Fahrrad um die Ecke und lächelt verschmitzt: "Ich liebe die Autos wie meine Töchter", sagt er. Und: "Mein erster Wagen war natürlich ein Fiat Toppolino – was sonst."

Unter Rindern

Sein Leben waren die Klebebildchen. Doch in seinem Automuseum steht nur in einer abgelegenen Ecke noch einer der gelben Verkaufsautomaten, aus dem man die Bilder ziehen konnte.

Seine eigentliche Liebe gehört allem, was fährt. "Ich verbringe nach wie vor jede Minute in der Werkstatt", erzählt er. Gerade wird hier nach alten Vorlagen an zwei motorisierten Kutschen aus den Anfängen der Mobilität gebastelt.

Im Hintergrund machen sich einige Rinder lautstark bemerkbar. Die meisten der 500 Tiere befinden sich auf der Weide – das Areal hat die stattliche Größe von 300 Hektar.

Doch echte Automobilfans haben für diese heiß begehrten Hombre-Rinder keine Augen. Ihnen gehen beim Öffnen von Glastür und Gussgatter die Augen über. Unglaublich unspektakulär und dicht an dicht stehen hier spärlich ausgeleuchtet Raritäten wie ein knallroter Maserati A6 GCS Berlinetta aus dem Jahre 1953. Von dem 170 PS starken Coupé gab es gerade mal vier Stück.

Selten, teuer und kaum zu schlagen

Etwas weiter glänzt ein roter Maserati 6 CM von 1936. Der 175 PS starke Flitzer war einer der bekanntesten Rennwagen seiner Zeit. "Nur die Autos, die in der Mitte der Halle stehen, werden überhaupt noch gefahren", erzählt Panini gleichmütig. "Die anderen sind seit Jahren nicht mehr bewegt worden."

Immerhin: Zu den zentral ausgestellten Rennern gehören zwei Maserati 250F - selten, teuer und in den 50er Jahren kaum zu schlagen. Einer von ihnen ist nicht blau oder rot wie meisten, sondern weiß mit buntem Aufdruck und der Startnummer 10. "Er war weltweit der erste gesponserte Rennwagen, als er im Jahre 1958 bei den 500 Meilen von Monza antrat", erklärt Fremdenführerin Federica Comastri. Der Pilot: Stirling Moss.

Die Zahl der exklusiven Maserati-Modelle hier im Museum ist weltweit einmalig. Selbst der italienische Sportwagenbauer selbst hat keine solchen Schätze im eigenen Bestand. Nachdem Panini die Autos Anfang der 90er Jahre über Umwege vor dem Export rettete, hat er die exklusivste Maserati-Ausstellung weltweit.

Schmucklos und spektakulär

Weitere Highlights sind der 1961er Birdcage Tipo, der regelmäßig noch in Goodwood unterwegs war. Oder der grün-blaue Maserati 5000 GT. Fünf Liter Hubraum und 340 PS sorgten für 270 km/h Spitze und staunende Ferrari-Fahrer. Nicht weniger sehenswert der Maserati Tipo 124 von 1974 - der erste Prototyp, der unter Citroen-Management entstand. Sein 4,7 Liter großes Triebwerk leistet 280 PS.

Doch es sind nicht allein die seltene Maserati, die in der unscheinbaren Scheune unweit von Modena glänzen. Hier ein alter Rolls Royce, da ein Alfa und ein Stück weiter ein fast schmucklos dunkelblauer Mercedes 300 SL Flügeltürer. Noch spektakulärer sind die verschiedenen Versionen des Maserati Chusbasco, der im Panini-Wohnzimmer als Rohkarosse, Plastikmodelle und fertige Rennversion zu bestaunen ist. Ganz nebenbei hortet Umberto Panini in der Halle auch noch 80 Motorräder – sogar darunter sind einige Maserati.

In der Automobilscheune kann man Stunden verbringen oder einfach nur ein paar Augenblicke in die Geschichte von Maserati eintauchen. Hinterher ist noch genug Zeit, um ein paar Stücke Parmigiano Reggiano zu probieren. Deswegen kommen hier übrigens die meisten Besucher.

Nach der Autosammlung muss man fragen.

Stefan Grundhoff / pressinform PRESSINFORM

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker