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Skoda Fabia GreenLine: Der heiße Schweiß der Sparsamkeit

Wer schlau fährt, verbraucht mit dem Fabia GreenLine nur 3,2 Liter auf 100 Kilometer. Aber das kostet Nerven und bringt wenig Spaß, musste man beim Spritspar-Rennen von Skoda in Salzburg herausfinden.

Von Antje Helms

Mir ist heiß! Die Haut klebt und das T-Shirt müsste längst ausgewechselt werden. Bei 68 Km/h auf der Landstraße könnte ich zwar lässig meinen Arm aus dem Fenster baumeln lassen und ein bisschen Luft schnappen: Aber das ist verboten! Also brüte ich weiter auf meinem Beifahrersitz bei gefühlten 40 Grad. Dem Kollegen links neben mir geht es an diesem vorletzten Maitag nicht anders: Schließlich herrscht afrikanisches Klima auf den Salzburger Landstraßen dank der Saharaluft, die die Berge in smogähnlichen Dunst hüllt.

Starr schaue ich auf den Getränkelaster vor unserer Nase. Der macht Blinkzeichen, ihn doch bitte zu überholen. Machen wir aber nicht. Denn wir brauchen ihn: Damit wir möglichst wenig Luftwiderstand haben. Damit wir in seinem Windschatten im Leerlauf dahinrollen können. Damit wir nicht auf die Tube drücken müssen. Damit wir nicht mehr Sprit verbrauchen.

Lieber ruckelig im Windschatten

Dann drücke ich doch die Fensterhebertaste: "Mach’s zu", zischt Johannes neben mir. Aber er meint’s nicht böse. Er will ja auch die beiden Karten für das EM-Spiel Deutschland gegen Österreich in Wien gewinnen, wie rund 30 weitere Teilnehmer, die sich alle bemühen, die 116 Kilometer als sparsamstes Zweier-Team zu meistern. Und das bedeutet eben: Fenster zu lassen, damit uns kein Luftwiderstand bremst; Klimaanlage auslassen, weil die Sprit verbraucht - mindestens einen halben Liter auf 100 Kilometer. Und wegen so ein bisschen Flüssigkeit wollen wir schließlich nicht verlieren! Vor allem aber bedeutet sparsam fahren: Erstens, den Motor mit niedrigen Drehzahlen zu quälen, also in hohen zu Gängen fahren. Zweitens, wo immer es möglich ist, rollen zu lassen. Drittens, nicht zu bremsen, oder nur ganz langsam und allmählich und vor allem nicht mithilfe des Motors, also nicht runterzuschalten.

Das Ergebnis: Der Turbodiesel mit 80 PS, mit dem die neue Ökovariante des Fabia ausgestattet ist, röhrt und rumpelt bei 1400 Umdrehungen im fünften Gang bei Tempo 68. Das ist normal für einen Dreizylinder mit Pumpe-Düse-Einspritzung. Doch 2000 Umdrehungen können wir uns nicht leisten: Die fühlen sich zwar rund an, kosten aber mehr Sprit. Also lieber ruckelig im Windschatten bleiben. Zumindest kommen wir da streckenweise auf 2,6 Liter im Verbrauch! Ein Leichtes also, die von Skoda angegebenen 4,1 Liter auf 100 Kilometer mit nur 109 Gramm CO2-Ausstoß zu toppen, oder?

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Schluss mit dem Rumpeln

Unser Ehrgeiz währt jedoch nicht lange: Mein Kollege fährt zuhause einen Opel Speedster, ist schnittiges Fahren mit 143 PS gewöhnt und scheint langsam nicht nur vor Hitze zu kochen. Und auch ich mag nicht wie ein Sonntagsfahrer auf der Landstraße schleichen. Also werden wir nachlässig: Kurbeln die Fenster runter, überholen endlich den Getränkelaster und gönnen dem Fabia auch mal bei 80 den vierten Gang. Der Motor dankt es uns: Denn wie eine Dampflok vor sich hinzurumpeln, ist für ihn wie für uns eine Qual. Schade, dass er nicht mit einem leisen Common-Rail-Diesel ausgestattet ist, mit dem schon viele Kleinwagen glänzen. Aber dann wäre der Preis von 17.340 Euro nicht zu machen.

Die Landschaft zieht vorbei und auf 116 Kilometern vergessen wir hin und wieder, dass wir ein WM-Wochenende gewinnen wollen. Vielleicht auch deswegen, weil die Strecke ideal zum Probefahren ist: Fast nur Landstraße ohne Hindernisse wie Kreuzungen, Orte oder Ampeln. Hätten wir einen Fabia in rot mit weißem Dach, sozusagen als Mini-Cooper-Verschnitt, würden wir uns jetzt sommerlich-cool fühlen. Aber die silberne Variante verströmt eher praktisches Familienflair. Macht nichts. Weil der Fabia GreenLine so bequeme Sitze hat und bei der richtigen Drehzahl so richtig schön auf der Straße liegt, verpassen wir so manche Abfahrt: Kartenlesen fällt schwer, wenn man an eine wegweisende Stimme aus dem Bordcomputer gewöhnt ist! Also wenden, ach ja: langsam fahren - und trotzdem aufholen: Denn wir dürfen nicht mehr als zwei Stunden für die Strecke brauchen. Gibt es nämlich ein Stechen im Verbrauch, zählt die Zeit.

Abgekämpft am Ziel

Und die haben wir gar nicht mehr im Blick: Auf den letzten zehn Kilometern heize ich drauflos, überhole große und kleine Autos im Sauseschritt und pfeife auf Windschatten. Jetzt kann uns nur noch der GreenLine mit seinen Spar-Features herausboxen: Er rollt auf Alufelgen, und seine Karosserie liegt 14 Millimeter tiefer: Der Luftwiderstand ist deswegen minimal kleiner, das Gewicht zehn Kilo niedriger als bei der normalen Ausstattungsversion Ambiente. Auch der Rollwiderstand ist dank Leichtlaufreifen geringer. Das Wichtigste aber ist: Gänge drei bis fünf und die Gesamtübersetzung sind zusammen über 20 Prozent verlängert worden. Dadurch lässt sich einiges an Sprit sparen. Überholen im dritten aber sollte man sich gut überlegen oder lieber gleich den kurzen zweiten Gang einlegen! Der Übergang in den dritten ist dann allerdings holprig.

Abgekämpft, die Hände verkrampft am Steuer, presche ich auf unser Ziel, einem Gasthof inmitten von Wiesen und Feldern, zu. Mittlerweile haben wir uns dreimal verfahren und mindestens zehn Kilometer mehr auf der Uhr - und sind zu spät: Knapp zwei Minuten über der Zeit. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Litern - und damit um 0,4 Liter mehr als der glückliche Gewinner verbrannt hat, der erst vor vier Minuten eingetrudelt ist! "Sie sind wirklich eine schillernde Persönlichkeit", begrüßt mich der Skoda-Mann und mustert mein verschwitztes Gesicht. So eine Frechheit! "Und Ihr Auto?", frage ich zurück. "Na ja, wir haben es nicht neu erfunden. Aber sparsam ist es wirklich sehr." Stimmt. Und sollte der Dieselpreis wieder sinken, erst recht.

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