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Versuchsmotor: Otto der Große

Ottos Zukunft sieht rosig aus. In den Forschungsabteilungen der Autofirmen laufen längst Versuchsmotoren, die fast so wenig verbrauchen wie ein Diesel, dabei aber viel sauberer sind und weniger kosten.

Von Michael Specht

Dass der Ottomotor ein Ass in Sachen Leistung, Kosten und Sauberkeit ist, sichert ihm schon sein über 120 Jahren sein Überleben. Der Diesel punktet, geht es um Drehmoment und Verbrauch. Doch seine Herstellung ist doppelt so teuer und obendrein ist er ein Stinker. Aus seinem Auspuff entweichen massig giftige Stickoxide, NOx genannt. Sie sollen Schuld sein für Sommersmog, Sauren Regen und Waldsterben. Die Motorenbauer wünschen sich seit langem den perfekten Zwitter. Wie lässt sich der Otto so sparsam wie ein Diesel machen, ohne sich dabei Nachteile zu erkaufen? DaimlerChrylser zog vor wenigen Wochen zuerst das Kaninchen aus dem Hut. Ihr Wundermotor heißt Diesotto. Er verbrennt normales Benzin, leistet bei nur 1,8 Liter Hubraum 238 PS und gigantische 400 Newtonmeter Drehmoment und würde in einem Auto von der Größe einer S-Klasse nur sechs Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Klingt nach Magie.

Das Zauberwort der Stuttgarter heißt Raumzündverbrennung. Den Ingenieuren gelang es, das Luft-Benzin-Gemisch kontrolliert selbst zünden zu lassen, ganz ohne Kerze. Das funktioniert nur in einem bestimmten Bereich, bei niedriger Last und niedriger Drehzahl. Aber immerhin, es geht. Wird mehr Gas gegeben, schaltet das System auf den normalen Zündkerzenbetrieb um. Weil der Brennraum vor der Zündung mit viel Restgasen aus der vorigen Explosion gefüttert wird, lässt sich die Temperatur relativ niedrig halten, unter der kritischen Grenze von 1800 Grad Celsius. Und dann entstehen so gut wie keine Stickoxide. Im Auspuff muss also keine aufwendige Abgasnachbehandlung stattfinden, was eine Menge Geld spart.

"Vor fünf Jahren hätten wir noch keine Chance gehabt

Auch Opel im Verbund mit General Motors hat solch einen Diesotto im Versuch laufen, nennt ihn nur HCCI. Das steht für Homogeneous Charge Compression Ignition, was übersetzt so viel heißt wie "homogene Kompressionszündung". Dahinter steckt eine ausgeklügelte Steuerungstechnik und Software. Besonders der extrem hohen Rechenleistung der Prozessoren ist es zu verdanken, dass diese kontrollierte Selbstzündung des Kraftstoffs heute überhaupt schon funktioniert. "Vor fünf Jahren hätten wir noch keine Chance gehabt, einen Motor auf diese Art und unter normalen Alltagsbedingungen zu betreiben", sagt Prof. Dr. Uwe Grebe, Chef der Vorausentwicklung bei GM. Der HCCI-Motor startet konventionell mit Zündkerze, schaltet aber schon wenige Sekunden danach in den Selbstzünd-Modus um. Auch im Teillastbereich bis 3000/min und bis zu einer Geschwindigkeit von 90 km/h arbeitet der Motor nach dem Dieselprinzip. Wird mehr Leistung abgefordert, springt das System in den konventionellen Modus zurück. Noch macht sich der Übergang mit einem kleinen Ruckeln bemerkbar spüren. Auch die Akustik wechselt. Im HCCI-Modus läuft der Motor etwas härter. Bis zum Serienstart will man aber dieses Problem in den Griff bekommen.

"flammenlose" Verbrennung

Kernelement beim HCCI-Motor, der über eine direkte, zentrale Benzineinspritzung und über variabel steuerbare Ventilhübe und Ventilöffnungszeiten verfügt, ist die "flammenlose" Verbrennung. Gewöhnlich breitet sich beim Entzünden des Kraftstoff-Luft-Gemisches eine Flammenfront aus, von der Zündkerze ausgehend in den Brennraum hinein (Ähnlich, als würde man einen Flammenwerfer in ein Zimmer halten). Die Folge: Es entsteht zuviel Hitze (bis über 2000 Grad) und dadurch unerwünschte Stickoxide. Bei HCCI zünden die homogen im Brennraum verteilten Benzin-Luft-Teilchen überall gleichzeitig. Unzählige Mikro-Flammen brennen ab (Im Zimmer gehen eine Million Streichhölzer an). Die niedrigere Temperatur (wieder unter 1800 Grad Celsius) gibt Stickoxiden keine Chance. So reicht auch dem HCCI-Motor ein normaler Dreiwege-Kat, wie wir ihn seit über 20 Jahren unter dem Auto haben.

Diesotto: In etwa fünf Jahren zu kaufen

Der 2,2-Liter-Vierzylinder-HCCI mit einer Leistung von 180 PS sowie 230 Newtonmeter Drehmoment ist derzeit in einem Opel Vectra eingebaut. Verglichen mit einem normalen, ohnehin schon sparsamen Direkteinspritzer verbraucht er noch einmal acht bis zehn Prozent weniger. Bis knapp 90 km/h und bei niedriger Last fährt der Vectra im mageren HCCI-Modus, erst bei höherer Geschwindigkeit oder wenn mehr Leistung abgefordert wird, schaltet das System in den herkömmlichen Verbrennungsmodus um. Insgesamt erreicht der HCCI-Motor 80 Prozent der Effizienz eines Diesels, kostet aber längst nicht so viel wie dieser. Zusätzlich soll er mit allen Benzinsorten und sogar mit dem Ethanol-Benzingemisch E85 fahren. Zur Serieneinführung wollten sich weder Mercedes, noch Opel äußern. Fachleute jedoch vermuten, dass Diesotto wie HCCI in etwa fünf Jahren zu kaufen sein werden.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.