Subaru Forester S-Turbo Style Pistensau im Maßanzug


Subaru will raus aus dem Nischen-Mief und rein in die Oberklasse. Dementsprechend aufgemotzt präsentieren sich derzeit die japanischen Allradsportler. Wir waren mit einem Subaru Forester S-turbo »Style« auf den Autobahnen der Republik unterwegs.

Subaru will raus aus dem Nischen-Mief und rein in die Oberklasse. Dementsprechend aufgemotzt präsentieren sich derzeit die japanischen Allradsportler. Wir waren mit einem Subaru Forester S-turbo »Style« auf den Autobahnen der Republik unterwegs. Ausführliche Forester-Fotostrecke

Wow! Ließ der flüchtige Blick auf die Testwagenpapiere noch einen hochbeinigen Durchschnitts-Subaru vermuten, entpuppte sich der vermeintliche Förster als schmucker Silberling. Zugegeben, nicht jedem gefällt der auffällige Körperschmuck des neuen Sondermodells. Sportfahrwerk, große Edelmetall-Laufräder und blitzende Edelstahl-Bauteile lassen keine Zweifel aufkommen: Dieser Förster schießt mit schweren Waffen! Kurz vor seiner Abdankung (der neue Forester kommt im Herbst) wollte Subaru dem bewährten SUV (Sports Utility Vehicle) einfach noch etwas Gutes tun.

Tuning für die Augen

Als Basis für den »Style« musste der S-turbo herhalten. Der stärkste und auffälligste Forester, den Subaru bisher im Programm hatte. Während der zwei Liter starke Vierzylinder-Boxermotor mit Abgas-Turbolader den Übergang zur »Style«-Variante unangetastet hinter sich gebracht hat, war es bei der Karosserie mit der Zurückhaltung vorbei. Neben den mächtigen 18-Zoll-Rädern, die nun in den Forester-Radhäusern stecken, fallen vor allem die dicken Edelstahl-Rohre ins Auge, die sich an allen Ecken und Enden breitgemacht haben.

Ordentlicher Innenraum

Wenig Enttäuschung auch nach dem Einstieg. Im Vergleich zu vielen Konkurrenten aus Fernost überrascht der Forester mit einem farblich abgestimmten Innenraum. Tristes Plastik-Grau sucht man fast vergebens. Nur die unsäglichen Schiebe-Regler für Belüftung und Gebläse stören das Bild im Cockpit. Als krönender Abschluss thront, in feines Leder eingebettet, der große Farbbildschirm des Navigationssystem über dem Armaturenbrett. Das sieht zwar cool aus, Oberklasse ist aber anders ...

Top-Sitze

Trotz der auf hochwertig getrimmten Innenausstattung wirkt das gesamte Armaturenbrett seltsam überladen. Die vielen Knöpfe und Schalter sind eine Folge der extrem umfangreichen Ausstattung - irgendwie wollen all die elektrischen Helferlein ja bedient werden. Dass darunter Optik und Benutzerführung leidet, versteht sich von selbst. Durchweg Bestnoten hat dagegen das Forester-Gestühl verdient. Egal ob Langstrecke oder Kurvenhatz, bei den breiten Sitzen ist man in den besten Händen. Über alldem hängt der dezente Duft einer frisch gewaschenen Kuh - und dass, obwohl sich das Wildleder der Sitze bei genauerem Hinsehen als schnödes Imitat outet.

Müde Automatik

Wer den schicken Förster per Zündschlüssel zum Leben erweckt, hört zunächst nichts. Nur mit viel Phantasie lässt sich erahnen, dass da unter der großen Lufthutze irgendwo 177 Pferde wohnen. Also flugs den Wahlhebel der Viergang-Automatik auf »D« geschubst und gespannt der Dinge geharrt, die von einem Turbo-Triebwerk zu erwarten sind. Doch trotz brachialer Optik und Sport-Auspuff, so richtig berichtenswert ist es nicht, was das Triebwerk mit dem 1.420 Kilo schweren Forester anstellt. Schuld ist daran aber weniger der Motor als vielmehr die Schaltung. Die Automatik wirkt im unteren Drehzahlbereich sehr pomadig und lässt sich nur ruckelnd zum Schaltvorgang bewegen. Hat man genug Kraft im Fuß, sich bis zum Kick-Down durchzutreten, wird schnell klar, dass in dem flachen Boxermotor eigentlich viel Potenzial steckt.

Leistung braucht Drehzahl

Jenseits der 4.000 Umdrehungen pro Minute geht es mit dem SUV auch akustisch flott voran. Und dank Sportfahrwerk und permanentem Allradantrieb macht auch die wilde Kurvenjagd über die Landstraße trotz der üppigen Forester-Maße mächtig Laune. Menschen mit einem Hang zu Bandscheibenvorfällen sollte allerdings zur luftgefederten Konkurrenz greifen - viel Platz für Federwege ist beim sportlich abgestimmten Turbo-Forester nämlich nicht. Als störend entpuppte sich auf langen Strecken die etwas indirekte Lenkung, die vor allem bei Spurrillen mächtig gefordert ist. Hier muss der Förster seiner breiten Bereifung Tribut zollen.

Tankstellen-Schock

Man ahnt es fast, so groß der Fahrspaß, so gewaltig der Schock an der Zapfsäule! Nach unserer Autobahn-Landstraße-Stadtverkehr-Tour zeigte der Tageskilometer-Zähler schlappe 396 Kilometer an und von den 60 Litern Super-Benzin im Tank waren gerade noch fünf Literchen übrig. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 15 Litern auf 100 Kilometern. Sechs, setzen!

Als unpraktisch entpuppte sich auch die Tatsache, dass das ansonsten tadellose Navigationssystem von VDO Dayton völlig unabhängig von den anderen Bordsystemen funktioniert. Die nette VDO-Dame muss also auf die wirklich guten Boxen der Soundanlage verzichten und ihre Ansagen über einen separaten Lautsprecher tätigen, was wirklich schrottig klingt. Und wer unter dem Menüpunkt »Bordcomputer« Verbrauchsdaten und ähnliches erwartet, irrt gewaltig. Der angebliche »Bordcomputer« ist nur für die Daten das Pfadfinders zuständig.

Fazit:

Wer Understatement langweilig findet, wird am Forester Style seine Freude haben. Endlich mal ein Auto, das weithin sichtbar zeigt, was in ihm steckt. Ein vergleichbar motorisiertes und ausgestattetes Spaß-Mobil kostet bei anderen Herstellern weit mehr als die von Subaru verlangten 41.676 Euro. Lediglich der exorbitante Verbrauch möchte nicht so recht ins Bild eines modernen Autos passen.

Jochen Knecht


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