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Subaru Impreza WRX STi: Das Fünfte Element

Einen Wagen aus einer anderer Welt stellt die Allradschmiede Subaru auf die Straße. Die STI-Version der Familienkutsche Impreza ist das ultimative Rallyefahrzeug mit Straßenzulassung.

Gernot Kramper

Eben noch rauschte die Fahrt flott dahin, die Hohen Tauern steil hinab. Plötzlich das elegante und dabei so resolute Winken der Polizistin am Straßenrand. Ein banger Ausruf: "Ich war bestimmt zu schnell." Da lächelt "sie" und erklärt, es handle sich um eine "allgemeine Fahrzeugkontrolle". Als "sie" hinzufügt, sie habe gleich erkannt, dass ich ein "vorsichtiger und korrekter Fahrer" sei, schmilzt das Herz dahin.

Begeistert Sie der Rallye-Impreza?

Wahre Menschenkenntnis zeichnet die italienische Polizei aus, vor allem den weiblichen Teil. Aber "vorsichtiger Fahrer"? Komisch, von außen sieht der Imprezza WRX STI mit seiner unförmigen Lufthutze auf der Haube und dem Bügelbrett großen Spoiler nicht nach der ersten Wahl eines ruhigen Zeitgenossen aus. Inzwischen hat sich der männliche Part der multiethnischen Patroullie aus Südtirol dem Wagen genähert. Josef A. wird geradezu magisch von dem Wagen mit den goldenen Felgen angezogen. Locker baumelt von seiner Schulter die Maschinenpistole. Bevor er sich durchs Fenster beugt, lässt ein geschickter Griff die Mündung in der Uniformjacke verschwinden. Der Lack könnte ja zu Schaden kommen. Josef sagt nicht viel, das Reden übernimmt "sie" für den jungen Kollegen: "Er möchte gern ein Stück mitfahren." Warum ist das Lächeln der Italienerin so sanft? So aufgefordert, ist das Mitfahren jedenfalls kein Problem. Josef macht es auf dem Nebenplatz bequem, verstohlen wandert der Blick zur Waffe. Wenigstens ist sie entsichert. Nicht, dass ein "Huppser" wie in Pulp-Fiction zu einem Blutbad am Steuer führt. Und "Huppser" wird es jetzt geben. Der Impreza startet in einer Wolke aus Split und Geröll. Der Lader heult, die Reifen greifen, Josef A. lächelt wie im Himmel.

Oberhalb von 3.500 Umdrehungen entfesselt der STi eine höllische Kraft, der zwangsbeatmete Vierzylinder drückt die Passagier in den Sitze, vier Reifen bringen 265 PS auf die Serpentinen. Viel schneller, als erlaubt, möchte man nicht fahren, auch wenn es den uniformierten PS-Jünger auf dem Beifahrersitz nicht weiter stören würde. Das ist mit dem STi auch gar nicht nötig. Seine Stärke liegt nicht im sturen Geradeaus, sondern in den Kurven. An den Bremspunkten wird nur symbolisch aufs Pedal getippt und der Allradler mit voller Fahrt durch die Kehren. Auf dem Asphalt klebt der Wagen wie mit Pattex fixiert. Die Insassen rüttelt und schüttelt es, das Fahrzeug zeigt keine Irrtiation. Sobald Split und Dreck mehrere Zentimeter hoch auf dem Asphalt liegen, schiebt sich der Wagen allerdings mit der Kraft aller Reifen quer durch die Kurven. Schnickschnack wie ein ESP-System ist nämlich nicht mit an Bord. Zehn Minuten bergauf zum Pass, zehn Minuten bergab. Unten am Parkplatz lächelt "sie" und nimmt den jungen Kollegen in Empfang. Und Josef hat Klarheit gewonnen: "Der muss es sein!"

Mut zum Auto

Mit diesem Impreza wählt man stets den unpassenden Auftritt für jeden gesellschaftlichen Anlass. Kolleginnen lassen sich nicht mehr zur Bahn fahren – "In die Proll-Kiste steige ich nicht ein!" – der Chef vermutet, die Midlifecrisis habe zugeschlagen und bei der Vorfahrt im Fünf-Sterne-Hotel versucht einen der Page vom Parkplatz zu scheuchen. Dabei ist der goldbeschuhte Japaner ein rollendes Kommunikationswunder. Tankwarte und Mechaniker blicken durch den krusen Schein der überbordenden Spoiler hindurch, erkennen das wahre Herz der Rennmaschine. Kaum möglich, schneller als nach zwanzig Minuten die Tanke zu verlassen. Andere Kunden können in der Schlange warten, der Meister will fachsimpeln . Ältere Herren, gut geborgen an Bord ihres 7er-BMWs blicken, an der Ampel aufmunternd herüber. Man denkt: "Ich weiß, auch du warst mal jung und damals hättest du gern einen GTI gefahren." Für diese Tradition der Blechrabauken, der Tabubrecher, der Autos, die die Mama nicht gut gefunden hätte, steht heute der Impreza WRX STi.

