Skoda Octavia Golf im Tarnanzug


Unterm Blech stecken die Gene des Konzernbruders - doch der neue Skoda Octavia bietet mehr Komfort und Platz für weniger Geld

Erst seit kurzem dient der Deutsche Winfried Vahland bei der Volkswagen-Tochter Skoda als zweiter Chef. Doch die sprichwörtliche Schlitzohrigkeit der Tschechen hat er schon drauf: "Man darf alles denken, aber nicht alles sagen", lächelt er.

Kurz zuvor hat er auf einem großen Schaubild wortreich erläutert, auf welche Konkurrenten der neue Octavia angesetzt ist. Da prangt in der Mitte - doppelt so groß wie die anderen - ein Bild vom neuen Opel Astra, ringsherum gruppieren sich Opel Vectra, Ford Focus und Mondeo, Renault Megane und Peugeot 307. Und wo ist der VW Golf? Da schweigt Vahland, trinkt auf seinen Jüngsten einen Schluck und grinst vielsagend. Das kränkelnde Kind der eigenen Mutter ärgern? Als frecher Bruder aus Mlada Boleslav bei Prag redet man nicht drüber, man tut es.

Dabei steckt im neuen Octavia fast ebenso viel Golf-Technik aus dem Teilelager des Konzerns wie beim Original. Nur: Der tschechische Ableger ist ein gutes Stück billiger zu haben. Und größer. "Die Kunden kaufen einen Skoda", zitiert Vahland die Marktforschung, "weil sie viel Gegenwert für ihr Geld und eine Portion Auto mehr bekommen wollen." Ob sie mit dem Octavia gut bedient sind, klärt der stern-Fahrbericht.

GLANZ & GLORIA: zurückhaltend. Hatte der Vorläufer noch Ecken und Kanten wie die Prager Burg, so wirkt der Nachfolger mit seinen klaren Linien und dem respektablen Kühlergrill zwar runder und harmonischer, doch auch unauffällig. Der um eine Hand breit gewachsene Radstand tut dem Auto innen wie außen gut und macht es erwachsener. Die Verarbeitung entspricht VW-Standard.

GAS & SPASS:

prima. Der 1,9 Liter große Turbodiesel geht - wenngleich unüberhörbar - entschlossen und spritzig zur Sache. Nie taucht der Eindruck einer lahmen Ente auf. Insbesondere auf kurvigen Landstraßen macht der Wagen dank seines neutralen Fahrwerks und der präzisen elektromechanischen Servolenkung sogar richtig Freude.

GLEITEN & GENIESSEN:

hervorragend. Als Reisewagen bietet der Octavia alles, was man braucht - bequeme Sitze auf allen fünf Plätzen, eine Menge Ablagemöglichkeiten für Getränke und Krimskrams sowie einen gewaltigen, über eine riesige Heckklappe zugänglichen Kofferraum, der sich durch Umlegen der Rückbank auf Lieferwagenniveau vergrößern lässt. Der Fahrer blickt auf gut ablesbare Instrumente, alle Schalter sind leicht zu erreichen. Der Lärmpegel bleibt zwar dezent, auch auf der Autobahn, jedoch sind jenseits von Tempo 140 deutliche Windgeräusche zu hören.

GELD & WERT: Klasse. Der Einstiegspreis (14 490 Euro) ist eine Kampfansage an die Konkurrenz, denn die Ausstattung des Octavia ist fast komplett. Serienmäßig fehlt ein Dieselpartikelfilter, und das Antischleudersystem ESP gibt's nur gegen Aufpreis. Das ist noch zu verkraften. Merkwürdig dagegen ist, dass die höchste Ausstattungsstufe "Elegance" weder Tempomat noch Radio/CD-Spieler, Scheinwerferwaschanlage oder beheizbare Vordersitze serienmäßig enthält. All dies muss extra bezahlt werden. Das war beim Vorgänger anders. Ein wenig versöhnlich stimmt dafür der Verbrauch mit gut fünf Liter Diesel auf 100 Kilometern.

FAZIT:

Ein hervorragender Familienwagen zu einem sensationellen Preis. Der alte Octavia, von dem kürzlich das millionste Exemplar vom Band lief, brachte der VW-Tochter den Durchbruch. Der Neue ist mit Ausnahme der Aufpreispolitik in allen Belangen besser. Er könnte dem Golf das Leben ziemlich schwer machen.

Hans-Robert Richarz


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