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Toyota Avensis 2.0 D-D4: No sex please, we drive Toyota!

Im Avensis triumphiert das Vernunft- über das Lustprinzip. In der Mitte seines Lebenszyklus wurde der große Toyota außen und innen ein wenig frisch gemacht und mit einem neuen Motor ausgestattet.

Von Gernot Kramper/Valencia

Gummi- und Ölfetischisten machen einen großen Bogen um ihn. Der Avensis ist der größte Pkw von Toyota und kann als Sieg des Vernunfts- über das Lustprinzip gefeiert werden. Den Leuten gefällt diese Art der Aufklärung. Toyotakunden sind markentreu, sehr zufrieden und ausreichend solvent, um nicht auf Nachlässe zu schielen. Für diese seltene Käufergattung wurde der Avensis in der Mitte seines Lebens ein wenig frisch gemacht und mit einem neuen Motor ausgestattet.

Wer findet den Unterschied?

Bei dem Facelift wurde so behutsam vorgegangen, dass man die Unterschiede kaum bemerkt und eigentlich nicht vermerken müsste. Die Detailpflege an Leuchten, Grill und Rückscheinwerfer ist so unscheinbar, dass wohl kaum ein Avensisfahrer Original und Neuerung auseinanderhalten könnte. Von außen bleibt der Avensis also, was er war: ein ansehnlicher Kombi und eine mysteriöse Limousine mit einem Heck für den besonderen Geschmack. Die Linienführung ist klar und strukturiert. Dank des Grills und der kleinen Delfinnase auf der Haube kann der Wagen sofort als Toyota ausgemacht werden. Dafür fehlt ihm jede Spur von Leidenschaft. Ein Wagen, geschaffen für den Carport vor der Doppelhaushälfte.

Im Inneren wartet die bekannte Toyotaausstrahlung. Zu kritisieren sind die sehr knapp bemessenen Auflageflächen der vorderen Sitze, die Haptik der Stoffe ist zumindest nicht jedermanns Sache. Dafür sind Rundumsicht und der Blick nach hinten ausgezeichnet. Das Platzangebot auf der Rückbank kann sich sehen lassen. Die zahlreichen Ablagen sollten Familien erfreuen können. Allerdings ist der in etwa gleich teure Passat in jeder Beziehung das größere Auto.

Zweifelhafte Neuerungen

Das kleinere, in die Mittelkonsole integrierte Schwarz-Weiß-Navigationssystem kostet 1500 Euro und kann überhaupt nicht empfohlen werden. Hier sollte man einer mobilen Nachrüstlösung immer den Vorzug zugeben. Das große Bildschirm-Navigationssystem für 2400 Euro wurde im Zuge des Facelifts verändert. Statt der bisherigen Fernbedienung im TV-Look gibt es nun eine eingebaute Schalteinheit vor der Handbremse. Glücklicherweise lassen sich die wichtigsten Funktionen nur im Stand bedienen. Wer während der Fahrt dort hinunterschaut, um die Schalter zu suchen, würde sich und seinem Avensis vermutlich ein schnelles Ende bereiten. Die Sperrung von Navigationsfunktionen wird gern kritisiert. Doch jeder, der in einen Unfall verwickelt wird, während er an der Navigation herumdoktert, wird diese Einzelheit aus gutem Grund Polizei und Versicherung verschweigen.

Irrsinniges Überholmanöver

Keine Extratouren

Der Avensis wird in drei Ausstattungslinien angeboten, als Avensis ohne Namenszusatz, als Sol und als Executive. Die meisten Kunden wählen die teuerste Ausstattungslinie. Mit Extra-Wünschen ist man bei Toyota allerdings auf dem falschen Dampfer. Von den Essentials fehlen eine Version mit Allradantrieb und - man glaubt es kaum - ein Automatikgetriebe. Gerade gewerbliche Vielfahrer werden sich mit der Kombination "Diesel und Handschalter" kaum zufriedengeben.

Flotter Feger

Wenn der Avensis in seinem Äußeren noch als "gelungen, aber unauffällig" beschrieben werden kann, kann sein Fahrverhalten durchgängig überzeugen. Die Lenkung reagiert ausreichend direkt, der Wagen schwankt nicht und lässt sich - wenn man dann will - sehr flott um die Kurven setzen. Für dieses Manöver reicht der neu eingeführte zwei Literdiesel mit 126 PS aus. Der größere, stramme Saubermann mit 2.2 Litern Hubraum, 175 PS und der besseren Filtertechnik bietet ein Mehr an Fahrleistungen, dass der normale Kunde kaum braucht. Mit dem kleinen Derivat des D-Cat sollen sparsame Privatpersonen überzeugt werden, und er soll Toyota den Ausbau des Flottengeschäfts erleichtern. Eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h und ein Spurtvermögen von etwa zehn Sekunden von Null auf Hundert sind mehr als praxisgerecht. Allerdings stellt das Leichtmetall-Aggregat seine 300 Nm Drehmoment erst ab 1800 U/min zur Verfügung. Auf den Dieselbiss beim Anfahren muss man also verzichten. Im unteren Drehzahl-Bereich geht es daher ziemlich verschlafen los. Dafür arbeitet der Motor fast geräuschlos, solange der Gasfuß nicht auf das Bodenblech drückt.

Verblüffende Eindrücke

Traditionell kann Toyota auf sehr hohe Kundenzufriedenheit zählen und auf eine ebenso hohe Verarbeitungsqualität verweisen. Die gefahrenen Testmodelle konnten diesem Image nicht entsprechen. Wenn man dann suchte, fanden sich Mängel im Bereich von Lackierung, Graten und Velourzuschnitten.

Ein "Da machst du nichts verkehrt"-Auto

Der einfachste Avensis 1.8 beginnt bei 21.400 Euro für. Das Volumenmodell, der Avensis 2.0 D-4D Executive Combi kommt auf 27.400 Euro. Die Ausstattung ist dann weitgehend komplett, nur Lederausstattung (1.650 Euro) und Navigationssystem fehlen noch. Auch nach dem Facelift bleibt der Avensis sich selbst treu: Solide, leidenschaftslos und verhältnismäßig preiswert. Der richtige Wagen für Personen, denen der ganze Kult ums Auto nicht zusagt und die dennoch von A nach B kommen möchten.

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