Golf meets Emotion, Teil 3 Nummer 5 bebt, reloaded

Volkswagen hat seiner Nummer 5 drei rassige Models auf die Motorhaube gesetzt und das ungleiche Quartett inmitten Wolfsburger Tristesse von Star-Fotografin Ellen von Unwerth ablichten lassen.

Da zerreißt sich das automobile Deutschland das Maul darüber, wie stinklangweilig der neue Golf geraten ist, und dann sowas: Volkswagen setzt seiner Nummer 5 drei rassige Models auf die Motorhaube und lässt das ungleiche Quartett inmitten Wolfsburger Tristesse von Star-Fotografin Ellen von Unwerth ablichten. Drumherum wird eine laszive Story gezimmert, und fertig ist der Fotoroman für Erwachsene. Werbung? Kunst? Größenwahn? Nichts von alledem - und doch von jedem etwas.

Ein Hauch von Garnichts

Ellen von Unwerth mag es gerne direkt. Warum ein Model mit Klamotten belasten, wenn die Fotos eh erotisch werden sollen. Goldfädchen, transparente Chiffon-Stoffe und knappe Farbfetzen, die irgendwann mal ein Kleidungsstück werden sollten, müssen reichen. Da spielt es auch keine Rolle, dass so ein Herbsttag in Wolfsburg kalt werden kann. Saukalt.

Wer schön sein will, muss leiden. Und mit Schönheit kennt sich Madame Von Unwerth aus. In einem Frankfurter Vorort-Kaff geboren, schaffte sie es 1975 nach einer kurzen Zirkus-Karriere als Model nach Paris. Zehn Jahre später wechselte sie hinter die Kamera und setzt seitdem überwiegend sehr leicht bekleidete Schönheiten in Szene.

Vierecks-Beziehung

In Wolfsburg sind neben einem VW Golf von der Stange zwei schlanke Schönheiten mit von der Partie, die um einen knackigen Knaben balzen. So richtig entscheiden kann sich der schwachbrüstige Korse Fouad allerdings für keine der Bewerberinnen. Mal vernascht er die rassige Blondine Margarita, nur um wenig später der strengen Anna aus der Hand zu fressen, die ein knallhartes Business-Weib stilisiert.

Zwischendurch gehen sich die beiden Ladies gegenseitig an die Wäsche. Die bevorzugten Spielplätze sind dabei Wolfsburgs "schönste" Ecken: ein Verladebahnhof, das VW-Kraftwerk oder ein unfassbar hässliches Freibad. Der Golf ist als Randfigur immer dabei und wird nicht geschont. Fiese High-Heels auf der frisch polierten Motorhaube – fast scheint es, als würde das zum Modeobjekt umfunktionierte Automobil unter all der erotischen Last erbeben.

Wer am Ende in Fouads Armen dahinschmelzen darf, ist nicht überliefert und natürlich auch nicht von Bedeutung. Viel wichtiger scheint, dass selten ein Auto so mutig und fantasievoll präsentiert wurde. Schon gar nicht von Volkswagen.

Jochen Knecht

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