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VW Sharan Die schlaue Art des Reisens


Eine Zeitlang glaubte man, die großen Vans seien beerdigt worden. Der neue Sharan zeigt, welchen Reiz es hat, mit viel Platz und dem gleichen Komfort wie in einer großen Reiselimousine unterwegs zu sein.
Von Gernot Kramper

Das Besonders am großen Van von VW ist, dass er nichts Besonderes sein möchte und sich nicht damit aufhält, irgendwelchen maskulinen Machofantasien zu huldigen. Dem modischen Cross-Over-Schnick-Schnack von Trecker-Reifen und Sportwagendach erteilt er eine kühle Absage.

Über die sogenannten "Baby-Bomber" wurde viel gewitzelt, dabei sind sie eine besonders clevere Art Auto zu fahren. Wer einen SUV mit nur annähernd vergleichbaren Innenraum sucht, muss schon einen Cadillac Escalade ordern. In einem X5 geht es zwar nicht bescheidener, aber doch beengter zu. Im Sharan findet man die entspannte, hohe Sitzposition und dennoch ist der Wagen mit einem Vier-Zylinder-Diesel bereits gut motorisiert. Bei einem SUV müssten es zwei Zylinder mehr sein.

Der Sharan ist ein unaufgeregter Familienbegleiter und macht dabei eine gute Figur. Freundlich, verlässlich und unaufgeregt. Dass alle VWs irgendwie die gleiche Markenfront verpasst bekommen haben, stört bei ihm am wenigstens. Das Knappe, gemäßigt Kantige des neuen Looks gibt dem Sharan ein markantes Aussehen. Im Innenraum geht es familien-demokratisch zu: Die Plätze vorn sind sehr großzügig bemessen, aber in der zweiten Reihe sind die Plätze kein Deut schlechter. Die Inneneinrichtung und Instrumentierung entspricht dem hohen Niveau von Volkswagen. Der Testwagen war mit einer Drei-Personen-Bank und zwei Sitzen in der dritten Reihe ausgestattet. Wer es sehr üppig liebt, kann auch zwei Einzelsitze für die zweite Reihe bestellen.

Die neuen Schiebetüren hinten ermöglichen endlich einen bequemen und weiten Einstieg. Überfällig waren sie allemal, denn eigentlich war es noch nie zu akzeptieren, dass man Schiebetüren in jedem umgebauten Lieferwagen bekommt, sie in den teuren Family-Vans aber nicht zur Verfügung stehen. Die Variabilität beim Sharan lässt kaum Wünsche offen. Getreu dem Van-Konzept lassen sich die Sitze leicht zusammenfalten. Dann ergibt sich ein ebener Ladeboden mit mehr als zwei Metern Länge. Für Gepäck und gelegentliche Möbeltransporte ist man gut gerüstet. Mehr geht nur bei zivilen Versionen von Nutzfahrzeugen rein – dort muss man dann aber auch das Gestühl komplett ausbauen.

Entspanntes Fahren in großen Dimensionen

Der Sharan fährt sich in jeder Situation entspannt. Der 140 PS-Diesel bewegt den großen Wagen leichtfüßig, die Fahreigenschaften entsprechen dem Pkw-Standard von VW. Auch wenn die Werbung für den Multivan das Gegenteil suggeriert: Der größere T5 fährt deutlich unkomfortabler als der Sharan und benötigt auch entsprechend mehr Leistung.

Bei einer Größe (Länge 4,85 Mete, Breite 1,90 Meter) hat man einen Stauraunm von 300 Litern – bei aufgestellter dritter Reihe - bis 2.430 Litern zur Verfügung. Dafür benötigt der Sharan allerdings auch einen angemessenen Lebensraum um sich herum. Verwinkelte Altstadtgassen sind nicht sein Revier. Wer sich für den Sharan entscheidet, sollte den Platz auch nutzen, ein Touran ist merklich kompakter. Der Parkassistent von VW sollte beim Kauf daher eine Überlegung wert. Der Helfer ist nicht billig, wird sich aber auf Dauer bezahlt machen. Ganz so intuitiv, wie versprochen, klappt es zunächst nicht. Aber wenn man die Funktionsweise erstmal begriffen hat, befreit er den Wagen aus ausweglos zugeparkten Situationen. Inzwischen ist das System so leistungsfähig, dass es auch einen geübten Parker entlastet. Eine klare Empfehlung.

Loben darf man auch den 2.0.-TDI-Motor. Bereits die gefahrene 140 PS Version verhilft dem Sharan auch auf der Autobahn zu einem unangestrengten Fahrgefühl selbst jenseits von 160 km/h. Hier wird der stärker Diesel noch mehr Leistung zeigen, aber wer nicht so häufig auf Fernreisen ist, sollte den 140 PS-Motor zumindest ausprobieren. Der Handschalter arbeitet präzise, zum Charakter des Wagens würde das DSG-Getriebe besser passen. Absolut überzeugen konnte der Verbrauch: Vollbeladen, mit normalen Gasfuß und gelegentlich mit Spitzengeschwindigkeit gefahren, benötigte der Sharan im Durchschnitt 7,5 Liter Diesel. Glückwunsch. Ohne Zuladung und mit etwas sparsamer Fahrweise sollten weniger als 6,5 Liter in der Praxis drin sein.

Familie mit Kindern darf man nicht unbedingt mit "das Geld ist knapp" in Verbindung bringen, wenn sie sich für den Sharan interessieren sollen. Zwar weist der Sharan einen guten Werterhalt auf, doch ein großer Van ist nie billig und ein Sharan mit einigen Extras ganz bestimmt nicht. Mit 40.000 Euro für einen gut ausgestatteten Wagen sollte man kalkulieren. Irrsinnig teuer ist das jedoch nicht, das zeigt ein Blick über die Segmentgrenzen hinweg: Der Sharan liegt gleichauf mit einem 3er BMW, einem Audi A4 in typischer Business-Konfiguration oder einem Tiguan und dafür bringt der Van – wie es sich gehört - eine Menge mehr Auto mit.


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