Die Generation der legitimen Erben

Auch normale Autos bieten flotte Fahrgenüsse, der VW GTI für den normalen Geldbeutel oder der Sechszylinder-3er-BMW, wenn es auf dem Konto praller zugeht. Im Vergleich zum Impreza sind das alles Wagen für Warmduscher und Muttersöhnchen. Für Piloten, denen die Ansicht des Chefs und die eigenen Bandscheiben am Herzen liegen. Im Vergleich zu diesen domestizierten Haus- und Garagengenossen entstammt der WRX STi direkt aus der Hölle von Benzin- und Gummigestank. Kaum ein - halbwegs bezahlbarer - Wagen fährt sich so direkt und brutal wie der WRC-Sproß von Subaru. In jeder Situation brummelt das Ungeheuer dem Fahrer zu, "ich bin dein Tier, weck mich nur auf!" Beim Bummel in der Wohnstrasse tasten die Reifen jedes Loch und jede Rille ungeduldig ab. Unglaublich die Fahrt auf der Autobahn. Konstruiert wurde der Wagen für alles andere als für komfortable Langstreckenfahrten, aber wenn die Bahn sich über die Hügel wirft und durch die Täler schlängelt, dann spürt man ab 200 wie die ungeheure Faust des Spoilers den Wagen auf die Fahrbahn presst. So wie dieser fährt kein anderer.

Vier Pranken springen besser

Wie von Subaru gewohnt, wird der STi mit einem echten Allradantrieb ausgeliefert und nicht mit einem Vorderradantrieb und hilfsweiser Unterstützung der Hinterachse. Der Motor liefert hier auch genügend Kraft, um die Traktion auch tatsächlich in brutalen Vortrieb umzusetzen. Highlight ist die rallyetaugliche Bodenfreiheit. Der Monsterspoiler verschönert den Imprezza zwar nicht, dafür ersetzt er tiefliegende Schweller. Ohne Hemmungen kann der STi so über ausgewaschene Pisten und durchs Schotterbett gejagt werden. Hier kommt echtes WRC-Feeling auf, man sollte es aber nicht übertreiben. Auf befestigten Straßen sind Bodenhaftung und äußerst direkte Lenkung garantiert auf Feldwegen nicht.

Erstaunlich praktisch

Dass der STi ein Fahrgefühl entfachen kann, vor dem andere Wagen erbleichen müssen, wurde ausgiebig geschildert. Verblüffend auch die vergleichsweise große Alltagstauglichkeit des Wagens. Das fängt beim Interieur an. Innen wirkt das Subaru-Blau in der Teillederausstattung durchaus stilvoll. Die Rennsitze bieten festen Halt, man sitzt durchaus bequem. Insgesamt gefällt die hohe Qualitätsanmutung des Fahrzeugs. Überraschend, dass der STi ein vollwertiger Viersitzer mit normalen Kofferraum ist. Bewegt man das Fahrzeug unterhalb der Einsatzschwelle des Laders fährt er sich durchaus zivil. Der Verbrauch hält sich dann mit etwa 12 Litern vom guten Super-Plus in der City im Rahmen. Wird der Motor im roten Drehzahlbereich bewegt, kann man selbstredend die 18 Liter Marke übertreffen.

Lebe deinen Wagen

nur die Stereoanlage ist eigentlich überflüssig, der Sound, den der Zweiliter-Vierzylinder-Boxer von sich gibt, lässt jedes andere Geräusch als Verrat erscheinen. Satt und bullig brubbelt er vor sich hin, aber die große Sekunde schlägt, wenn der Lader mit saugendem Geräusch die Leistung hoch peitscht. Dann kennt der Sti tatsächlich kein Halten mehr, die edlen Sechszylinder müssen in ihrer Wohlanständigkeit Platz machen vor dem ungestümen Eindruck, den der Hammer des Laders von sich gibt. Im Drehzahlkeller schnufflet der Boxer dagegen eher lustlos an der langen Leine vor sich hin, bequemt sich auch nicht allzu flott, die Drehzahl ansteigen zu lassen. Aber ab 4.000 Umdrehungen kommt die nackte Rennmaschine durch. Die reinen Werte sagen aber erst die Hälfte, der puristische Stil des Sti legt "gefühlte Wildheit" nach. Im WRX Sti wird ein Fahren lebendig wie in den Sportwagen einer vergangenen Epoche. Sein Stil ist am ehesten noch mit dem Ur-Quattro zu vergleichen.

Der Fahrer bekommt von Subaru ein "pures" Fahrzeug geliefert, ohne Multifunktionslenkrad und elektronische Fahrhilfen. Zu seinem Preis kann man auch stramm motorisierte Sportlimousinen der so genannten Premiummarken bekommen. An reinem Fahrspaß bietet der Subara mehr. Ein Wagen für Autoverrückte.

Kein Fahrzeug sondern eine Lebensanschauung

Kein stärkeres Statement ist auf der Straße denkbar. Wer den Sti fährt, zeigt unübersehbar, dass er anders ist, als die anderen. Und dass seine Autoträume in Regionen weilen, in denen die der Masse, die von schmucken SUVs oder edlen Sportlimousinen schwärmt, sich niemals hin verirren. Tipp: Reinsetzen und anstecken lassen.

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