VG-Wort Pixel

Rolls-Royce 10EX Rollender Torpedo

Die Technik des Reihensechszylinders ist feinste Mechanik
Die Technik des Reihensechszylinders ist feinste Mechanik
© press-inform - das Pressebuero
Mit dem Rolls-Royce 10EX wollten die britischen Ingenieure vor über 90 Jahren zeigen, dass Luxuskarossen auch in der Lage sind, schnell vorwärts zu kommen. Eine Fahrt mit diesem Einzelstück ist ein auch heute noch ein bewusstseinserweiterndes Erlebnis.

Das Losfahren mit dem Rolls-Royce 10EX ist eine Prozedur, die es in sich hat. Erst muss der kleine Tank des Vergasers mit Sprit gefüllt werden, danach wählt man die passende Methode (Batterie und/oder Magnetzündung) dann wird der Sechszylinder mit einem Fußdruck auf den Starterknopf (mittig im Fußraum) angeworfen. Erst orgelt das englische Triebwerk ein wenig, schnauft und schüttelt sich so heftig, dass sich der ganze Wagen schüttelt und nimmt schließlich mit einem freudigen Juchzer den Dienst auf. Damit ist das Werk aber noch nicht vollbracht. Jetzt muss noch der erste Gang eingelegt werden und auch da gilt es sich an einen festen Ablauf zu halten, damit sich der über 90jährige Gentleman überhaupt in Bewegung setzt.

Achtung! Unsynchronisiertes Getriebe. "Den ersten Gang kann man nur im Stand einlegen", erklärt Rolls-Royce-Technikchef Dr. Philip Koehn, der sich wagemutig auf den Beifahrersitz geschwungen hat. Also Kupplungspedal durchdrücken, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Voila! Geschmeidig flutscht der erste Gang hinein, jetzt das Pedal kommen lassen, ganz ganz sachte, schließlich darf man die Lederkupplung nicht überstrapazieren. Gas braucht der 10EX ebenfalls kaum. Das bullige Drehmoment reicht aus. Lässig rollt der elegante Wagen an, auf Kommando wird der zweite Gang hineingeschnalzt. Nur wenn man da die richtige Drehzahl trifft klappt das geschmeidig. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Gangschaltungshebel sich direkt unter der rechten Kniekehle befindet.

Einmal in Fahrt gekommen, lässt sich das Einzelstück erstaunlich entspannt bewegen. Ein bisschen wie ein LKW, mit viel Kraft in den Armen, klar, bei der Lenkung ist von Servo-Unterstützung keine Spur. Souverän, geschmeidig und mühelos geht es voran. Beim Hochschalten hilft Zwischengas und ein gutes Gefühl, wann die Zahnräder des Getriebes perfekt eingerastet sind. Das Lenkrad hat flexible Speichen, um die Vibrationen des Motors zu dämmen. Und das klappt erstaunlich gut. Bergab muss die schwache Bremse mit der Motorbremse unterstützt werden, sonst droht schnell ein Malheur. Also wieder einmal den ersten Gang richtig treffen und nur nicht daran denken, dass dieser Wagen rund 4,5 Millionen Euro wert ist. Doch das sämige Schnurren des vitalen Aggregates vertreibt solche Sorgen sehr schnell. Immerhin hat man beim 10EX von den Fehlern des Phantom I gelernt. Weil die Bremsseilzüge links und rechts angebracht, also gleichlang sind, zieht das Auto beim Verzögern nicht mehr auf eine Seite. Bei der ersten Generation des Phantom befinden sich die asynchronen Seilzüge auf einer Seite, was das Fahrzeug beim Bremsen unruhig macht.

Das Lenkrad ist die Kommandozentrale: Mittels einer feinen Rasterung verstellt man die Gemischbildung (mager oder fett) und den Zündzeitpunkt (früh oder spät). Das Cockpit mit den Rundinstrumenten stammt aus dem Phantom I. "Das ist ein Ingenieursauto, das auf Geschwindigkeit getrimmt war", sagt Philip Koehn. Dafür haben die Rolls-Royce-Techniker bei der Messfahrt den 10EX in ein rollendes Torpedo verwandelt, indem sie die Schweller und Kotflügel entfernten. Aus den avisierten 100 mp/h (165 km/h) wurde dennoch nichts: bei 155 km/h endete der Vortrieb.

Heute sind solche Zahlen unwichtig. Heute begeistert man sich an der gleichermaßen archaischen wie faszinierenden Technik des Rolls-Royce Baujahr 1925. Basis für den 10EX war ein verkürztes Chassis des Phantom I. Der Aufbau von "Barker Coachworks" bestand aus Holz und war mit Blech verkleidet. Die original erhaltenen Holzplanken zeigen, dass es sich beim 10EX im Grunde immer noch um Kutschenbau gehandelt hat. Doch das sich verjüngende Heck zeigt das aerodynamischen Konzept. Interessant: Um den Motor auf Temperatur zu bringen oder ihn zu kühlen, kann man die Lamellen des Kühlergrills öffnen oder schließen - ein Prinzip, das heute noch angewendet wird. Um man die Motorhaube hochklappen zu können, muss man die Kühlerfigur verdrehen. Die Technik des Reihensechszylinders ist feinste Mechanik: Ein Zylinderkopf, zwei getrennte Dreizylinderbänke, ein Motorblock und ein Kurbellwellengehäuse. Damit eine ordentliche Verbrennung gewährleistet ist und der Wagen nicht liegenbleibt, gibt es pro Zylinder zwei Zündkerzen. Die Wasserpumpe ist aus Messing und schimmert inmitten der Metallleitungen.

Vorne und hinten hatte der Rolls-Royce 10EX Starrachsen mit Blattfedern, deren Verlängerungen mit Ledermanschetten verkleidet waren, um das Schmierfett länger frisch zu halten. Denn nur wenn die Elemente der Blattfedern sich geschmeidig aneinander reiben, bietet das Auto maximalen Komfort. Der ist auch gegeben: Für die Herrschaften auf der Lederrückbank gibt es auch den legendären Picknicktisch - für die kleine Pause zwischendurch.

Vorne und hinten hatte der Rolls-Royce 10EX Starrachsen mit Blattfedern, deren Verlängerungen mit Ledermanschetten verkleidet waren, um das Schmierfett länger frisch zu halten. Denn nur wenn die Elemente der Blattfedern sich geschmeidig aneinander reiben, bietet das Auto maximalen Komfort. Der ist auch gegeben: Für die Herrschaften auf der Lederrückbank gibt es auch den legendären Picknicktisch.

pressinform

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker