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Twingo: Wo sind deine Augen, Kleines?

14 Jahre hat man ihm ganz gern in die Augen geschaut. Der Twingo mit seinem kindlichen Gesicht genoss so etwas wie Kultstatus, bei Studenten wie Hausfrauen. Im September nun rollt der Nachfolger an den Start - und keiner dreht sich mehr nach ihm um.

Von Michael Specht

Das war beste französische Kleinwagentradition. Originell im Design, praktisch im Alltag, preisgünstig für Portemonnaie. Was früher der Renault 4 verkörperte, erfüllte die vergangenen 14 Jahre ein wenig der Twingo. Kein Wunder, dass ihn über 2,4 Millionen Europäer kauften. Der kleine Franzose gehörte fast wie der Mini zu jenen Autos, nach denen man sich nach dem Aussteigen noch einmal umdreht, um ihm zu sagen: "Ich bin bald wieder da, mein Kleiner." Schuld daran waren hauptsächlich seine archetypische Merkmale, wie zum Beispiel der Augenaufschlag der Scheinwerfer, der zumeist bei Frauen kindliche Assoziationen und Kuschel-Instinkte weckte. "Drei von vier Twingo-Käufer waren weiblich", sagt Petra Ruthenschröer, Produktmanager bei Renault.

Beim Nachfolger dürften diese Quote nicht erreicht werden. Der neue Twingo hat jenen verschmitzten, etwas frechen, aber durchaus sympathischen Charme verloren. Renault versäumte es, die van-artige One-Box-Form (angeblich wegen des Fußgängerschutzes) und die typischen Elemente der ersten Generation zu kultivieren, ähnlich wie es Porsche Jahrzehnte mit dem 911er und BMW mit dem Mini gemacht hat. Wenn Twingo alt und neu nebeneinander stehen, lässt sich nur noch der nicht gerade praktische Türgriff als Gemeinsamkeit ausmachen.

Der erste Renault ohne Kühlergrill

Auffällig am Neuen ist nicht nur sein Wachstum um 17 Zentimeter in der Länge (jetzt 3,60 Meter) und fünf in der Höhe, sondern auch seine Kühlergrilllose Front, mit der Renault jetzt einen Neustart im Design wagt (nächster Kandidat ist im Herbst der Laguna). Zwischen den großen Mandelscheinwerfern prangt nur noch der Firmen-Rhombus. Seine Luft erhält der Motor durchs Gitter unterm Kennzeichen. Das Längenwachstum kommt natürlich den Insassen zu gute, besonders den hinteren, vorausgesetzt der Besitzer hat die Ausstattung "Expression" gewählt. Dann sind die beiden hinteren Einzelsitze um bis zu 22 Zentimeter verschiebbar und man genießt im Fond die Beinfreiheit der Business-Class.

Eher nach Economy sieht die helle Plastiklandschaft im Twingo aus. Dafür hatten die Renault-Designer schon seit Jahren kein so glückliches Händchen mehr. Auch das klassische Cockpit mit analogen Rundinstrumenten scheint ihnen ein wenig fremd zu sein. Wie sein Vorgänger trägt auch der neue Twingo seinen digitalen Tacho in Armaturenbrettmitte. Das mag man oder auch nicht. Gut abzulesen aber ist es. Ablagefächer verteilen sich überall im Innenraum, nur eine Literflasche Wasser lässt sich leider nicht vernünftig unterbringen. Und all zu viel Gepäck auch nicht. Sind die Rücksitze ganz nach hinten geschoben, bleiben gerademal 165 Liter nach. In vorderer Stellung sind es 285. Auch nicht üppig. So müssen recht häufig die Lehnen umgelegt werden, um größeres Stückgut nach Hause fahren zu können.

Twingo erstmals mit Diesel

Am günstigsten geht dies mit dem 65 PS starken 1,5-Liter-Commonrail-Diesel. Der Direkteinspritzer, bekannt aus dem Clio und erstmals im Twingo eingesetzt, nervt nicht durch lautes Brummen, sondern überzeugt durch eine angenehme Laufkultur. Außerdem haben die 160 Newtonmeter wenig Mühe, das nur 980 Kilo leichte Auto flott zu beschleunigen. Die Fünfgangschaltung, obwohl leichtgängig und präzise zu bedienen, muss dadurch weniger in die Hand genommen werden. Zur Fahrfreude auf der Straße kommt die Sparfreude an der Tankstelle: 4,3 Liter Durchschnittsverbrauch sind eine äußerst CO2-freundliche Ansage (113 Gramm pro Kilometer). Unschön nur: Der Diesel fährt ohne Rußpartikelfilter. So etwas sollte im Jahre 2007 eigentlich nicht mehr sein. Renault verteidigt dies mit den hohen Kosten, die angeblich in schlechtem Verhältnis zu den etwas geringeren Emissionen stünden. Bei den Benziner hat der Kunde die Auswahl zwischen 60, 75 und 100 PS, jeweils aus nur 1,2 Liter Hubraum. Der Topversion GT bläst ein Turbolader die Leistung in die Brennräume. Das "Hubraum-Downsizing" hat Vorteile: Keiner der Motoren soll im Durchschnitt mehr als 5,9 Liter verbrauchen, liegt somit beim CO2-Ausstoß unter dem ab 2008 gültigen, europäischen Grenzwert von 140 g/km und erhält dafür von Renault intern das Gütesiegel "eco2".

ESP kommt erst 2008

Technisch basiert der Twingo teilweise noch auf dem Clio II, mit dem er zusammen im slowenischen Werk in Novo Mesto hergestellt wird. Dem Komfort und dem Fahrverhalten schadet dies in keiner Weise. Zwar erreicht er nicht die Handlichkeit eines Mini, jedoch auch er lässt sich zielgenau um die Ecken treiben und federt vernünftig. Nur übertreiben sollte man es nicht, denn der Antischleuderschutz ESP ist derzeit nicht verfügbar, für keine der fünf Ausstattungsvarianten. Renault verspricht das Sicherheitsextra erst für 2008. Auch bei der passiven Sicherheit gibt es Einschränkungen. Wer mit Luftkissen rundum geschützt sein will, muss mindestens zur gehobeneren Version "Expression" greifen. Ab dann besteht die Möglichkeit, neben den Front- und Seitenairbags auch zwei vorhangähnliche Windowbags zu bekommen.

Preislich startet der Twingo als "Authentique" mit 9250 Euro, was nur 50 Euro mehr sind als beim Vorgänger. Und dieser hatte weder ein höhenverstellbares Lenkrad, eine elektrische Servolenkung, noch eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung oder gar elektrische Fensterheber. Der Diesel geht los bei 11.900 Euro, der Turbo-Benziner GT kostet 12.400. Teuerster Twingo, aber dann ganz in Leder, ist der 75-PS-"Initiale" mit 14.750 Euro.

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