HOME

RR Phantom Coupé: Roll Britannia

Steuerhinterzieher aufgepasst: Bei diesem Auto wird jeder Finanzbeamte misstrauisch. Aber wer sich das Phantom Coupé leisten kann, hat Betrug gar nicht nötig und ganz andere Probleme. Etwa die Qual der Wahl zwischen Rosenholz oder Walnuss.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten 440.000 Euro zur Verfügung, um ein ganzes Dorf zu motorisieren. Für diese Summe könnten Sie rund 60 Dacia Logan oder 250 Tata Nano kaufen. Drauf gepfiffen! Wahre Genießer gönnen sich ein Rolls-Royce Phantom Coupé und lassen die Dorfbewohner eher staunend zurück.

Das 5,6 Meter lange Schlachtschiff wird auf dem Genfer Automobilsalon im März zu sehen sein. Vor zwei Jahren haben die Briten das Coupé zum ersten Mal vorgestellt - damals war es noch eine Studie namens 101EX.

Der Wagen komplettiert die Modellfamilie, die aus dem Phantom, dem Phantom mit langem Radstand und natürlich dem Phantom Drophead Coupé besteht. Und es ist das dritte neue Modell, seit BMW Rolls-Royce übernommen hat. Pardon: Seit BMW "Behüter der Marke" wurde. So heißt es schließlich im offiziellen Rolls-Jargon. Und wohl behütet darf man sich auch in diesem wie aus Stein gemeißelten Automobil zweifellos fühlen.

Manchmal hilft nur der Jet

Doch der Rolls kann auch anders: "Das Phantom Coupé ist der am meisten fahrer-orientierte Wagen der Modellreihe", heißt es von den Schöpfern des 2,6 Tonnen schweren Kolosses. So haben die Briten ein wenig an der Lenkung gefeilt und die Stoßdämpfer etwas härter gemacht. Das ESP bekam den Auftrag, später als gewöhnlich einzugreifen. Ein Knopf am Armaturenbrett erteilt dem Automatikgetriebe die Weisung, schneller herunterzuschalten, und lässt das Gaspedal sensibler ansprechen. Der Knopf hat übrigens die Bezeichnung "Sport" - eigentlich schade, schließlich findet sich dieser inflationär gebrauchte Begriff schon in zahllosen Allerweltsautos.

Dass der Rolls bei Bedarf auch wirklich losspurtet, stellt der Maschinenraum sicher. Zwölf Zylinder teilen sich 6,75 Liter große Hubraum-Ländereien, 453 edle Pferde steuern ihre Stärken bei und 720 Newtonsche Meter versorgen die königliche Kurbelwelle mit reichlich Drehmoment. Das Rolls-Coupé beschleunigt in 5,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Für eine Reisegeschwindigkeit von mehr als 250 km/h müssen die Passagiere auf den Privatjet ausweichen, denn dann wird im Rolls abgeregelt.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Im Innenraum hat Rolls-Royce darauf geachtet, den Fahrgästen die Umstellung vom Ritz-Hotel zum Automobil nicht allzu beschwerlich zu machen. Der Einstieg erfolgt stilecht durch "Selbstmördertüren", wie der Volksmund die hinten angeschlagenen und damit nach vorne öffnenden Türen nennt.

Phantom der Oper

An Interieur muss kein Passagier etwas anderes als Leder, Holz oder Chrom in die Hand nehmen. Eine Soundanlage mit 15 Lautsprechern bringt Konzertatmosphäre in jeden Winkel und macht den Rolls zum Phantom der Oper. Im Fond lädt ein "Lounge Seat" genanntes Sofa zum Verweilen ein. Der Kunde hat übrigens die Auswahl zwischen neun verschiedenen Lederpolstern (darunter "Cacao", "Moccasin" oder "Seashell") und sechs verschiedenen Hölzern (zum Beispiel "Mahagony Flare", "Rosewood" oder "Walnut Burr").

Natürlich lässt Rolls-Royce die gleiche Sorgfalt auch dem Äußeren des Wagens zuteil werden. So besteht etwa der Lack aus fünf Schichten und wird fünf Stunden lang poliert, damit er den richtigen Glanz erhält.

Weniger royale Ausmaße hat das Gepäckabteil des Phantom Coupé: Magere 395 Liter stehen zur Verfügung. Doch die Entwarnung folgt auf dem Fuße: Für vier Golfbags reiche das allemal, teilt Rolls-Royce mit. Fürs Picknick im herrschaftlichen Park lässt sich die Kofferraumklappe außerdem als Sitzgelegenheit benutzen, sofern Mylord oder Mylady nicht schwerer sind als 150 Kilogramm.

Der Preis für das Phantom Coupé steht noch nicht fest, dürfte aber ungefähr dem des Cabrios entsprechen, das rund 440.000 Euro kostet. Mit weltweit mehr als 1000 verkauften Fahrzeugen konnte Rolls-Royce im vergangenen Jahr von der immer noch steigenden Nachfrage nach Luxusautos profitieren. Auf deutschen Straßen bleibt jeder Rolls-Royce freilich ein ausgesprochen rarer Vertreter: Das Kraftfahrtbundesamt verzeichnete im Jahr 2007 ganze 26 Neuzulassungen.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity