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VW Fox: Wie foxy ist das Füchschen?

VW versteht die Signale. Anstatt der Premium-Kundschaft mit Platinkarte wird das normale Volk mit seinen Einkommenssorgen umworben. Für unter 9.000 Euro bieten die Wolfsburger einen ausgewachsenen Volkswagen mit Sparausstattung.

Überraschung! Da steht er nun, der neue Volkswagen. Ein Riesen-Knuddel bedeckt mit weißem, flockigen Fell. Und was für ein sympathisches Gesicht! Die Scheinwerfer sind geschlossen, verträumt blicken seine blauen Lidstriche auf das angerichtete Bio-Futter. Ganz sicher hat der Kleine tüchtig Hunger, aus dem Kühler schleckt die rote Zunge begehrlich nach dem Futternapf. Ganz sanft streicht meine Hand über die langen Zotteln, neugierig wandert der Blick in den Innenraum. Dort sieht es aus wie in Jeannies Wunderlampe: Rosa Plüsch, goldene Bordüren, von der Decke baumelt ein bunter Hering. Wenn man nur noch sehen könnte, wo der Schlüssel reinpasst, dann könnte man einsteigen und VW auf den psychedelischen Trip folgen.

Vorsicht Kunst!

Okay, ganz so exotisch sieht die Serienversion des neuen Volkswagens nicht aus. Das bepelzte Haustier auf vier Rädern ist ein Art-Car, also die Interpretation junger Künstler von Volkswagens neuestem Spross. Das Zottelfell als Außen-Airbag für Fußgänger steht nicht vor der Serienreife, auch die Entwicklung eines Bio-Motors, den man morgens direkt mit dem Essenresten vom Vortag "auftanken" kann, ist leider pure Fantasie. Doch irgendwie ist der Fox flotter drauf als seine Tester. Verlegen und ratlos steht der gemeine Auto-Redakteur vor den Werken der Kreativen. "Das sind alles Künstler aus dem 'Rapper-Milieu'", klärt ein gesetzter Herr mit Kennermiene die ganz Ahnungslosen auf. "Oh, interessant." Mit großen Schritten naht der Kunstkoordinator: Langes, blondes Haar, ein Sakko von der Altkleidersammlung und Fusselbart.

Wäre der Fuchs etwas für Sie?

Hektisch suchen die Augen des unbedarften Testers nach einem Ausweg aus der drohenden Falle. Dann kommt die rettende Idee, erleichtert blickt der Mann auf die Uhr. "Oh, fein! Das reicht noch für ein paar Ründchen." Und ab geht es zur Fahrzeugausgabe, schnell den Wagenschlüssel geschnappt und nur raus aus diesem irritierenden Ort. Damit wurde noch nicht genug an der Kunst gelitten. Ein böser Schreck wartet am Abend, das Essen nimmt man auf Sitzkissen ein. Für die schwäbische PS-Fraktion können Wagen gar nicht tief genug liegen, aber warum diese Asphalt-Tradition aufs Esszimmer übertragen? "Alles an seinem Platz!" Der Bauch drückt doch in der Lümmelhaltung und das Aufstehen birgt Tücken und Verletzungsgefahr. Als später im Vorraum eine Nachwuchsband loslegt, merkt man, volkstümliche Weisen hätten manchem besser gepasst. Nur ein verschmitzter Kollege erkennt das Gute im Ungewohnten, lächelt, fährt sich über die rote Stirn und rollt die Krawatte ein. "Die ist ja nun zum Glück überflüssig."

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Aufgepeppter Brasilianer

Ganz so wild verwegen, wie die Kunstprojekte ist der wirkliche Fox nicht. Anstatt optischer Experimente wurde viel Wert darauf gelegt, den Fox als erwachsenen Volkswagen mit wertiger Ausstrahlung auf die Straße zu stellen. Dazu trägt vor allem die Frontpartie mit dem dezent integrierten neuen Markengesicht bei. Wie beim GTI und dem neuen Passat dominiert das Kühlerdesign den Auftritt des Wagens. Die Haube trägt die gepfeilte Form, geschickte Kurven im Blech zeigen Muskeln und Spannung. Anders als beim tranigen Lupo wurde nicht an der Durchgestaltung des Blechkleides gespart. Keine Tristesse ungeformter Bleche ernttäuscht die Augen. Der Fox liegt breit auf der Straße, der Kleinwagen-Eindruck einer rollenden Blechschachtel wurde geschickt vermieden.

Back to the Roots

Auf den ersten Blick sieht es im Innenraum des Fox ziemlich flott aus. Das bunte Streifen-Dekor der Sitze erinnert an den Riviera-Charme der 70er Jahre. Einige ausgesuchte aluminiumfarben gestrichene Einzelteile lockern die anthrazitfarbene Kunststofflandschaft auf. Aufteilung und Linien gefallen. Das Cockpit wird von einem riesigen Geschwindigkeitsanzeiger wie im alten Käfer dominiert.

Der Drehszahlmesser rückte an den Rand, auf den ersten Blick könnte man auch denken, dort werde der Spannungszustand der Batterie angezeigt. Mit einer leicht verschmutzten Sonnenbrille hält das Wohlgefühl im Innenraum lange an, doch scharfe Augen entdecken schnell das "Made in Brasil", und das heißt: Keine Naht ohne Grad. Spaltmaße, Fugen, Kunsthoffreste - kleine Hässlichkeiten verzieren jedes Bauteil. Einzelne Formen wurden offensichtlich mit einem Nagelknipser nachgearbeitet. So etwas hat man in einem Volkswagen noch nicht gesehen. Allzu pingelig darf man für den Fuchs nicht sein. Andererseits: Irgendwo muss gespart werden, und von außen wirkt der Wagen ganz bestimmt nicht wie ein Billigheimer. Wer es so nicht ertragen kann, darf sich trösten. Ein Nachmittag mit einem Poliermaschinchen für den Modellbau und eine Tube Kunstoffpfleger sollten ausreichen um die gröbsten Schnipsel zu entfernen.

In der Basisausstattung wird das Wesentliche geboten. Die Sitze fühlen sich erstaunlich gut und fest an, auch das Lenkrad liegt sympathisch in der Hand. Die Fenster wollen wieder mit der Kurbel bedient werden. Elektromotoren für die Außenspiegel sucht man vergebens. Aber siehe da, im Test wurden die Helferlein nicht wirklich vermisst, es geht auch so. Dass man sich im Fox spontan wohl fühlt liegt zum Teil im geschickt aufgehübschten Innenraum, im Wesentlichen aber an der schieren Größe, die der Wagen bietet.

Der Fuchs reckt sich weit in die Höhe, das lichtet den Innenraum. Die aufrechte Sitzposition bietet eine gute Beinfreiheit auf der hinteren Bank des Zweitürers. Zum Dach hin verliert der Fox kaum an Breite, Ellbogen- und Schulterfreiheit sind daher exzellent. Der Kofferraum ist für den Alltagsbetrieb mit 260 Litern Volumen ausreichend, durch die variable Sitzbank lässt sich ein großes Ladevolumen von 1.016 Litern herbeiführen. In der Praxis kann der Fox drei Insassen bequem in den Urlaub bringen, vier Erwachsene werden Probleme mit dem Gepäck bekommen. Optional kann eine längsverschiebbare Rückbank geordert werden. Mit ihr rückt die hintere Bank nach vorn, der Kofferraum vergrößert sich dadurch. Interessant ist dies Angebot daher nur für Familien mit kleinen Kindern, denen die Einschränkung der Beinfreiheit zugemutet werden kann.

Die angebotenen Motoren bewegen den leichten Fox angemessen. Das 1.2 -Liter Aggregat reicht für zügiges Vorankommen in der Stadt, auch eine Urlaubsfahrt im moderaten Tempo ist denkbar. Der 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner leistet 55 PS, mit Fünfgang-Schaltgetriebe ist das für ein Alltagsauto genug. Weil der Fuchs nur eine Tonne wiegt, empfindet man ihn nicht als fahrendes Verkehrshindernis.

Der Schlaufuchs nimmt den Spar-Fox

Wirklich spannend ist der Fox zum Einstandspreis. Für unter 9.000 Euro bekommt man einen Wagen in der Volks-Ausstattung vor die Tür gestellt. Der Fox kann alles, was er muss, sieht von außen hochwertig, von innen flott aus und bietet ein ausgewachsenes Raumangebot. Premium-Gedöns wie elektrische Fensterheber sind allerdings nicht mit von der Partie. Aber Vorsicht: Wer mit beiden Händen in der Kiste mit den Extra-Nettigkeiten wühlt, passiert ruck-zuck die 10.000 Euro Marke. Die Rechnung ist ganz einfach: Auch Eintopf ist ein volkstümliches Gericht, aber wird das Süppchen mit Kaviar und Garnelen "garniert", dann ist der Preisvorteil dahin.

"Das Auto ist unser Botschafter für Preiswürdigkeit", so das VW-Marketing. Wer bei der Ausstattung Maß halten kann, beweist, dass er die Botschaft verstanden hat. Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber kommen beim Fox im Paket auf 500 Euro. Für aufstellbare Seitenscheiben und für eine verschiebbare Rückbank werden moderate 147 Euro verlangt. Der Satz Seitenairbags will mit 255 Euro bezahlt sein, die Klimaanlage schlägt mit 1225 Euro ins Kontor. Dann noch Alufelgen und vorbei ist es mit dem Dasein als cleverer Sparfuchs. Nur wer dem Wagen nicht vorwiegend in der Stadt bewegt, sondern vorwiegend auf der Landstraße, sollte sich für die "stärkeren" Motoren interessieren. Bei den unvermeidlichen Überholmanövern über Land verleihen die zusätzlichen Pferdchen doch das bessere Gefühl. Der 1,4-Liter Benziner kostet 10.400 und der 1,4-Liter TDI 11.400 Euro.

VW kann auch rechnen

Der wirkliche Fuchs sitzt übrigens in der Rechenstube im Wolfsburger Bau. Denn eigentlich wurde der Fox für den südamerikanischen Markt entwickelt und verdient dort seine Brötchen. Anstatt einer kompletten Neuentwicklung wurde das Latin-Model für den europäischen Markt nur gehörig aufgemotzt. Einzelteile, die in Europa unerlässlich sind, hält der südamerikanische Käufer nämlich für entbehrlich. Zum Beispiel braucht der Macho am Steuer keinen schützenden Airbag für seine Beifahrerin. Auch auf eine Heizung kann man in den Tropen getrost verzichten. Dies wollte VW uns dann doch nicht zumuten.

Gernot Kramper
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